Die Banken werden bei der Kreditvergabe an Unternehmen vorsichtiger. Die Institute, von der Finanzkrise unter Druck gesetzt, achten dabei verstärkt auf die Schuldenlast der Unternehmen. Denn je grösser die Schulden im Verhältnis zum Vorsteuergewinn auf Stufe Ebitda, desto stärker dezimieren sie die Gewinne. Und weil dieses Verhältnis auch von den Kreditgebern geprüft wird, schränken sie entweder ihre Kreditvergabepraxis ein – oder sie verlangen höhere Zinsen, was wiederum den Gewinn belastet.

Gros der Firmen steht gut da

Von der Vorsicht der Banken am unmittelbarsten betroffen sind die Investitionsgüterhersteller. Denn ihr operatives Geschäft ist sehr kapitalintensiv. Eine Analyse der Bank Vontobel für die «Handelszeitung» zeigt: Das Gros der Schweizer Industriefirmen steht in puncto Schuldenlast gut da. Leuchtende Beispiele sind unter anderem Schweiter und Metall Zug (siehe auch Tabellen). Die liquiden Mittel dieser Firmen reichen aus, um auch Durststrecken an den Kreditmärkten durchzustehen.

Aber nicht alle: Es gibt einige Firmen, bei denen die Schulden gleich ein Mehrfaches des Vorsteuergewinns ausmachen. «In einem Wirtschaftsboom spielt eine niedrige Eigenkapitalquote, sprich eine hohe Verschuldung, in der Regel keine besonders grosse Rolle», sagt Patrick Laager, Analyst bei der Bank Vontobel. «Aber das sieht anders aus, wenn sich die Konjunktur deutlich abkühlt.» Gemäss den Prognosen der Bank Vontobel hat die Mehrheit der Industriefirmen eine ausreichende Eigenkapitalquote. Einige, wie Kaba, Uster Technologies, Feintool, Arbonia oder Fischer, fallen laut den Berechnungen der Bank Vontobel indes mit sehr niedrigen Quoten oder einer hohen Nettoverschuldung (Verschuldung abzüglich liquide Geldmittel) auf. «Das braucht aber nicht gleich dramatisch zu sein, denn einerseits gibt es oft ganz konkrete Gründe für eine niedrige Eigenkapitalquote, andererseits haben auch solche Firmen oft noch Zugang zu nicht ganz abgerufenen Kreditlinien oder zu Bankenpools», erklärt Laager.

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Ein gutes Beispiel dafür ist Holcim, wo das Gearing (Verschuldung zum Eigenkapital) bei 74% liegt, aber laut Laager «keine Probleme bestehen, an Geld zu kommen, wenn sie es benötigen». Laut den Kredit-Analysten der Credit Suisse weist Holcim Schulden von 4,1 Mrd Fr. auf, die bis spätestens Ende 2009 refinanziert werden müssen. Diesem Betrag standen Ende Juni flüssige Mittel von 2 Mrd Fr. und nicht abgerufene Kreditlinien von Banken von 3,5 Mrd Fr. gegenüber.

AFG: «Spüren Finanzkrise nicht»

Arbonia zählt zu den Industriefirmen mit relativ hohen Schulden. «Die Verschuldung war immer ein Thema, weil wir ja einen Zielwert für die Eigenkapitalquote von 40% gesetzt haben», sagt Arbonia-Finanzchef Felix Bodmer. «Aufgrund der Ereignisse auf den Finanzmärkten ist das Thema aktueller geworden, weil die zu erwartende Rezession auch Auswirkungen auf die Ergebnisse auf Stufe Ebitda haben wird.» AFG hat laut Bodmer bereits im März 2008 ein Programm zur Kostensenkung und Verminderung der Kapitalbindung angestossen. «Die beschlossenen Massnahmen werden sich bereits im 2. Halbjahr 2008 positiv auswirken. Weitergehende Massnahmen befinden sich in der Umsetzung oder sind geplant», sagt Bodmer weiter. Die Eigenkapitalquote sei nicht weit vom Zielwert entfernt. Aufgrund der rechtzeitig und langfristig abgeschlossenen Kreditverträge spüre AFG laut Bodmer die Finanzkrise auch nicht. «Vor allem bei Kunden und Lieferanten achten wir aber jetzt mehr auf die Bonität, um das Ergebnis nicht unnötig zu belasten», sagt Bodmer.

Entspannter sieht man es bei Georg Fischer. «Für uns sind die Schulden kein Problem», sagt Georg-Fischer-Sprecher Markus Sauter. «Der aktuelle, immer wieder schwankende Wert ist auch darauf zurückzuführen, dass unsere Kapitaldecke so hoch wie selten in der Vergangenheit ist.»

Georg Fischer hat laut Sauter auch keine Probleme, Kredite zu bekommen, wenn sie benötigt würden. «Auf die Bonität unserer Geschäftspartner haben wir schon vor Ausbruch der Kreditkrise geachtet, daran hat sich nichts geändert», sagt Sauter weiter. Keine Stellungnahme gaben Kaba, Feintool und Uster Technologies ab, sie reagierten nicht auf die Anfrage.

Tiefe EK-Quote kann Ziel sein

Eine tiefe Eigenkapitalquote kann auch Ausdruck einer Entscheidung des Managements sein. Etwa, wenn eine möglichst hohe Eigenkapitalrendite angestrebt wird, viel Goodwill nach einer teuren Akquisition in den Büchern steckt oder der Cashflow hoch genug ist, um auch eine erhöhte Schuldenlast tragen zu können. Oder auch, um Übernahmeinteressenten abzuwehren.

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Dass es nicht mehr Übernahmen oder entsprechende Versuche gibt, liegt laut Vontobel-Analyst Patrick Laager auch daran, dass viele potenzielle Käufer – auch aus Russland – momentan andere Sorgen haben und eher ihre hohen Verschuldungen abbauen müssen.