Die Schweizer Hedge-Profis sind alarmiert. «Wir beobachten die Entwicklung um Bear Stearns und den Sub-Prime-Sektor genau», sagt Marcel Schindler, COO und Partner der in Zürich ansässigen Swiss Capital Alternative Investments.

Das Debakel um die beiden in Schwierigkeiten geratenen Hedge-Fonds des US-Finanzriesen Bear Stearns, die mit strukturierten Krediten (siehe Kasten) geschäften, hat sich weiter verschärft. Inzwischen musste das Unternehmen die Rettung eines der beiden in Schwierigkeiten geratenen Vehikel aufgeben; für die Ausfinanzierung des «High Grade Structured Credit Fund» hingegen wirft die Bank 1,6 Mrd Dollar auf. Die zwei Hedge-Funds hatten für 10 Mrd Dollar Vermögen aufgenommen und dieses in Derivate auf besonders risikoreiche Kredite gesetzt, darunter auch auf zu Anleihen gebündelte Hypotheken von wenig zahlungskräftigen «Subprime»-Schuldnern. Und obwohl dies Bear Stearns an ihrem Sitz in New York bestreitet, schätzen Insider, dass rund 70% der gesamten Hedge-Investments von Bear Stearns Asset Management gefährdet sind.

Schweizer Anbieter involviert

Das muss auch hiesige Hedge-Investoren interessieren. In der Schweiz sind rund 200 Dachfonds zugelassen, die das Vermögen
ihrer Investoren auf einzelne Hedge-Instrumente verteilen.
Bear Stearns ist für die Branche als Broker und mit ihrer beherrschenden Stellung im US-Markt für strukturierte Kredite eine wichtige Adresse. «Wie viele andere Schweizer Anbieter unterhalten wir in verschiedenen Gebieten Geschäftsbeziehungen zur Bank Bear Stearns», sagt Schindler von Swiss Capital. Schindler hält dabei aber fest, dass weder Swiss Capital noch eines ihrer Dachfonds-Produkte in den angeschlagenen «High-Grade Structured Credit Fund» von Bear Stearns investiert sei.
Erst gar nicht zu Anlagen in Einzelfonds Stellung nimmt die an der Londoner Börse kotierte Man Investment, die in Pfäffikon Schwyz eine Niederlassung betreibt, ebenso wenig wie LGT Capital Partners. Auch sie ist eine gewichtige Investorin in alternative Anlagen. «Unsere Portefeuilles sind von möglichen Auswirkungen der Bear-Stearns-Fonds nicht direkt betroffen», führt Stefan Mühlemann, Partner und Head of Hedge Fund Portfolio Management, weiter aus. Aber auch wenn er die Folgen der Ausfälle bei Bear Stearns für begrenzt hält, behält Mühlemann die Entwicklung auf den Kreditmärkten «ganz genau im Auge».
Kritisch würde es nämlich dann, wenn sich die Ausfälle in den zwei Bear-Stearns-Fonds, gekoppelt mit dem kriselnden Markt für Subprime-Hypotheken, auf das ganze Gebiet der strukturierten Kredite ausweiten würden. Dort ist in den USA rund 1 Billion Dollar an Geldern parkiert, und es braucht ständig neue Liquidität. «Eine negative Beschleunigung wäre möglich, wenn die Investoren in strukturierte Kreditprodukte vorsichtiger würden, ihr Exposure abbauten und bei Neu-Emissionen zurückhaltend blieben», sagt Mühlemann von LGT Capital Partners. Denn dann würden zwangsläufig höhere Risikoprämien gefordert, um Abnehmer für Kredite mit erhöhtem Ausfallrisiko zu finden, so der Hedge-Experte. «Investmentbanken könnten zudem zu einer zurückhaltenderen Leverage-Finanzierung tendieren.»
Einiges ist bereits geschehen: Investoren wollen von hochrentierenden, aber risikobehafteten Anleihen, sogenannten Junk Bonds, nichts mehr wissen – einzelne Auktionen an der Wall Street sind bereits geplatzt. «Eine kurzfristige Korrektur der Risikobereitschaft unter den Anlegern ist aus heutiger Sicht möglich und im Lichte der letzten sehr risikofreundlichen Phase auch nicht ganz überraschend», kommentiert Stefan Mühlemann.

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Breitere Risikoflucht denkbar

Eine ähnliche Flucht aus Risiken könnte auch im Aktienmarkt stattfinden. Am meisten betroffen wären illiquide Anlagen (Private Equity, Rohstoffe ausser Rohöl und Gold, exotische Derivate) sowie die teilweise durch westliche Käufer emporgetriebenen Wertpapiermärkte in Asien. Die jüngsten grossen Schwankungen an der Börse von Schanghai sind lediglich ein Vorgeschmack.

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Gebündelte Kredite

Gebündeltes Risiko
Die in die Krise geratenen Hedge-Fonds der amerikanischen Investmentbank Bear Stearn investierten in strukturierte Kredite, sogenannte «Collateralized Debt Obligations» (CDO). Dabei werden bestimmte Basiswerte wie Anleihen, Kredite, Derivate oder andere CDO in verschiedene Risiko-Tranchen gebündelt (strukturiert) und so auf den Markt gebracht und weiterverkauft (verbrieft).

Klassifizierung
Es gibt verschiedene Tranchen. Die Investmentbanken fassen die Hypothekenportefeuilles mit «guten» Risiken («Super Senior»), mittelprächtigen («Mezzanine») und schlechten Risiken («Equity») zusammen und verkaufen diese an Investoren weiter.

Rendite-Risiko-Verhältnis
Die risikoreichen Tranchen, wie etwa Subprime-Hypotheken, erhalten den besten Zins. Gerät das Portfeuille aber in Schwierigkeiten, werden die am wenigsten risikobereiten Gläubiger zuerst entschädigt – zuungunsten der anderen Tranchen. Wegen der relativ hohen Renditen sind CDO bei Hedge-Fonds sehr beliebt.