Die Philosophie der Schweiz im Klimaschutz ist: Jeder macht so viel er kann. Wir müssen die Leitplanken so setzen, dass jeder möglichst viel machen kann», sagt Max Zürcher, Geschäftsleiter der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW). Die CO2-Abgabe, die seit Anfang Jahr auf Brennstoffe erhoben wird – kombiniert mit der Möglichkeit, sich bei Festlegung bestimmter Zielvereinbarungen von der Abgabe befreien zu lassen –, schafft gemäss Zürcher einen hohen finanziellen Anreiz für Unternehmen, ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren.

Bis heute sind es rund 1800 Zielvereinbarungen mit Schweizer Unternehmen, davon gegen 900 mit KMU, welche mit der EnAW entwickelt und dann mit dem Bund abgeschlossen wurden. Die Namen reichen von ABB über Ems, Holcim, Migros bis SBB.

«Mittlerweile sind praktisch alle grösseren Unternehmungen des industriellen Sektors in eine verpflichtende Zielvereinbarung gegenüber dem Bund eingestiegen», sagt Zürcher und erklärt, dass die Unternehmen auf gutem Weg seien, diese Zielvereinbarungen zu erreichen. Ob dies der Fall ist, wird anhand der jährlichen Entwicklung der sogenannten CO2-Intensität gemessen. «Das ist ein Mass für die spezifische CO2-Reduktion und bildet die Anstrengungen ab, die unternommen wurden», erklärt Zürcher. Ein Zwischenziel für die Unternehmen, die mit EnAW unter Vertrag sind, sei gewesen, bis zum Jahr 2007 die CO2-Intensität auf 87% zu senken – die tatsächliche Reduktion auf 78% habe das Zwischenziel klar übertroffen. «Wir sind im Prinzip drei bis vier Jahre weiter, als wir sein müssten», freut sich Zürcher.

Investitionen lohnen sich

Die Firma Pavatex, welche Dämmstoffe aus Schweizer Holz produziert, hat bereits im April 2004 mit der EnAW eine Zielvereinbarung entwickelt: Sie hat sich verpflichtet, bis ins Jahr 2012 den CO2-Ausstoss gegenüber dem Referenzjahr 2001 um 34% zu senken. Weshalb entschied sich Pavatex zu diesem Schritt? «Der Druck einer CO2-Abgabe löste bei uns einen grossen Innovationsschub aus, wollten wir doch gleichzeitig den CO2-Ausstoss reduzieren und die Abgabe in der Höhe von jährlich 800000 Fr. sparen», erklärt Herbert Christen, der Direktor Produktion und Technik von Pavatex. Da die Firma in einem ökologischen Marktumfeld tätig ist, sei ihr Klimaschutz aber auch sonst ein grosses Anliegen.Zur Erreichung der Ziele hat Pavatex schon zahlreiche Massnahmen umgesetzt: Beispielsweise hat sie Schweröl durch Knochen- und Tierfett ersetzt und die Holztrocknung optimiert. Zurzeit investiert die Firma grosse Summen in Biomassekesselanlagen, um Erdgas und Schweröl als Brennstoff einzusparen. Die Investitionen sind zwar teuer, zahlen sich aber aus: Einerseits spart die Firma pro Jahr rund eine halbe Million Franken an Energiekosten. Andererseits ist Pavatex eines der rund 700 Unternehmen, welche das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bisher von der CO2-Abgabe auf Brennstoffe befreit hat. In Kürze wird die Firma Pavatex prüfen, ob der Handel mit Emissionsrechten sich lohnen könnte.

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Emissionshandel lässt warten

«Startschuss zum Emissionshandel in der Schweiz» titelte das BAFU die Medienmitteilung vom 11. Juni 2008, in welcher es mitteilte, dass es nun erstmals den von der CO2-Abgabe befreiten Unternehmen im Umfang ihrer Begrenzungsziele Emissionsrechte zugeteilt habe. Emissionsrechte für 2,2 Mio t CO2 sind es bisher für das Jahr 2008. Welche Unternehmen befreit wurden und wie viele Tonnen CO2 ihnen im sogenannten Nationalen Allokationsplan für die nächsten Jahre zugeteilt wurden, ist auf der Internetseite des Schweizer Emissionshandelsregisters öffentlich einsehbar. Die Unternehmen, die dort aufgeführt sind, verfügen über Emissionsrechte, die sie im Prinzip an andere Schweizer Unternehmen verkaufen könnten. Sie könnten sich per sofort auch Emissionszertifikate aus ausländischen Projekten dazukaufen.

Yvan Keckeis vom BAFU nimmt aber nicht an, dass die Unternehmen ab sofort mit Emissionsrechten zu handeln beginnen: «Die meisten werden wohl abwarten, bis die Daten der Emissionen des Jahres 2008 vorliegen. Erst wenn sie wissen, ob sie hinsichtlich der vereinbarten Ziele auf Kurs sind, können sie sich überlegen, wie sie sich im Markt positionieren wollen.» Keckeis kann sich auch vorstellen, dass Unternehmen, die mehr als vereinbart reduzieren und deshalb Emissionsrechte zum Handeln hätten, diese nicht verkaufen, sondern in die nächste Kyoto-Verpflichtungsperiode «mitnehmen» werden, die nach 2012 beginnt: Dass die Reduktionsziele dann strenger sein werden, ist nämlich nicht auszuschliessen. Auch Zürcher von der EnAW hält fest: «Das Erfüllen der eigenen Zielvereinbarungen steht für die Unternehmen im Vordergrund. Vor 2010 oder sogar 2011 wird die Mehrzahl kaum ein Interesse am Handel mit Emissionsrechten haben.»

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Mit Blick auf den europäischen Emissionshandel sagt Keckeis: «Eine Verknüpfung mit dem EU-System wird angestrebt, ist aber vor 2011 nicht realistisch.» Bedingung für eine solche Verknüpfung ist ein Staatsvertrag über die gegenseitige Anerkennung der Emissionsgutschriften. Informelle Gespräche über eine solche Möglichkeit finden laut Keckeis bereits statt.