Beinahe wöchentlich machen auf dem Finanzplatz neue Untergangsszenarien die Runde. Zehntausende von Arbeitsstellen gelten laut Experten als gefährdet.

Jetzt zeigen sich in den Statistiken erste Anzeichen für den Totalumbau der Branche. In Genf stieg die Zahl der arbeitslosen Banker in den letzten zwölf Monaten um 24 Prozent auf 740, in Zürich um 22 Prozent auf 1133. Über alle Branchen hinweg fiel in beiden Städten die Quote, was ein Indiz für einen Strukturwandel ist.

Die Banken versuchen derzeit, die Kosten bei unterstützenden Tätigkeiten wie Abwicklung, Administration oder Information-Support abzubauen. Betroffen sind vor allem Fachkräfte im Backoffice, etwa Analysten, Buchhalter, IT-Spezialisten oder Assis­tenten von Vermögensverwaltern. Zunehmend verlieren auch Berater mit un­genügend grossem oder europäischem Kunden­stamm die Stelle.

Grundlegender Wandel

Gleichzeitig werden hoch spezialisierte Arbeitskräfte – etwa Rechtsexperten, Händler oder Berater mit ausgezeichnetem Netzwerk in einem Schwellenland – weiterhin dringend gesucht. So versuchen die Banken, gleichzeitig Kosten zu senken und Erträge zu steigern. «Die Banken­industrie befindet sich in einem grund­legenden Wandel», sagt Headhunter Thomas A. Biland.

Dieser dürfte noch einige Jahre andauern und eine Reihe von Schliessungen und Fusionen mit sich bringen. Erst kürzlich kaufte Julius Bär die Vermögensverwaltung von Merrill Lynch. In Genf, wo die Amerikaner ein grosses Back­office ­betreiben, rechnet man mit einem grösseren Stellenabbau.

Insgesamt müsse die Schweiz mit 20 Prozent weniger Bankangestellten in den nächsten zwei Jahren rechnen, sagt der Headhunter Marco Boss­hardt. Stellenwechsel würden kaum noch mit erklecklich höheren Salären honoriert, sagt er. Der Genfer Outplacement-Spezialist Steeves Emmenegger vermittelt viele Entlassene in andere Branchen. Dort müssten sie markante Lohneinbussen hinnehmen, erklärt er.

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