Der Münchner Richter Joachim Eckert will drastisch gegen Korruption bei der Fifa vorgehen. Der Co-Chef der Ethikkomission will jeden bestrafen, der die Kooperation verweigert – selbst wenn es sich um Präsident Sepp Blatter handelt.

Damit forciert der neue Co-Chef der Ethik-Kommission des Weltfussballverbandes Fifa einen Monat nach seiner Berufung die Aufräumarbeiten im von Korruption und Veruntreuungen gebeutelten Fussball-Imperium. «Der Verband muss komplette Transparenz herstellen», sagte Eckert zum Nachrichtenmagazin «Focus». Dafür müsse seine Ethik-Kommission «dem Fluss des Geldes bis auf die Privatkonten folgen können».

Der Richter am Münchner Landgericht, der gerade einen Korruptionsprozess gegen einen früheren MAN-Vorstand führt, forderte weitreichende Befugnisse für seine Kommission, um Schmiergeldströme zu stoppen: «Fifa-Angehörige sollen verpflichtet sein, uns Auskünfte zu erteilen.» Um dies durchzusetzen, will der international angesehene Mafia-Experte «mit meiner Kammer Geldstrafen verhängen oder gar einen Fifa-Ausschluss».

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Wenn Blatter nicht kooperiert, ist er weg

Bis Weihnachten sollen die ersten Fälle abgeurteilt sein. Eckert macht auch vor Fifa-Präsident Sepp Blatter nicht halt. «Ich darf bei meinen Verfahren keine Unterschiede im Ansehen der Person machen», sagte Eckert zu Focus. «Für Blatter heisst es: Entweder er klärt auf oder er ist weg.» Nachdem in den vergangen Jahren ruchbar wurde, dass Fifa-Funktionäre offenbar dreistellige Millionen-Euro-Summen auf Privatkonten verbucht hätten, gebe es für den Verbandsboss keine Alternative.

Eckert muss herausfinden, wie viel der Fifa-Präsident von den Bereicherungen der brasilianischen Fussball-Granden Joao Havelange und Ricardo Teixeira wusste. Die beiden Funktionäre haben nach Erkenntnissen von Schweizer Ermittlern in den 90er-Jahren umgerechnet mehr als zwölf Millionen Euro Schmiergeld kassiert.

Laut Eckert gilt es zu prüfen, «ob der Nachweis erbracht werden kann, dass Korruptionsvorgänge über Blatters Schreibtisch gingen». Der Fifa-Chef war bis 1998 Generalsekretär des Verbandes.

Vier bis fünf Jahre für Reformen

Zur Unterstützung wird Eckert hochqualifizierte Wirtschaftsprüfer engagieren, die bis zu 500 Euro pro Stunde kosten. «Unser Etat ist nicht begrenzt. Wir werden lediglich intern kommunizieren, dass wir einen Auftrag erteilt haben und wie hoch das Finanz-Volumen dafür sein wird.»

Laut Eckert wird es vier bis fünf Jahre dauern, alle Reformen für eine lückenlose Transparenz der Fifa-Finanzströme auf den Weg zu bringen. Dann könne jedermann nachvollziehen, woher die Milliarden aus Medien- und Sponsorenrechten kämen und wohin sie flössen, sagte er Focus. «Sollte ich den Eindruck bekommen, die Fifa behindert mich, würde ich meine Arbeit in der Ethikkommission beenden.»

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(muv/chb/tno)