Im Hypothekengeschäft kämpft die Raiffeisen-Gruppe mit harten Bandagen. Und mit Erfolg: Die Genossenschaftsbank erreichte bei den Baukrediten im letzten Jahr ein Wachstum von 7% und damit fast doppelt so viel wie der Gesamtmarkt. Das Nachsehen hat die Konkurrenz – bei etlichen Schweizer Retailbanken stagnieren die Ausleihevolumen.

«Schon lange ein Konkurrent»

Nun droht den Banken neues Ungemach. Pierin Vincenz, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Raiffeisen-Gruppe, will neu das einträgliche Firmenkundengeschäft als zusätzliches Standbein aufbauen. Und er kennt seine Kunden: Im Fokus stehen kleinere und mittlere Unternehmungen mit 1 bis 50 Mitarbeitenden. «Von rund 300000 Schweizer Firmen sind 280000 KMU», umreisst Vincenz das Potenzial von Raiffeisen. Heute schon unterhalten Vincenz zufolge 30% der KMU Bankkontakte zu Raiffeisen Schweiz. Jetzt will die Gruppe zur Nummer zwei im Segment aufsteigen.

Die Unternehmer dürften es Vincenz danken. Denn der neue Konkurrent bringt Bewegung in den Markt. «Mehr Wettbewerb ist immer gut für die Kunden», sagt Rudolf Volkart, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich. «Der Einstieg von Raiffeisen dürfte sich tendenziell positiv für die kreditsuchenden Unternehmen auswirken.» Bereits laufen in Lausanne, St. Gallen und Luzern Pilotversuche. Dem Raiffeisen-Chef zufolge sind sie «sehr positiv» gestartet. «Wir wollen vorab eigenständig wachsen, aber werden uns auch bei der Konkurrenz Anteile holen.»

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«Raiffeisen ist schon lange ein harter Konkurrent», sagt Simon Netzle, Mediensprecher der St. Galler Kantonalbank (SGKB), zum Raiffeisen-Vorstoss auf eigenem Grund und Boden. Die Staatsbank sei aber Wettbewerb gewohnt. «Die Ostschweiz ist ein umkämpfter Markt.» Die SGKB kontert mit ihrer breiten Palette an Dienstleistungen, nicht zuletzt mit der Ausgabe von Anleihen für Kredit suchende Kunden. Ebenfalls nicht ausruhen will sich die Luzerner Kantonalbank (LUKB). Auch 2008 werde die strategische Initiative «Unternehmerbank» fortgesetzt, sagt Daniel von Arx, Leiter Kommunikation bei der LUKB. Das Staatsinstitut hätte viel zu verlieren. Mit einem Marktanteil von 60% beim Firmenkundengeschäft ist sie die Nummer eins auf dem Kantonsgebiet und damit als Erste der Attacke von Raiffeisen ausgesetzt. Die schweizweite Marktführerin UBS gibt sich derweil gelassen.

«Ein kompetitives Umfeld kann positive Auswirkungen auf den Kundenservice, aber auch auf die Effizienz von internen Abläufen haben», heisst es zum Ansinnen von Raiffeisen. Mit 40% Marktanteil und 40 Mrd Fr. Kreditvolumen ist die UBS ein mächtiger Gegenspieler. Ebenso die Credit Suisse. Die setzt im Wettbewerb auf eine Mischung aus günstigen Angeboten und Innovation: So übernimmt sie neu auch die Debitoren einer Firma gegen Kredit; der innereuropäische Zahlungsverkehr ist für Schweizer Firmenkunden gratis.

Preisabschläge sind vor allem bei kleineren Krediten und einfachen Dienstleistungen zu erwarten. Dagegen dürften etwa Nachfolgeregelungen teuer bleiben.