Welchen Einfluss hat die Euro- Krise auf den M&A-Markt?

Marc Möckli: Angespannte Kreditmärkte bilden keine gute Basis für einen boomenden M&A-Markt, vor allem nicht für Gross-Transaktionen. Aufgrund des gesunkenen Euro-Kurses werden aus Schweizer Sicht ausländische Targets günstiger; zudem werden die Produktionsstandorte in Euro-Ländern wieder konkurrenzfähiger.

Kann sich der M&A-Markt Schweiz diesen Unsicherheiten überhaupt entziehen?

Möckli: Nein, die Schweiz ist auch M&A-mässig keine Insel. Im 1. Halbjahr 2010 waren über zwei Drittel der Transaktionen mit Schweizer Beteiligung grenzüberschreitende.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grossen Trends im 2. Halbjahr?

Möckli: Nach einer derart starken und heftigen Krise werden die Unsicherheiten nicht von heute auf morgen verschwinden. Wir erwarten deshalb weiterhin ein schwieriges volkswirtschaftliches Umfeld, wobei die meisten Firmen mit gestärkten Bilanzen und deutlich verbesserten Ergebnissen eigentlich fit für M&A-Transaktionen wären. Zudem sind die Bewertungen auf einem attraktiven Niveau, was ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Akquisition darstellt.

Wo werden wir Ende 2010 stehen?

Möckli: Wir bleiben bei unserer Prognose von rund 500 Transaktionen mit Schweizer Beteiligung im Jahr 2010. Entscheidend ist aus unserer Sicht der weitere Verlauf der Zinsen: Sollten die Zinsen ansteigen, würden sich die Unsicherheiten bezüglich der wirtschaftlichen Erholung verstärken und die Refinanzierung von Transaktionen verteuern - beides Gift für M&A-Transaktionen.

Anzeige

In welchen Branchen sind die M&A-Aktivitäten am stärksten?

Möckli: Die Deal-Aktivität in Branchen mit gut prognostizierbaren Cashflows wie Health Care und Konsumgüter des täglichen Bedarfs dürfte weiterhin hoch bleiben. Davon dürften auch weiterhin Telekommunikation und Versorger profitieren, bei Letzteren insbesondere die erneuerbaren Energien. Im Weiteren ist ein leichtes Anziehen der Private-Equity-Aktivitäten zu beobachten, welche beispielsweise durch die Übernahme der Spirella AG durch Cross Equity Partners illustriert werden.

Die Schweiz ist als Exportland in den aufstrebenden Volkswirtschaften gut verankert. Spiegelt sich dies bei den M&A-Deals?

Möckli: M&A-Transaktionen sind immer ein Spiegel der wirtschaftlichen Trends. Für viele Schweizer Gesellschaften stellt sich die Frage der Expansion in die BRIC-Länder, wobei diese mit «make or buy» beantwortet werden kann. Es ist auch kein Zufall, dass kürzlich Sulzer oder ABB den Auskauf der Minderheitsaktionäre ihrer indischen Tochtergesellschaften angekündigt haben. Dass dieser Trend auch in umgekehrter Richtung läuft, zeigt die Übernahme der Generalunternehmung Karl Steiner durch Hindustan Construction.