Es war ein Auftritt, wie ihn Joseph Blatter liebt. Umringt von Notabeln aus der Zürcher Gesellschaft und mit einem Bauarbeiterhelm auf dem Kopf mauerte der Fifa-Präsident vergangene Woche symbolisch die erste Wand des neuen Fussballmuseums.

Es gab keine kritischen Fragen, sondern nur Applaus. «Sie sehen einen sehr glücklichen Präsidenten», frohlockte Blatter. «Noch ist dieses Gebäude zwar eine Baustelle, aber schon bald wird hier eine echte Begegnungsstätte für den Fussball und seine Millionen von Fans weltweit errichtet. Es ist ein grosser Tag für mich und die Fifa.»

Ein noch grösserer Tag dürfte für Blatter im Frühling 2015 kommen. Dann soll das Museum eröffnet werden. Bis dahin haben allerdings Bauleute und Architekten noch viel zu tun. Alle Fäden laufen dabei an der Zürcher Hardturmstrasse zusammen. Dort sitzen Blatters Architekten, das Büro SAM.

Verankert in der ETH Zürich

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Das Unternehmen ist aus dem 1958 vom Badener Architektur-Doyen Dolf Schnebli gegründeten Büro hervorgegangen und entwickelte sich in wechselnder Zusammensetzung dynamisch. Nach dem Ausscheiden von Flora Ruchat-Roncati 1997 formierten sich Dolf Schnebli, Tobias Ammann und Sacha Menz zur namengebenden SAM.

Der gebürtige Wiener Menz machte 1989 sein Architekturdiplom bei Schnebli und wurde 2004 zum Professor an der ETH Zürich ernannt. Seit 2009 ist er Vorsteher des neu gegründeten Instituts für Technologie in der Architektur und seit 2011 des Departements Architektur. Vor drei Jahren übernahmen Menz und sein Partner, der Frauenfelder René Antoniol, das SAM-Aktienkapital vollständig. Zusammen mit fünf Partnern in der Geschäftsleitung von SAM arbeiten Menz und Antoniol mit einer Belegschaft von bis zu 40 Mitarbeitern.

In der Schweiz und international entwarfen die SAM-Architekten schon diverse bekannte Bauten. In Zürich zum Beispiel waren sie für den Neubau des «Vorderen Sternen» – der bekannteste Würstchengrill der Schweiz – verantwortlich. Gleich jenseits der Stadtgrenze haben sie soeben die Planung für ein Baufeld in der Überbauung Richti in Wallisellen mit 130 Wohnungen abgeschlossen. 

Neben der Erweiterung der ETH Lausanne holten sie sich unter anderem Meriten im Spitalbau. Sie gestalteten Projekte für die Klinik St.Anna in Luzern, das Kantonsspital Baden und das Spital Menziken. Auch in der Nähe des geplanten Fifa-Museums waren sie bereits tätig. Die Kantine der Swiss Re – der sogenannte Pavillon – stammt von SAM.

Auf ein Spezialgebiet will sich das Unternehmen nicht ausrichten, wie René Antoniol betont. Das mittelgrosse Architekturunternehmen sei bewusst breit angelegt und stelle sich durch die Teilnahme an Wettbewerben auch der internationalen Konkurrenz. Gegenwärtig bearbeitet SAM zwei Projekte im Ausland und folgt damit weiterhin den Fussstapfen des Gründervaters Dolf Schnebli, der Bauten in den USA und Europa realisierte. Zuletzt wurde durch SAM im Jahr 2000 das Headquarter der Swiss Re America seiner Bestimmung übergeben.

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Massiv umgestaltet

Mit dem Fifa-Museum hat SAM einiges vor. «Wir wollen dem Tessinerplatz eine Stimme geben, sagt Antoniol. Der zentrale Platz in Zürich soll neben dem Bahnhof ein weiteres architektonisches Merkmal mit internationaler Ausstrahlung erhalten.

Das drei Jahren leer stehende Hochhaus in der Enge war schon vor dem Bau umstritten, weil ihm Jugendstilhäuser geopfert wurden. Den neungeschossigen Hochbau errichtete Werner Stücheli von 1971 bis 1978. Das Gebäude prägt seither das Stadtbild und scheidet die Geister – bis heute. Antoniol ist von seiner Qualität überzeugt. Gebäude aus dieser Zeit wie das Haus zur Enge gehörten zum kulturellen Erbe von Zürich und würden es verdienen, wie klassische und mittelalterliche Bauwerke gepflegt zu werden, meint er.

Für das Fifa-Museum wird der Bau nicht abgerissen, aber massiv umgestaltet. Das Hochhaus soll auf vier Stöcken, davon zwei unter dem Boden, neben einer Hall of Fame, einer Gedenkstätte für die Götter des Fussballs, dreidimensionale Shows und Spielmöglichkeiten sowie eine Arena und Trophäen enthalten. In den oberen Etagen sind fast 4000 Quadratmeter Büros und 28 Wohnungen geplant.

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Eine Bewilligung für den Rückbau liegt bereits vor. Die Umnutzung zum Museum und teilweise die Umwandlung und Erweiterung für Wohnungen müssen noch genehmigt werden. Das dürfte aber keine Schwierigkeiten bereiten. Noch in diesem Jahr soll mit dem Umbau begonnen werden. Die Fifa mietet das ganze Haus für 40 Jahre. Statt wie der ursprünglich im vergangenen Jahr neben dem Hauptsitz des Verbandes auf dem Zürichberg geplante Neubau 180 Millionen Franken kostet die Einrichtung für das neue Projekt bloss 30 Millionen Franken – zuzüglich Mietkosten.

Die Besitzerin Swiss Life plant, in den Umbau rund 75 Millionen Franken zu investieren. Die Architekten von SAM waren, schon bevor sich die Fifa für das Haus in der Enge interessierte, in einem Vorprojekt involviert.

Blatter, dessen Amtszeit als Präsident des Weltfussballverbandes in zwei Jahren ausläuft, kann sich mit dem Sportmuseum ein Vermächtnis schaffen. Mit dem Haus in der Enge trifft er ins Tor – dank SAM.

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