Katzenjammer in Detroit - Optimismus in Genf. Während bei der North American International Autoshow, einer der grössten und wichtigsten Automessen weltweit, immer mehr namhafte Hersteller abspringen, sind die Organisatoren des Genfer Autosalons auf Kurs: Es sind sogar jene Autofirmen mit von der Partie, die Detroit einen Korb gegeben haben, darunter Ferrari, Land Rover und Porsche.

Rolf Studer, Generaldirektor des Autosalons, merkt wenig von Krisenstimmung - im Gegenteil. Alle Flächen seien gebucht, keiner der bekannten Hersteller hätte seine Anmeldung zurückgezogen. Und es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die Aussteller markant weniger Fläche mieten oder einen bescheideneren Messeauftritt wählen würden. Warum Automobilhersteller sich lieber in Genf präsentieren, dafür hat Studer eine einfache Erklärung: «Wir haben keine Autoindustrie - und bei uns sind die Standmieten günstiger.»

Prognosen schwer zu machen

Geht die Wirtschaftskrise an den Schweizer Messeveranstaltern spurlos vorbei? Christian Jecker, Sprecher von Messe Schweiz, ist derzeit vorsichtig mit Prognosen. Man spüre Verunsicherung, sie schlage sich aber noch nicht im Messegeschäft nieder: Die geplanten Veranstaltungen werden stattfinden, bei den Flächenbelegungen und Ausstellerzahlen seien bis jetzt keine Einbrüche zu verzeichnen. Es bleibe jedoch abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt. Eine unmittelbare Folge der Finanzkrise: Die für vergangenen November geplante Premiere der «Global Energy Basel» wurde abgesagt.

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Mit weniger Buchungen rechnet Messeveranstalter Exhibit & More für die im Mai geplante Orbit. In der IT-Branche sei ein Trend zu kleineren Ausstellungsständen zu beobachten. «Ob das mit der Finanzkrise zusammenhängt, ist allerdings schwer zu sagen», sagt Exhibit-&-More-CEO Urs A. Ingold.

Dass Messen abgesagt werden müssen, damit rechnet er nicht. «Warum auch? Wir stehen nicht vor dem Ende der Welt, sondern erleben eine Phase von reduziertem Wachstum.» Reine Ordermessen indessen, etwa für Mode oder Accessoires, dürften es nach Ingolds Einschätzung schwerer haben in den nächsten Monaten. Bei 95% der Messen stünden jedoch Image- und Kontaktpflege sowie Wissenstransfer im Vordergrund - daran teilzunehmen sei eine Investition in den künftigen Markterfolg.

Nicht dabei sein ist falsch

Besser einen kleineren Messeauftritt wählen als gar nicht dabei zu sein - das rät Pascal Blanc, Leiter Messen vom Schweizer Aussenwirtschaftsförderer Osec. Fehle man bei den Leitmessen seiner Branche, folgern Konkurrenten und Kunden möglicherweise daraus, die Firma könne sich den Messeauftritt nicht mehr leisten. Osec organisiert mit dem Swiss Pavilion Gemeinschaftsauftritte an führenden Fachmessen im Ausland. Mit dramatischen Einbrüchen rechnet Blanc nicht, «auch wenn Firmen wegen der Wirtschaftskrise dazu gezwungen sind, ihre Messepläne noch einmal zu überprüfen.» Was sich abzeichnet: Viele konzentrieren sich wieder auf ihre Hauptabsatzmärkte.

Die von der «Handelszeitung» befragten Unternehmen sehen keinen Anlass, Messeauftritte zu streichen oder sich in wesentlich bescheidenerem Rahmen zu präsentieren. ABB Schweiz stellt nächstes Jahr bei der Ineltec-Go in Basel aus. Einsparungen seien keine geplant, das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei von jeher optimal, sagt ABB-Sprecher Lukas Inderfurth. IBM setzt wie schon in den vergangenen Jahren auf Hausmessen, wird jedoch auch bei Veranstaltungen wie dem Finance Forum oder der Open Expo dabei sein. Alles wie gehabt, meldet die Swiss, die unter anderem am Travel Trade Workshop in Montreux vertreten ist. Auch Kuoni wird dort ausstellen. In bescheidenerem Umfang? «Im Gegenteil. Unserer Präsenz ist eher aufwendiger, weil wir die Marken Kuoni und Helvetic Tours neu positionieren», sagt Firmensprecher Peter Brun. Keine der Messen erachtet Kuoni jedoch als ein Muss. «Wir entscheiden von Jahr zu Jahr, an welchen Messen wir uns wie präsentieren, das hat aber nichts mit der Finanzkrise zu tun.» - Auswählen, sich auf die wichtigsten Shows konzentrieren, Kosten kontrollieren - das war schon in diesem Jahr die Devise bei Ciba. Der Konzern nimmt 2009 unter anderem an der Plastindia in Neu-Delhi teil, einer grossen Kunststoffmesse. Wichtiger Dreh- und Angelpunkt für die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie ist 2009 unter anderem die Metallurgy in Moskau. 70 Unternehmen haben sich angemeldet. Auch an der Cimt in Peking teilzunehmen, wäre wichtig. «Doch sie ist überbucht, einige Schweizer Firmen stehen auf der Warteliste», sagt Ruedi Christen, Leiter Kommunikation bei Swissmem.

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