Anleger lassen sich nicht täuschen. Sie haben ein Elefantengedächtnis, wenn ihnen Konzernchefs eine positive Zukunft und Wachstumspotenzial in Aussicht stellen. Nach der letzten Finanzkrise, als 2002 und 2003 die Aktien der Versicherer aufgrund von waghalsigen Anlagestrategien einbrachen und Konzerne wie die Rentenanstalt (heute Swiss Life) und die Zürich am Rand des Untergangs standen, gelobten die Firmenchefs Besserung. Man werde vorsichtigere Anlagestrategien fahren und sich absichern und vor allem würden strategische Schritte einer rigorosen Risikokontrolle unterzogen.

Enttäuschung sitzt tief

In den letzten Wochen ist genau das Gegenteil eingetreten: Versicherungskonzerne allen voran Swiss Life, Swiss Re und Bâloise haben mit ihren Jahreszahlen enttäuscht. Sie gaben Kapitalverluste bekannt, die zu erheblichen Gewinnrückgängen in den einzelnen Sparten führten. Zudem kämpft der Rückversicherer Swiss Re immer noch mit den Folgen seiner Subprime- und US-Kreditmarkt-Engagements; und Swiss Life hat sich mit ihrem Engagement beim Deutschen Finanzvertrieb MLP in eine Sackgasse manövriert. Zudem kommunizierte der Schweizer Lebensversicherer eine Gewinnwarnung und kürzte das Aktienrückkaufprogramm um 1,5 Mrd Fr. Die Anleger erinnern sich an die letztjährigen Ausführungen des damaligen Swiss-Life-CEO und künftigen VR-Präsidenten Rolf Dörig, der einen starken und attraktiven Dividenentitel in Aussicht gestellt hatte. Nun verlor der Aktienkurs innert dreier Wochen 30% an Wert.

Wer wen überrascht hat

Die Versicherungschefs reden die Verluste klein. Spricht man Rolf Schäuble, Präsident und CEO der Bâloise, auf die Krise der Versicherer an, dann winkt er entschieden ab: Die Schweizer Versicherer seien in keiner Art und Weise in einer Krise, sagt er gegenüber der «Handelszeitung». Vielmehr staunt er, «wie überrascht die Anleger waren, als wir das Ausmass der Kapitalverluste bekannt gaben».

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Die böse Überraschung ist jedoch verständlich. Die Versicherungskonzerne legten wort- und faktenreich dar, wie sie sich gegen derartige Finanzmarktturbulenzen absichern. Ausserdem betonten sie bei jeder Gelegenheit, wie sie nicht mit den ins Strudeln geratenen Banken verglichen werden könnten. Nun hat sie die Realität eingeholt. Finanzanalysten wie René Locher von Sal. Oppenheim sprechen von einer Krise insbesondere auf der Kapitalanlageseite. Und es wird dauern, bis sich die mittelgrossen Versicherer wie Swiss Life, Bâloise und Helvetia vom Schock erholt haben.

Lesen Sie dazu das , Präsident und CEO der Bâloise.