Die Firma Logjob ist mit einer neuen Filiale ins Jahr 2009 gestartet. Spüren Sie als Personalberater noch keine Anzeichen von Flaute in der Logistik?

Andreas König: Grundsätzlich möchten wir möglichst nahe beim Kunden, sprich Firmen und Stellensuchenden, sein. Neben den bestehenden Standorten in Zürich, im Mittelland, in der Ostschweiz und in Basel decken wir neu von Konstanz aus nun auch den Raum Bodensee besser ab. Vor allem «Grenzgänger» können wir so direkt «vor Ort» optimal betreuen. Aber es ist nicht zu übersehen: Die Nachfrage nach «Logistikern» ist tiefer als in den letzten Jahren.

Apropos Grenzgänger: Erhalten Sie viele Bewerbungen aus dem angrenzenden Ausland?

König: Bereits in den letzten Jahren hat das Bewerberinteresse an Schweizer Logistikstellen vor allem aus Deutschland stark zugenommen. Dies hat sich mit dem Ausbruch der Krise nochmals verstärkt. Vor allem aus der sehr stark betroffenen deutschen Automobilindustrie inklusive Zulieferern erhalten wir viele Anfragen von aktiv Stellensuchenden. Dabei handelt es sich meistens um sehr gut qualifizierten Personen.

Ist die Nachfrage nach Logistikspezialisten derzeit tiefer?

König: Da «Logistiker» in fast allen Branchen tätig sind, ist auch die Nachfrage sehr heterogen. Am deutlichsten spüren wir den Rückgang in der Exportindustrie sowie in der internationalen Spedition. Aber auch die im Inland operierenden Logistikdienstleister, welche vor allem allgemeine Stückguttransporte anbieten, leiden doch recht stark. Das Auftragsvolumen in der Schweizer Transportbranche ist diesen Frühling um bis zu 20% gegenüber Vorjahr eingebrochen. Und viele Firmen haben Einstellungsstopps verordnet. Auf der anderen Seite ist der Inlandkonsum noch immer stützend. Aber auch in der Konsumgüterindustrie und im Detailhandel zeigen sich Bremsspuren.

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Wann könnte es denn Ihrer Meinung nach wieder aufwärtsgehen?

König: Zurzeit rechnen die Konjunkturexperten damit, dass frühestens Mitte 2010 eine langsame Erholung eintreten könnte. Aber wir erhalten vereinzelt auch Signale von Kunden, dass doch bereits wieder erste positive Anzeichen am Horizont auftauchen. Die Auswirkungen der ursprünglichen Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt werden also sehr unterschiedlich beurteilt. Die Hoffnung besteht, dass sie nicht ganz so gravierend sein werden wie im letzten Abschwung 2003. Denn: Inzwischen scheiden jedes Jahr aus demografischen Gründen mehr Arbeitnehmer aus dem Erwerbsleben aus als bisher. Das heisst, der Rückgang des Angebots dämpft die Auswirkungen eines Nachfragerückgangs, die sich per Saldo auf die Arbeitslosigkeit ergeben. Obendrein werden die Arbeitgeber angesichts eines weiterhin spürbaren Fachkräftemangels versuchen, gut eingespielte Teams so lange wie möglich zu halten, auch mit Blick auf eine mögliche Erholung im Jahr 2010. Aber hier eine wirklich seriöse Prognose zu wagen, ist zurzeit beinahe unmöglich.

Stichwort Fachkräftemangel? Ist das Finden von Personal demnach nicht einfacher geworden?

König: Obwohl die Anzahl der Stellensuchenden zunimmt, bleibt das Finden der «richtigen» Persönlichkeit weiterhin schwierig. Vor allem gut qualifizierte Spezialisten wie zum Beispiel strategische Einkäufer, Zollexperten, Materialplaner, aber auch Logistikverkaufsberater und Projektleiter mit spezifischen Branchen-, Sprach- und IT-Kenntnissen sind nach wie vor sehr gesucht. Auch Führungspersönlichkeiten, die in der Lage sind, komplexe Logistikeinheiten sowohl operativ wie auch strategisch zu führen, sind schwer zu finden.

Weshalb aber gibt es noch immer Stellen, die schwierig zu besetzen sind?

