Herr Raaflaub, Sie loben in Ihren Ausführungen die Schweizer Weissgeldstrategie über den grünen Klee. Nun haben aber Recherchen von «Handelszeitung Online» gezeigt, dass amerikanische und europäische Kunden ihre Vermögen aus der Schweiz abgezogen und diese dann bei regionalen Banken in Singapur geparkt haben. Wie zielführend ist diese Weissgeldstrategie wirklich?
Patrick Raaflaub: Die Tatsache, dass es weiterhin Möglichkeiten gibt, Schwarzgeld zu verstecken, darf uns nicht daran hindern, unseren Job zu machen und im eigenen Haus für Ordnung zu sorgen. Anstatt von einer «Weissgeldstrategie» möchte ich aber viel lieber von einer «Qualitätsstrategie» sprechen. Die Entgegennahme und Verwaltung von unversteuertem Geld ist weder ein nachhaltiges Geschäftsmodell noch ein Qualitätsmerkmal. Wir wollen aber, dass sich der Finanzplatz zu einem sauberen, transparenten und qualitätsorientierten Bankenplatz transformiert. Die Voraussetzungen des Finanzplatzes sind gut, um sich einer solchen Qualitätsstrategie zu verschreiben.

In den vergangenen Monaten fand ein Kompetenzgerangel zwischen der Finma und Nationalbank in Sachen Bankenaufsicht statt. Teilen Sie die Auffassung, dass mit der Hildebrand-Affäre die Kompetenz und Rolle der Finanzmarktaufsicht in Sachen Aufsicht im Vergleich zur Nationalbank gestärkt wurde?
Überhaupt nicht. Es besteht keinerlei Zusammenhang zwischen dem Rücktritt von Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand und den inhaltlichen Diskussionen, die wir mit der Nationalbank führen. Wir sprechen darüber, wo die beiden Behörden intensiver zusammenarbeiten können. Darüber hinaus diskutieren wir, welche Instrumente in wirtschaftlichen Krisensituationen anzuwenden sind. Dabei kann es vorkommen, dass die beiden Institutionen nicht einer Meinung sind. Unser Anliegen ist, dass es zwischen Nationalbank und Finanzmarktaufsicht nicht zu Doppelspurigkeiten kommt und die beiden Behörden nicht gegeneinander ausgespielt werden können.

Das Parlament wollte die Nationalbank im Nachgang der Affäre nicht stärker an die Kandarre nehmen. Hätten Sie es begrüsst, wenn die Politik der Notenbank den Devisenhandel und Eigengeschäfte mindestens stark eingeschränkt und letztlich vollständig untersagt hätte?
Es ist nicht unsere Aufgabe, dies in irgendeiner Form zu beurteilen. Wir können uns über die Unabhängigkeit der Finma unterhalten. Selbstverständlich verlangt diese Unabhängigkeit auch, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen.

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Die Finma schritt auch im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling zur Tat. Gegen vier Banken wurde eine Untersuchung eingeleitet, weil diese die Herkunft der Potentatengelder nicht streng genug prüften. Was hat das Untersuchungsverfahren gebracht?
Zunächst möchte ich betonen, dass die Finma zum Schluss gekommen ist, dass die existierenden Regulierungen genügen, um das Problem der sogenannten PEP-Kunden unter Kontrolle zu halten. Trotzdem fanden wir bei unseren Abklärungen Mängel in den Kontrollen einzelner Schweizer Banken. Nun arbeiten wir daran, im Rahmen unserer Aufsichtstätigkeit diese Mängel zu beheben.

Mit Verlaub: Es ist nicht erst seit heute bekannt, dass die wirtschaftliche Herkunft der Potentatengelder im «Graubereich» liegt. Warum wurden die Schweizer Banken nicht schon früher strenger kontrolliert und die Gelder daraufhin blockiert?
Die Überprüfung der sogenannten PEP-Gelder ist ein laufender Prozess im Rahmen unserer Aufsichtstätigkeit. Bei der jüngsten Untersuchung handelte es sich um eine Sonderprüfung aus Anlass der bundesrätlichen Sperrverordnungen. Sie können sicher sein: Wir schauen genau hin, wie die Banken kontrollieren, welche Vermögen sie von politisch exponierten Personen annehmen.