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Fifa: Joseph Blatters neue Altlasten

Joseph «Sepp» Blatter: Seit 1998 steht er an der Spitze des grössten Sportverbands der Welt. Und da will er bleiben.

Frisch aufgetauchte Akten werfen ein schiefes Licht auf Blatters Wiederwahl als Präsident im Jahr 2002.

Von Jean François Tanda
am 18.07.2012

Nach jahrelangen Strafermittlungen gegen die Fifa und Fifa-Exponenten kamen letzte Woche neue Beweise für Korruption im Weltfussballverband ans Licht. Präsident Joseph «Sepp» Blatter wurde als Mitwisser eines Schmiergeldsystems entlarvt. Am 17. Juli verkündete er nun eine bemerkenswerte Änderung. Neu soll die Fifa-Ethikkommission auch Fehlverhalten aus der Vergangenheit verfolgen. Eine Verjährung gebe es nicht mehr.

Damit könnte Blatter selber ins Schussfeld der Fifa-Ermittler geraten. Seit seiner ersten Wahl ins Präsidium 1998 kursieren Spekulationen über einen möglichen Stimmenkauf. Neu aufgetauchte Dokumente geben nun diesen Gerüchten erneut Nahrung – zumindest was Blatters Wiederwahl 2002 anbetrifft. Gegenkandidat damals war Issa Hayatou aus Kamerun. Kurz vor der Abstimmung sandte Ex-Fifa-Vorstandsmitglied Mohamed Bin Hammam aus Katar, der damals Blatter unterstützte, einen empörten Brief an seinen Amtskollegen aus Südkorea. Darin ging es offensichtlich um Bestechung. Am 22. Mai 2002 schrieb der Funktionär, die asiatischen Verbände seien «reif genug». Man könne sie nicht mit einem dreitägigen Gratisaufenthalt in Korea «bestechen». Auch er selbst und «Herr Blatter» könnten die Asiaten mit Goal-Projekten nicht «bestechen». Goal ist das Fifa-Programm für Entwicklungshilfe. Bin Hammam schliesst: «Bevor ich meinen Brief beende, eine Bitte: Lass uns das Wort ‹Bestechung› aus dem Wortschatz löschen.»

Was bedeutet dieses Schreiben? Heisst das, in anderen Kontinenten konnte man mit Goal-Projekten Stimmen kaufen? Fifa-Medienchef Walter de Gregorio will die Frage nicht beantworten und verweist an Bin Hammam. Der Fussballfunktionär aus Katar war für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar.

Der Brief könnte ein Fall für die neuen Fifa-Ermittler werden – sofern Blatters Aussage stimmt, wonach die Fifa-Justiz keine Verjährung mehr kenne. In der ­Vergangenheit änderte der Walliser allerdings mehr als einmal seine Meinung

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