In der Fifa-Zentrale in Zürich überstürzen sich die Ereignisse - und die Meldungen. Richtig ist gemäss Recherchen der «Handelszeitung», dass sowohl Fifa-Chef Josef Blatter wie Fifa-Exekutivmitglied und Uefa-Präsident Michel Platini für 90 Tage von ihren Tätigkeiten suspendiert werden sollen. Diesen Antrag hat die Ethikkommission der Fifa auf Antrag der Fifa-Untersuchungskammer gestellt.

Nun ist es an der rechtssprechenden Kammer der Ethik-Kommission unter Richter Hans-Joachim Eckert, über diese Anträge zu befinden. Eckert hat bis zu einem abschliessenden Entscheid noch Anhörungsrechte von Blatter und Platini zu berücksichtigen. Bis eine allfällige Suspendierung rechtskräftig würde, kann es noch Wochen dauern.

Blatter winkt ab

Derweil ist Fifa-Präsident Joseph Blatter «über keinerlei Schritte informiert», was die Untersuchung der Fifa-Ethikkommission in seinem Fall betrifft. Dies teilten Blatters Anwälte am Mittwochabend mit. Sie reagierten damit auf Medienberichte, wonach Blatter suspendiert werden soll.

«Wir würden von der Ethikkommission erwarten, dass sie vom Präsidenten und seinen Anwälten hören wollen und die Beweise sorgfältig untersuchen, bevor sie irgendeine Empfehlung für disziplinarische Aktionen abgeben», teilten die Anwälte Lorenz Erni und Richard Cullen mit.

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Verschiedene Medien hatten am späten Mittwochnachmittag berichtet, dass die Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission eine provisorische Sperre von neunzig Tagen für Blatter fordert. Diese Informationen wurden aber von keiner unabhängigen Quelle bestätigt. Weder die FIFA noch die Ethikkommission kommentierten die Angaben.

2 Millionen für von Platini für Blatter

Die Ethikkommission wurde aktiv, weil bekannt wurde, dass Blatter dem Platini im Februar 2011 zwei Millionen Franken überwies. Angeblich für von 1999 bis 2002 geleistete Dienste des Franzosen.

Blatter soll diese Millionen-Zahlungen über ein Fifa-Konto ausgelöst haben. Zum Zeitpunkt der Überweisung war Blatter noch im Besitz einer Einzelunterschrift. Die Zahlung wirft Fragen auf, zumal bislang kein entsprechender Arbeitsvertrag aufgetaucht ist. Zudem liegt Platinis Arbeitsverhältnis bei der Fifa über 9 Jahre zurück. Ein Anspruch auf eine Zahlung, würde sie denn auf einer Gegenleistung basieren, wäre längst verjährt. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Blatter  wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung und Veruntreuung um zwei Millionen Franken.

Platini ist weg vom Fenster

Wenn Eckert dem Antrag der Ethikkommission zustimmt, wird Blatter einen unrühmlichen Abgang bei der Fifa erleben. Für Platini, der noch immer für den Posten des Fifa-Präsidenten kandidieren will, ist das Rennen ums Präsidium gelaufen. Damit er überhaupt zu einer Kandidatur zugelassen würde, müsste er einen Integrity-Check durch die Fifa-Ethikkommission überstehen.

Dass er dies schafft, ist aus heutiger Sicht ausgeschlossen. Blatter-Nachfolger soll am 26. Februar gewählt werden. Bewerbungsschluss für Kandidaten ist der 26. Oktober.

«Korrupte Organisation»

Aus dem Verkehr gezogen wird ein weiterer möglicher Kandidat für das Fifa-Präsidium. Gegen den Südkoreaner Chung Mong-Joon beantragt die Untersuchungskammer der Fifa eine Sperre von 15 Jahren. Chung, dem selber ein Korruptionsversuchs vorgeworfen wird, hat dies heute in London bestätigt. Er trat am Leader Sport Business Summit  2015 als Gastredner auf und ritt eine Frontalattacke gegen die Fifa und Blatter.

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Der Fifa-Präsident sei ein Lügner, meinte Chung und die Fifa eine «korrupte Organisation, die nur im Dienst ihrer Chefs» stehe. Franz Beckenbauer hat sich dieser Tage von einer Kandidatur Platinis distanziert. Er brachte dieser Tag den Südafrikaner Tokyo Sexwale als möglicher Kandidat ins Spiel. Sexwale ist ehemaliger Weggefährte von Nelson Mandela und war später Minister in der Südafrikanischen Regierung. Er ist Geschäftsmann und hat eine Beraterfunktion bei der Fifa.

(mit Material der sda)