König: Die Gründe sind sehr verschieden. Bei der Kadersuche stellen wir fest, dass früher zu wenig höher qualifizierte Persönlichkeiten den Weg in Richtung Supply Chain Management gefunden haben. Eine Ursache liegt wohl darin, dass dieser Bereich an den Schweizer Universitäten nicht direkt gelehrt wird, sondern Hochschulabgänger sehr oft erst später und eher «zufällig» den Weg in die Logistik finden. Das wird sich nun bessern, da vermehrt SCM-Studiengänge angeboten werden - vor allem auch auf Ebene Fachhochschule mit BBA- und Masterabschlüssen. Recht häufig haben sich Logistikkader ab Lehre, also zum Beispiel Lagerist, Chauffeur, Mechaniker oder nach dem KV nach oben gearbeitet - erreichen dann aber irgendwann eine Stufe, bei der gewisse Skills nicht vorhanden sind. Meist sind dies Fremdsprachenkenntnisse oder Management- und Führungseigenschaften. Bei den Spezialisten wünschen die Firmen oft Bewerber mit sehr vielseitigen Eigenschaften. Auch erfahrene Einkäufer oder Planer benötigen dann nicht nur Know-how in der Supply Chain, sondern ergänzend meist verhandlungssicheres Englisch oder Französisch, sehr gute Erfahrung aus der spezifischen Branche, beste IT-Kenntnisse, und auch die Persönlichkeit soll perfekt zum Umfeld passen. Solche Stellensuchende sind leider sehr rar.

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Wie gehen Sie vor bei der Suche nach der «Nadel im Heuhaufen»?

König: Je nach Schwierigkeitsgrad und Wunsch des Kunden. Generell greifen wir auf unsere über Jahre gepflegte und sehr umfangreiche Kontaktdatenbank zurück. Für höhere Managementpositionen, welche oft diskret und vertraulich besetzt werden müssen, sprechen wir passende Persönlichkeiten auch direkt an - also das klassische Headhunting. Wobei ehemals durch uns vermittelte und platzierte Manager dann selbstverständlich tabu sind. Und normalerweise sind die Stellenangebote, wenn möglich, auf unserer und anderen Internetstellenbörsen ausgeschrieben.

In letzter Zeit entstand vermehrt der Eindruck, dass eher zu viele «Logistiker» ausgebildet werden. Täuscht dies?

König: Heute werden für alle Segmente entsprechend anerkannte Berufs- und höhere Fachprüfungsabschlüsse angeboten und ab Logistiklehre bis hin zum MBA alle Stufen abgedeckt. Die Konkurrenz unter den Anbietern ist heute derart gross, dass der Kampf um die Studierenden klar erkennbar wird. Mit dem Nachteil, dass die Zulassungskriterien mancherorts gesenkt werden. Leider werden dadurch Weiterbildungen in Angriff genommen, welche für den Studierenden aufgrund seiner Ist-Situation nicht ideal sind. Eine Weiterbildung sollte in einem sinnvollen Gleichschritt mit der beruflichen Situation verlaufen. Wir denken aber noch nicht, dass zu viele «Logistiker» ausgebildet werden. Zurzeit kommt bremsend die Wirtschaftskrise dazu. Viele Firmen sind im Moment weniger bereit, solche Weiterbildungen zu unterstützen. Eine gewisse Gefahr ist - gerade heute - sicher vorhanden, dass nicht jeder nach seinem Diplomabschluss auch die gewünschte Traumstelle findet. Denn noch immer wirken die Begriffe Logistik und Supply Chain Management anziehend.

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Welche Tipps kann man aktiv Stellensuchenden geben?

König: Am einfachsten finden Stellensuchende detaillierte Tipps im Internet, beispielsweise bei Jobbörsen wie jobs.ch und jobscout24.ch - oder auch auf unserer Homepage logjob.ch. Wichtig ist, dass bei einem allfälligen Stellenverlust bald gehandelt und nicht vorerst eine längere Auszeit genommen wird. Sicher wäre dies eine günstige Gelegenheit dazu. Aber es ist besser, vorab eine neue Aufgabe zu suchen. Zudem sollte man die allenfalls entstehende arbeitsfreie Zeit für die eigene Weiterbildung einsetzen.