Es geht um hohe Stargagen. «Wir unterliegen der Schweigepflicht in Bezug auf Künstlerhonorare», sagt Michele Paparone, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Lucerne Festival. Auch beim Menuhin Festival Gstaad oder beim Verbier Festival heisst es: «Über Gagen können wir keine Angaben machen.»

Recherchen der «Handelszeitung» unter Profimusikern lassen das rasante Preiswachstum von Stars nur erahnen. So soll die renommierte Violinistin Anne-Sophie Mutter für ein Sommerfestivalkonzert 105000 Fr. erhalten. Auch Stargeiger Maxim Vengerov sei schon mit knapp 100 000 Fr. entlöhnt worden. Die Aufführung eines Sinfonieorchesters kostet zwischen 100000 und 300000 Fr., wobei die Entlöhnung für Sänger und Solisten nicht inbegriffen
ist.

Vorne Glamour, hinten Holzklasse

Von Musikern erfährt man unter der Hand, dass der Trend zu Spitzengagen steil nach oben zeigt. Das bestätigt auch Leonz Blunschi, Präsident des Menuhin Festivals: «Die Gagen der Künstler sind in den letzten Jahren tendenziell gestiegen.» Denn die Anzahl der klassischen Sommerfestivals in der Schweiz nimmt laufend zu. Mittlerweile hält fast jede grössere Gemeinde ihr eigenes Klassikfestival ab.
Angesichts der vielen Festivals ist der Konkurrenzkampf unter den Eventbetreibern härter geworden. Dabei öffnet sich die Schere zwischen hohen und tiefen Gagen. Hoch sind Honorare von Piano- und Violinsolisten sowie von Starsängerinnen und Dirigenten. Das Musiker-Proletariat dagegen, zum Beispiel aus englischen oder osteuropäischen Orchestern, kann sich mit der Orchesterarbeit allein meist kaum über Wasser halten. Ein freischaffender klassischer Schweizer Musiker erhält in der Regel für drei Proben plus einen Konzertauftritt magere 1000 bis 2000 Fr.
Die Festivals reissen sich vor allem um klingende Namen. Schliesslich sind sie die Zugpferde für die Festivals. «Früher waren Künstler froh, im Juli und August ein Engagement zu erhalten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Das ist ein knallhartes Business geworden», sagt Blunschi. Doch Zahlen zu den Gagen will er nicht nennen. Auch nicht zum Star-Flötisten Emma-nuel Pahud, der dieses Wochen-ende (10. bis 12. August) am Me-nuhin Festival auftritt. «Wir wollen nicht, dass sich die Festivals gegenseitig die Gagen vorhalten und damit diese noch mehr steigern.»
Der Präsident des Menuhin
Festival betont: «Wir haben auch schon Künstler abgelehnt, weil wir nicht bereit sind, so viel zu zahlen.» Namen werden keine genannt, das sei Ehrensache.
«Es gibt auch Sponsoren, die bereit sind, für einen bestimmten Star tief in die Taschen zu langen, aber wir bestimmen, wer kommt», sagt Blunschi, «sonst resultiert möglicherweise ein Wischi-Waschi-Programm ohne klares Profil.»

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Budget verdoppelt

Seit 1999 haben sich beim Me-nuhin Festival die Ausgaben für künstlerische Leistungen von 950000 Fr. auf 1,9 Mio Fr. verdoppelt. Das Budget des Lucerne Festival hat sich von 1999 von 14 Mio Fr. auf 22,5 Mio Fr. für drei Festivals (Ostern, Sommer, Piano) gesteigert. Das Budget für den Sommer beträgt rund 19 Mio Fr., wobei 10 Mio Fr. für das künstlerische Programm ausgegeben werden.
Trotz Geldrummel bleiben manche Stars mit einigen Festivals eng verbunden. Ihr Auftritt steigert ihr eigenes und zugleich auch das Renommee des Festivals, wie etwa bei der Violinistin Anne-Sophie Mutter. Sie hat vor 31 Jahren ihr Debüt in Luzern gefeiert und ist dem Event bis heute treu geblieben. Dieses Jahr wird sie am 30. August mit den Berliner Philharmonikern auftreten.
Dabei wird sie sicherlich ihren Preis wert sein.