Der italienische Autobauer Fiat hat einen neuen Fahrplan zur Übernahme der Mehrheit an Chrysler vorgestellt. Bereits in den kommenden Monaten will er seine Beteiligung von derzeit 30 auf 46 Prozent aufstocken. Fiat werde seinen Anteil an Chrysler für rund 1,27 Milliarden Dollar um weitere 16 Prozent erhöhen, sobald Chrysler seine Regierungsschulden zurückzahle, hiess es aus der Konzernzentrale in Turin.

Dies werde schon im Laufe des zweiten Quartals 2011 geschehen. Bis zum Jahresende dann will Fiat weitere fünf Prozent an Chrysler übernehmen und damit dann die Mehrheit halten.

Chrysler ist bei den Regierungen der USA und Kanadas derzeit noch mit sieben Milliarden Dollar verschuldet. Die Regierungen hatten den Autobauer 2009 gestützt und vor der Pleite bewahrt. Die Refinanzierung der Schulden war stets Voraussetzung für eine Übernahme gewesen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte wiederholt erklärt, die Beteiligung am US-Autokonzern sukzessive bis zur Übernahme der Mehrheit aufstocken zu wollen. Es stand jedoch bislang noch nicht fest, wann genau.

Marachionne realisiert seinen Plan

Nun soll der Traum des Fiat-Chefs in Erfüllung gehen. Weltweit würden nur sechs Autokonzerne langfristig überleben, hatte der 58-jährige Manager schon zu Beginn des Krisenjahres 2009 prophezeit. Eine Jahresproduktion von bis zu sechs Millionen Autos sei dafür nötig. Dieses Ziel will Marchionne zusammen mit Chrysler bis 2014 erreichen.

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Derzeit kommen Fiat und Chrysler zusammen auf einen Jahresabsatz von mehr als drei Millionen Autos. Zum Vergleich: Weltmarktführer Toyota lag 2010 bei 8,42 Millionen Fahrzeugen, Europas grösster Autokonzern Volkswagen bei 7,14 Millionen.

Chrysler hat im vergangenen Jahr 1,1 Millonen Autos abgesetzt - ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Krisenjahr 2009. Gleichzeitig gelang es Marchionne, die Verluste einzudämmen. In diesem Jahr soll Chrysler wieder in die Gewinnzone kommen. Fiat verkaufte 2010 rund 2 Millionen Autos.

Fiat hatte seinen Anteil an Chrysler bereits in der vergangenen Woche planmässig von 25 auf 30 Prozent aufgestockt. De facto kontrollieren die Italiener den Detroiter Autokonzern bereits seit dem Neustart nach der Insolvenz vor anderthalb Jahren.

(cms/tno/sda)