Die Verluste sind dramatisch: Zwischen 25 und 50% ihres Börsenwerts haben Schweizer Industrie- und Chemiefirmen im Schnitt in den vergangenen sechs Monaten eingebüsst. Jetzt macht sich in vielen Chefetagen Nervosität breit. Laut einer Erhebung der «Handelszeitung» sind gegen 30 an der Schweizer Börse SWX kotierte Firmen attraktive Übernahmekandidaten. Sie sind gut am Markt positioniert und weisen eine tiefe Bewertung auf. Zudem hat die Mehrheit keinen dominanten Aktionär an Bord, was sie anfällig für feindliche Übernahmeversuche macht.

Zu den prominenten Beispielen günstiger Gesellschaften ohne schützenden Minderheitsaktionär gehören die beiden Basler Chemiekonzerne Ciba und Clariant, das Schaffhauser Industriekonglomerat Georg Fischer (GF) und der Winterthurer Automobilzulieferer und Textilmaschinenbauer Rieter. Daneben gibt es gegen 25 weitere Firmen, die 2008 zum Übernahmeziel werden könnten, etwa der Chipmaschinenhersteller Austriamicrosystems, der Drehbankproduzent Tornos und der Werkstoffspezialist Quadrant. Betroffene Firmen wie Clariant, Rieter und GF geben ihre Positionen deutlich zu verstehen: Sie halten an ihrer Unabhängigkeit fest, eine Veräusserung ist kein Thema.

Käufer wird das nicht beeindrucken, denn: «Jede Firma kann übernommen werden – wenn der Käufer bereit ist, lange genug zu kämpfen», sagt Wirtschaftsrechtsprofessor Peter V. Kunz.

Noch haben sich keine neuen Kaufinteressenten zu erkennen gegeben. «Wir haben bisher keinerlei Anzeichen, aber natürlich kann man das nicht voraussehen», sagt etwa Quadrant-CEO Arno Schenk. Sein Unternehmen hat innert sechs Monaten 50% des Börsenwerts verloren. Doch auch Schenk pocht auf Selbstständigkeit: «Wir sind der Überzeugung, dass wir als unabhängiges Unternehmen für unsere Aktionäre auch in den nächsten Jahren Mehrwert generieren können», sagt er. Im vergangenen Sommer antichambrierte der Fondsbetreiber Cheyne Special Solutions bei Quadrant, doch der VR wies die Avancen zurück. Möglicherweise startet Cheyne bald einen neuen Anlauf.

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