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Anschuldigung
Fiat-Chrysler soll wie VW getrickst haben

Jeep Renegade am Genfer Autosalon: Illgeale Software auch bei Fiat-Chrysler? Keystone

Deutschland ist überzeugt, dass illegale Motorsoftware auch bei Fiat-Chrysler zum Einsatz gekommen ist. Die Italiener weisen die Vorwürfe zurück. Greenpeace spricht schon von einem Branchenskandal.

Veröffentlicht am 01.09.2016

Der Abgas-Skandal weitet sich auf den Fiat-Chrysler aus. Das deutsche Bundesverkehrsministerium ist überzeugt, dass ähnlich wie Volkswagen auch der amerikanisch-italienische Autobauer illegale Software zu Abschaltung der Abgasreinigung eingesetzt hat.

Prüfungen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) an vier Autos des Herstellers hätten den «Nachweis des Einsatzes einer unzulässigen Abschalteinrichtung erbracht», heisst es in einem Schreiben des Ministeriums an die EU-Kommission, das der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Italien: Vorrichtung dient dem Motorschutz

Durch die Abschaltung steige bei den untersuchten Autos der Ausstoss an Stickoxiden auf das neun- bis 15-fache des Grenzwerts, heisst es in dem Schreiben weiter. Die italienische Zulassungsbehörde habe nach Hinweisen aus dem KBA ebenfalls Tests vorgenommen, sei aber der Ansicht, dass die Vorrichtung dem Motorschutz diene. Diese Ansicht «kann Deutschland nicht teilen».

Das deutsche Verkehrsministerium fordert in dem Brief die EU-Kommission auf, «geeignete Konsultationen mit der italienischen Behörde durchzuführen, um eine Lösung herbeizuführen». In einem separaten Schreiben an das italienische Verkehrsministerium verlangt Berlin ebenfalls, «die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, dass die hergestellten Fahrzeuge wieder mit dem genehmigten Typ in Übereinstimmung gebracht werden». Dazu wäre wohl eine Rückrufaktion wie bei Volkswagen nötig.

Fiat wehrt sich gegen Anschuldigungen

Über das Schreiben des deutschen Verkehrsministeriums Richtung Brüssel hatte zuerst die «Wirtschaftswoche» berichtet. Fiat teilte der Zeitung mit, die beanstandeten Autos erfüllten «die anwendbaren Emissionsanforderungen». Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte das KBA zwei Fiat 500x, einen Jeep Renegade und einen Fiat Doblo untersucht.

Die Tests folgten auf eine grössere Untersuchung des KBA, die im Frühjahr fragwürdige technische Verfahren bei zahlreichen Dieselmodellen verschiedener Hersteller ans Licht gebracht hatte. Hintergrund war das Bekanntwerden des Volkswagen-Skandals. Der Konzern hatte vor knapp einem Jahr zugeben müssen, in Millionen Dieselautos eine illegale Software eingebaut zu haben, die den Abgasausstoss bei Tests künstlich drückt.

Greenpeace sieht «Branchenskandal»

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht in den jüngsten Erkenntnissen des KBA zu den Fiat-Chrysler-Autos den Beweis dafür, dass es sich beim Volkswagen-Skandal in Wahrheit um einen «Branchenskandal» handle. Dies hätten Beobachter schon lange vermutet.

Verkehrsminister Dobrindt messe allerdings mit zweierlei Mass, kritisierte Tobias Austrup von Greenpeace: «Fiat will er das Motorschutz-Argument nicht durchgehen lassen. Aber deutsche Hersteller wie Opel oder Daimler dürfen mit eben dieser absurden Begründung die Abgasreinigung unter völlig normalen Fahrbedingungen abschalten.» Dobrindt müsse dafür sorgen, «dass schmutzige Diesel von der Strasse kommen».

(sda/gku)
 

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