Die Sicherstellung externer Finanzmittel gewinnt für Unternehmen gerade in der Krise an Bedeutung. Es gilt «cash is king». Im Rahmen von verschiedenen Beratungsmandaten hinsichtlich (Re-) Finanzierungen und Akquisitionen konnte Swiss Capital Corporate Finance AG die folgenden fünf Trends im Schweizer Finanzierungsumfeld für grosse und mittlere Unternehmen ausmachen:

1. Striktere Vergabekriterien sowohl bei Neukreditvergabe als auch bei Kreditverlängerung: Im Sog der Wirtschaftskrise wird sich die Anzahl an Insolvenzen in der Schweiz 2009 um rund ein Viertel auf 5300 erhöhen. Die zunehmenden Zahlungsausfälle und die verschlechterte Bonität der Unternehmen führen bei den Banken zu einem im Durchschnitt schlechteren Kreditportfolio, was ein erhöhtes Schutzbedürfnis und damit striktere Vergabekriterien für Kredite nach sich zieht.

Etablierte Bankbeziehungen sind in diesem Kontext von Vorteil, da z.B. Hausbanken mit dem Geschäftsmodell bereits vertraut sind. Zudem ist eine Verschiebung der Gewichte innerhalb der Bankenlandschaft hin zu den inländischen Banken spürbar. Insbesondere die Kantonalbanken treten vermehrt als Kreditgeber oder Syndikatsbanken auf. Die ausländischen Banken stammen traditionell mehrheitlich aus dem Euro-Raum und befinden sich aufgrund hausgemachter Probleme, verbunden mit höheren Refinanzierungskosten, tendenziell auf dem Rückzug.

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2. Kreditverträge mit kürzeren Laufzeiten und höheren Kosten: Eine weitere Schutzmassnahme der Banken besteht darin, ihr Exposure gegenüber einzelnen Unternehmen durch kürzere Laufzeiten zu begrenzen. Zudem begegnen die Banken dem gestiegenen Ausfallrisiko durch eine Ausweitung der Kreditmargen, was sich vor allem im 1. Halbjahr 2009 zeigte. Angesichts stark gesunkener Leitzinsen schlägt sich dies in nur mässig gestiegenen Gesamtfinanzierungskosten nieder.

3. Umfassendere Kontrollrechte der Banken bergen zunehmendes Konfliktpotenzial: Die vor dem Zusammenbruch von Lehman verbreiteten «Covenant light»-Strukturen sind heute nicht mehr anzutreffen. Heute erleben Unternehmen vielmehr eine Ausweitung der Kontroll- und Kündigungsrechte der Banken und sehen sich umfassenderen Informationspflichten gegenüber. Neben der Begrenzung des absoluten Leverages erhalten die Banken insbesondere durch Zustimmungspflichten bei Akquisitionen oder grösseren Investitionsvorhaben indirekt Einflussnahme auf die Unternehmensführung. Konflikte zwischen Management und Banken sind damit absehbar.

4. Anpassung bestehender Kreditverträge - Offenheit auf beiden Seiten: Die Kreditverträge weisen eine zunehmende Komplexität auf, welche das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Banken reflektiert. Infolgedessen werden bei Kreditvertragsverhandlungen, sei es für neue Kredite oder Anpassung bestehender Kredite, häufiger externe Berater zugezogen. Speziell bei Unternehmen, die aufgrund der Wirtschaftslage Kreditbedingungen nicht mehr einhalten können, ist ein offener Dialog über den Status und den «best guess» über die nahe Zukunft zielführend. Ein solcher Dialog hilft, eine realistische Anpassung der Kreditbedingungen zu erreichen. In den meisten Fällen bieten die Kreditgeber Hand zu einem konstruktiven Ergebnis.

5. Zugang zu alternativen Finanzierungsformen: Im 2. Halbjahr 2009 hat sich der Schweizer Anleihenmarkt für börsennotierte Schweizer Mid Caps wieder geöffnet. Unternehmen wie Forbo, Georg Fischer oder Aryzta haben die Möglichkeit genutzt, sich über eine Anleihe vornehmlich bei Schweizer institutionellen Anlegern zu verschulden. Die Kreditkosten und Laufzeiten entsprechen ungefähr denjenigen für Bankkredite. Ausserdem bietet sich für global tätige Firmen auch das sogenannte US Private Placement an, eine Finanzierungsform zwischen Bankkredit und Anleihe. Amerikanische Versicherungsgesellschaften stellen langfristig (10 bis 15 Jahre) Mittel zur Verfügung zu Konditionen vergleichbar mit dem Banken- und Anleihenmarkt.

Fazit und Ausblick: Die Krise in der Finanz- und Realwirtschaft beeinflusst bestehende wie auch neue Kreditverhältnisse. Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis der Banken manifestiert sich in strikteren Vergaberichtlinien, kürzeren Laufzeiten und höheren Kosten. Allerdings zeigen erfolgreiche Transaktionen, wie z.B. die Akquisition der Oerlikon-Space- Aktivitäten durch Ruag und die erfolgreiche Platzierung eines syndizierten Kredits in Höhe von 575 Mio Fr. für Kaba, dass der Finanzierungsmarkt in der Schweiz für substanzstarke Unternehmen weiterhin offen ist. Für 2010 ist mit mehr alternativen Finanzierungsinstrumenten sowie vermehrten Veräusserungen von «non-core»-Firmenbeteiligungen zu rechnen.