«On our journey to the moon», tönt es pathetisch in E-Mails der Vorgesetzten bei der weltgrössten Vermögensverwalterin UBS, «our ship has been attacked.»

Der Angriff auf das UBS-Mutterschiff erfolgte aus kürzester Distanz, direkt von der anderen Strassenseite. Die Konkurrenz vom Zürcher Paradeplatz, die Credit Suisse (CS), hat nahezu das ganze Mexiko-Team der UBS abgeworben. 16 Vermögensverwalter, 13 davon in der Zürcher Zentrale und 3 in Mexico City stationiert, die erfolgreich den lateinamerikanischen Markt aufgebaut haben, wechseln zur Erzrivalin. Erfahrungsgemäss folgt die Hälfte der Kundschaft.

Der Abgang in globo stellt einen neuen Höhepunkt der Jagd nach Talenten dar. Früher waren es Einzelpersonen oder eine Handvoll Spezialisten, die sich abwerben liessen. Nun läuft ein ganzes Team, vom Chef bis zum Assistenten, zur Tür hinaus, ohne der langjährigen Arbeitgeberin eine Träne nachzuweinen. Alle hätten innert fünf Minuten Ja zum Angebot der CS gesagt, hat der abtrünnige UBS-Mexiko-Leiter Kollegen in der Bank erzählt.

Dass es im Private Banking der UBS rumort, erzählen Insider schon lange. Rund ein Dutzend Kundenberater kündigten vor einiger Zeit in Singapur, und vor über einem Jahr ging das in London stationierte Russland-Team von Bord. Nutzniesserin war jeweils die Credit Suisse. Deren Chef Oswald Grübel habe den Vertrag für die Russland-Berater eigenhändig unterschrieben, behauptet ein UBS-Manager. Den Leuten sei von der CS ein fixes Einkommen von einer Million Franken während dreier Jahre garantiert worden.

Über mögliche Gründe für den Exodus will sich die UBS öffentlich nicht auslassen. Eine Sprecherin sagt lediglich, man habe die Vakanzen durch interne Leute behoben, womit «die lückenlose Betreuung der Kunden garantiert» sei. In der internen Kommunikation ist hingegen Besorgnis zu spüren. An Sitzungen versprechen derzeit die Vorgesetzten, es gehe um Fragen der Lebensqualität, man nehme das Problem ernst und wolle sich in Zukunft frühzeitig um die Sorgen der Mitarbeiter kümmern.

Laut einem UBS-Vermögensverwalter ist das Hauptproblem die überbordende Bürokratie. «Ständig will das Management Sitzungen, fordert von der Front zusätzliche Berichte oder noch einen Event für die Kunden», sagt der 45-jährige Mann, der seit über 15 Jahren bei der Grossbank arbeitet.

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Hinzu komme ein überholtes Lohnsystem. Während das Mexiko-Team bei der CS einen im Voraus fixierten Anteil des Gewinns erhalte, hänge bei der UBS die Höhe des Bonus vom Wohlwollen des Vorgesetzten ab.