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Formel 1
Firmen werfen Sauber Arroganz und Obstruktion vor

Formel 1: Sauber hat heftige Betreibungen am Hals - mehr als 1,2 Millionen. (Bild: Keystone/HZ)

Grosse und kleine Schweizer Firmen betreiben den Rennstall, weil ihre Rechnungen nicht bezahlt werden. Sie kritisieren Sauber vor allem auch für den unprofessionellen Umgang.

Von Jean François Tanda und Jorgos Brouzos
am 12.07.2013

Bei Sauber drängt die Zeit. Die Zulieferer warten auf ihr Geld und verlieren langsam die Nerven. Diverse Gläubiger haben Sauber auf über 1,2 Millionen Franken betrieben. Insgesamt warteten rund zwei Dutzend Schweizer Kleinbetriebe monatelang auf ihr Geld - und leiteten dann jeweils die Betreibung ein.

Die Unternehmer stören sich am «arroganten» und «unkooperativen» Verhalten des Vorzeigebetriebs. Dass die prominente Firma mit dem geschätzten 100-Millionen-Dollar-Budget kleinste Rechnungen monatelang nicht bezahlt, stösst auf Unverständnis. Aus Respekt vor dem grossen Namen wollen die Unternehmen aber nicht namentlich genannt werden.

Nur gegen Vorauszahlung

«Auch wir müssen unsere Löhne pünktlich bezahlen», sagt der Geschäftsführer einer Firma aus dem Thurgau, die Sauber auf knapp über 3000 Franken betrieben hat. Trotz Mahnungen habe bei Sauber niemand das Gespräch gesucht. «Sie haben es darauf ankommen lassen.» Ob die Forderung inzwischen beglichen worden ist, will der Geschäftsführer nicht sagen.

Klar aber ist: «Das wird Konsequenzen haben!» In derartigen Fällen würden Geschäftsbeziehungen gar nicht mehr weitergeführt - oder man arbeite nur noch gegen Vorauszahlung. «Wir sind strikt und behandeln alle gleich.»

Zum ersten Mal in der Geschichte

Eine Heizungsfirma aus dem Zürcher Oberland hat Sauber Motorsport Ende April auf über 11'000 Franken betrieben. Dies sei erst das zweite Mal in der 50-jährigen Firmengeschichte, dass zu diesem Mittel gegriffen worden sei, sagt ein Mitarbeiter, der weder seinen Namen noch jenen der Kleinfirma in der Zeitung lesen möchte. Nach getaner Arbeit hatte die Firma eine Rechnung geschickt - doch geschehen sei nichts. «Wir hätten wenigstens erwartet, dass man mit uns Kontakt aufnimmt.»

Ähnliches erlebte ein anderes Unternehmen, das seit Jahren Werkzeuge nach Hinwil liefert. «Wir haben Sauber gemahnt und mit einer Betreibung gedroht, doch passiert ist lange nichts», so der Unternehmer. «Die finanzielle Krise des Teams ist nicht unser Problem», so der Firmenchef. Ein Sauber-Sprecher sagt: «Wir sind sehr wohl mit unseren Lieferanten in Kontakt und setzen alles daran, so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen.» Die Finanzen würden sie grundsätzlich nicht kommentieren.

Zum Teil beglichen

Zufrieden mit dem Umgang seitens des Formel-1-Teams ist von den befragten Gläubigern einzig eine Zürcher Firma aus der Finanzbranche. Sauber habe immer hervorragend bezahlt, sagt der Geschäftsführer. Im März dann habe sich der Sauber-Finanzchef gemeldet und die Hiobsbotschaft über Liquiditätsengpässe mitgeteilt. «Wir haben uns zwar verständigt, aber wir müssen interne formelle Verfahren einhalten», sagt der Geschäftsführer bedauernd. Die offene Forderung, welche Anfang Juli zur Betreibung geführt hatte, sei inzwischen «zum Teil» beglichen.

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