Die Suche nach dem neuen Vorsitzenden für die Finanzmarktaufsicht (Finma) ist in vollem Gange. Nun holt sich das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) Verstärkung. «Das EFD hat eine Headhunter-Firma mit der Suche eines neuen Finma-Präsidenten beauftragt», sagt Sprecher Roland Meier gegenüber der «Handelszeitung».

Gemäss dem EFD hat der Nachfolger von Eugen Haltiner klare Kriterien zu erfüllen. «Der neue Finma-Präsident muss überdurchschnittliche Sachkompetenz und gleichzeitig grösstmögliche Unabhängigkeit von den zu beaufsichtigenden Branchen aufweisen», sagt Meier. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob der Kriterienkatalog nicht eine gewisse Befangenheit mit sich bringt. Denn in der Regel geht «überdurchschnittliche Sachkompetenz» mit Berufserfahrung einher, was die Unabhängigkeit wiederum in Frage stellen könnte.

Der bisherige Finma-Präsident Eugen Haltiner wurde immer wieder wegen seiner Bankennähe, insbesondere derjenigen zur Grossbank UBS, stark kritisiert. Bis zu seinem Antritt als Präsident der damaligen eidgenössischen Bankenkommission (EBK) Anfang 2006 und dem darauf folgenden Posten als Finma-Vorsitzender bestritt Haltiner seine gesamte Karrierelaufbahn bei der Schweizerischen Bankgesellschaft beziehungsweise der späteren UBS.

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Start einer Versicherungsära?

Das EFD plant, dem Bundesrat im November einen Antrag für die Nachfolge von Eugen Haltiner zu stellen, wie Meier bestätigt. Für die Neubesetzung versuchen auch die Versicherer sich verstärkt einzubringen. «Wir thematisieren unser Wunschprofil für den neuen Finma-Präsidenten bei jeder passenden Gelegenheit, die sich uns bietet», erläutert Erich Walser, Präsident des Versicherungsverbandes (SVV).

Die Versicherer warfen der bisherigen Finma-Spitze nebst ihrer Nähe zur UBS immer wieder vor, sie betrachte die Banken- und die Versicherungsbranche nicht differenziert und unabhängig voneinander. Für die Assekuranz sei es wichtig, dass der neue Präsident die Finanzindustrie auch aus der Praxis kenne und die Unterschiede in den Geschäftmodellen von Banken und Versicherungen respektiere. «Die Risikothemen in der Assekuranz sind nicht die gleichen wie bei den Banken. Zudem sind die Versicherer anerkanntermassen nicht systemrelevant», sagt Walser.

Bereits heute kann zumindest Finma-Direktor Patrick Raaflaub auf einen Versicherungshintergrund zurückgreifen. Allerdings äussern sich hinter vorgehaltener Hand verschiedene Versicherungs- und Bankenkenner kritisch über den Finma-Direktor.

Raaflaubs Werdegang sorgt für Stirnrunzeln. Vor seinem Amtsantritt Anfang 2009 bekleidete er verschiedene leitende Funktionen beim Rückversicherer Swiss Re. 2005 wurde er zum CFO für Kontinentaleuropa und Asien ernannt. Zum selben Zeitpunkt übernahm der umstrittene ehemalige Swiss-Re-CEO Jacques Aigrain das Ruder und wollte den Rückversicherer nach und nach zu einer Investmentbank umbauen.

Kurze Zeit später wurde Raaflaub zum Leiter des Group Capital Management ernannt, wo er verantwortlich für das Kapitalmanagement von Swiss Re war. Mitte 2008 liess er sich in die Aufsichtsbehörde wählen. Und wenige Monate später, Anfang 2009, trennte sich die schwer angeschlagene Swiss Re von ihrem CEO Jacques Aigrain. Die Investmentbankstrategie war nicht aufgegangen. Swiss Re stand kurz vor dem Ruin und benötigte neues Kapital.

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Finma erneut in Verzug

Grundsätzlich zeigen sich die Versicherer kritisch gegenüber der Finma. Waren die Assekuranzen davor dem Bundesamt für Privatversicherungen unterstellt, haben sich seit der Finma-Gründung die Gebührenbeiträge für die Versicherer um 60% erhöht, wie mehrere Unternehmen bestätigen. Zudem erweist sich die auf Anfang 2011 geplante Einführung des Swiss Solvency Test (SST) als Knacknuss. Im Gegensatz zur Eigenmittelanforderung unter dem europaweit geltenden Solvency I berücksichtigt der SST vor allem die ökonomischen Risiken und damit die Sicherung der eingegangenen Verpflichtungen.

Obwohl der Startschuss für den SST per 1. Januar 2011 erfolgt, haben die meisten Versicherer noch immer keine Bewilligung für ihr Risikokapitalmodell. «Die Finma ist daran, die gut 70 zur Prüfung eingereichten internen Modelle oder Teilmodule davon zu prüfen», sagt Sprecher Tobias Lux. Bis Ende September würden die relevanten Unternehmen erfahren, auf welcher Basis sie den SST für 2011 zu ermitteln haben. «Das heisst nicht, dass zu diesem Zeitpunkt auch die umfassende Prüfung der internen Modelle abgeschlossen ist. Der Zeitaufwand und die Komplexität der Entwicklung eines internen Risikomodells ist nicht zu unterschätzen», sagt Lux.

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