Trotz der Kreditkrise haben die Schweizer Banken bei den ausländischen Fondsmanagern weiterhin einen äusserst soliden Ruf. Zwar wurden die vom amerikanischen Subprime-Debakel hart betroffenen Grossbanken UBS und Credit Suisse vorübergehend aus den Portfolios eliminiert, aber nach der scharfen Korrektur sind diese Titel für zahlreiche Branchenkenner wieder ein Kauf. Das hängt auch damit zusammen, dass gewichtige Notenbankvertreter und Bankenchefs durchblicken lassen, die schlimmste Phase der Krise an den Finanzmärkten sei überstanden.

Hausaufgaben gemacht

Kein Zweifel: Die Rettung von Bear Stearns durch JP Morgan mit Hilfe der amerikanischen Notenbank und andere Eingriffe durch das Federal Reserve haben bis zum Sommer zu einer Stabilisierung an den Finanzmärkten beigetragen. Dazu kam jüngst die Sanierung der beiden angeschlagenen US-Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac durch den Staat. «Die Probleme der Banken sind jetzt vor allem mit den makroökonomischen Veränderungen gekoppelt», sagt Guy de Blonay, Fondsmanager bei New Star Asset Investment in London.

Die notwendigen Hausaufgaben bei den Kreditinstituten intern wurden gemacht. So haben die Banken allein in Europa über 70 Mrd Euro an zusätzlichem Kapital beschafft. Die «Tier-1-Ratio», das von den Aufsichtsbehörden scharf beobachtete Verhältnis zwischen Eigenkapital und sämtlichen Vermögenswerten, hat sich dank diesem Sanierungsschritt deutlich verbessert. «Mit diesen Kapitalaufstockungen wurde die Stimmung in Bezug auf die Finanzwerte positiv beeinflusst», gibt sich Guy de Blonay überzeugt.

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Neubeurteilung

Allerdings gilt es, je nach Financials-Kategorie zu unterscheiden. Die Investmentbanken, allen voran Merrill Lynch und Goldman Sachs, werden derzeit gemieden. Das hängt nicht nur an möglichen weiteren Abschreibungen, sondern an den Chancen für die weitere Entwicklung des Neugeschäfts in den kommenden Jahren. Die Risikobereitschaft der institutionellen Anleger hat sich grundlegend verändert, und das bekommen in erster Linie die Investmentbanker zu spüren. Das bleibt vorderhand auch für die Universalbanken UBS und Credit Suisse mit ihrem gewichtigen Investmentsektor eine Hypothek. «Die vermögenden Leute verschieben ihre Gelder in Banken, die keine solche Ausrichtung haben», sagt Guy de Blonay als Manager des New Star Global Financials Fund. Das hat für ihn Konsequenzen. Er setzt auf die Banque Cantonale Vaudoise (BCV), weil diese Aktie ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis und eine hohe Dividendenrendite aufweist.

Krisen programmiert

Branchenkenner gehen davon aus, dass die Rentabilität der Banken in den westlichen Ländern zunehmend durch Kreditausfälle, Liquiditäts- und Kapitalmarktentwicklungen, den Schuldenabbau sowie verschärfte Regulierungen bedroht wird. Zwar haben die Börsennotierungen im Bankensektor überdurchschnittlich nachgegeben. Das allein ist aber keine Garantie, dass es schon bald wieder steil aufwärts geht. «Die Banken geraten alle 15 Jahre in eine grosse Krise», bringt es John Duffield, Chairman von New Star Asset Management, auf den Punkt. Wie lange die Talfahrt diesmal anhält, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Die Anleger werden durch die Zunahme der notleidenden Kredite verunsichert, speziell am amerikanischen Hypothekenmarkt. Allgemein werden höhere Rückstellungen erwartet, die erst abgebaut werden, wenn der untere Wendepunkt am US-Häusermarkt erreicht ist.

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Defensive Anlage

Mittlerweile wird im Financials-Sektor defensiv angelegt. Bei Fondsmanager de Blonay zählen dazu in erheblichem Umfang Versicherungen aus dem Nichtlebensbereich. Eingeschlossen ist bei diesem Szenario auch der Mehrspartenversicherer Bâloise. Positiv wird das Umfeld für die im Hedge-Fonds-Geschäft aktive Man Group mit ihrem Schweizer Ableger RMF beurteilt, ebenso wie für die Private-Equity-Firma Partners Group. Als bedeutendes Investment wird auch Temenos, der Spezialist für Bankensoftware, gehalten.

Die Engagements konzentrieren sich bei Fonds mit einem Schwerpunkt im Finanzbereich ganz generell auf Titel, die über keine strukturierten «Subprime»-Produkte verfügen. Demgegenüber werden Banken favorisiert, die über grosse Aktivitäten in Schwellenländern verfügen. Zudem stufen die Fondsmanager speziell Finanzwerte aus den sogenannten BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China) als attraktiv ein, da sie im Zuge der jüngsten Verkaufswelle gleichermassen abgestraft wurden wie ihre westlichen Konkurrenten.