Nur 3 Prozent der Schweizer Befragten gaben in der PwC-Studie zur Wirtschaftskriminalität an, in den vergangenen zwei Jahren Fälle von Korruption und Bestechung erlebt zu haben. Für Experte Gianfranco Mautone ist dies erstaunlich wenig. Schweizer Konzerne seien auch in Märkten tätig, die als anfällig für Korruption gälten, sagte Mautone: «Dort ist man auch exponiert.» 76 Prozent der Schweizer Befragten hätten gesagt, dass sie in risikoreichen Ländern tätig seien: «Das scheint doch relativ hoch.»

In Afrika und Osteuropa berichteten gemäss weltweiten PwC-Erhebungen je 39 Prozent der Befragten von Korruptionsfällen. Im Nahen Osten waren dies 35 Prozent, Asien 30 Prozent, Lateinamerika 24 Prozent und Nordamerika 14 Prozent. Westeuropa hat mit 12 Prozent den tiefsten Wert gezeigt. Es gebe keine plausible Erklärung, warum Korruption in der Schweiz tiefer sein sollte als in anderen Ländern, sagte Mautone. Der PwC-Experte vermutet, dass die Schweizer Behörden eher zurückhaltend sind mit der Verfolgung von solchen Wirtschaftsdelikten: «Es gibt zu wenig Verurteilungen.»

37 Prozent der Firmen von Wirtschaftsdelikten betroffen

Insgesamt gaben 37 Prozent der Befragten an, sie seien von Wirtschaftskriminalität betroffen gewesen. Der unerlaubte Griff in die Kasse bleibt das am meisten verbreitete Delikt: 65 Prozent sagten, dass die überführten Delinquenten Mittel abzweigten. 2011 waren es gar 80 Prozent gewesen. Das zweitgrösste Problem ist mittlerweile Cyber-Crime: Computerkriminalität ist für 26 Prozent ein Problem, nach 20 Prozent im Jahr 2011.

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Zwei Drittel sagten, dass die Bedrohung für ihr Unternehmen durch Computerkriminelle gestiegen sei. Vor gut zwei Jahren hatte dies knapp die Hälfte gesagt. PwC geht davon aus, dass Cyber-Crime zu einem noch grösseren Problem wird. Die Abgrenzung von Cyber-Crime zu anderen Delikten ist schwierig, zudem ist die Schadensumme oft schwer feststellbar.

Schweizer Konzerne greifen härter durch

Im Umgang mit Wirtschaftsdelikten scheint sich in den Schweizer Unternehmen ein kultureller Wandel abzuspielen: Zum einen greifen die Konzerne härter durch, wenn ein Vergehen vorliegt. 82 Prozent der Firmen kündigen mittlerweile ihrem Mitarbeiter, wenn Betrug oder Bestechung vorliegt. Vor zwei Jahren war das noch in 60 Prozent der Fälle so.

Dabei wächst die Akzeptanz gegenüber Whistleblowern. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma PwC führt dies auch auf sogenannte Whistleblowing-Hotlines zurück. «Es ist eine Kulturfrage: Kann man sich als Mitarbeiter frei äussern oder muss man Repressionen befürchten?», sagte Mautone. Hinweise von innen oder aussen führten in den vergangenen zwei Jahren in 36 Prozent der Fälle von Wirtschaftsdelikten dazu, dass Täter aufflogen, wie die am Mittwoch vorgestellte PwC-Studie aufzeigt. 2011 war dies nur bei 24 Prozent der Delikte der Fall gewesen.

(sap/me/sim)