Der Leitzins befindet sich seit den letzten Zinssenkungen der Notenbanken auf einem historischen Tief. Die traditionellen Mittel der Geldpolitik sind damit praktisch ausgeschöpft. Um der Krise Herr zu werden, verwenden die Notenbanken zunehmend unorthodoxe Instrumente: Sie treten als Käufer von Unternehmensanleihen auf. Dies mit dem Ziel, die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen zu verbessern.

Skeptiker befürchten jedoch, dass es sich als äusserst schwierig erweisen könnte, den richtigen Zeitpunkt zum Aufbau von Positionen zu erwischen. Es könne sich sogar eine Blase an den Anleihenmärkten bilden, da die Auswirkungen der Massnahmen noch relativ unbekannt sind. Ein verfrühter Ausstieg könnte andererseits die Risikoprämien wieder ansteigen lassen. Das würde eine neuerliche Verschärfung der Krise nach sich ziehen. «Die Zentralbanken gehen eher das Risiko ein, zu viel Liquidität in die Märkte einzuschiessen», so Alessandro Bee, Ökonom der Bank Sarasin.

Vorgehen der SNB wirkt

Der designierte Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand (siehe Seite 12) liess an einem Vortrag vor wenigen Tagen offen, wie viele Obligationen die Schweizerische Nationalbank (SNB) ankaufen werde. Die SNB verfolge ein bestimmtes Ziel, nämlich die Risikoprämien zu senken und werde sich daher keine Limiten auferlegen.

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Das Vorgehen der Nationalbank zeigt bereits seine Wirkung. «Die SNB konnte mit ihren Ankäufen eine gewisse Entspannung erreichen», sagt Bee. Doch da sich die SNB wahrscheinlich auf qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen beschränkt hat, stellt sich die Frage, ob wirklich den hilfsbedürftigen Marktsegmenten Hilfestellung geboten wird.

«Durch verschiedene Sekundäreffekte sollten letztlich auch die schwächeren Kreditsegmente von den Massnahmen der Notenbanken profitieren», sagt Rochus Baumgartner, Analyst für Unternehmensanleihen bei UBS. Die SNB scheint sich, im Gegensatz etwa zur Bank of England, nicht auf volkswirtschaftlich relevante Emittenten zu beschränken. Hauptsächlich habe sich die Notenbank auf das Pfandbriefsegment konzentriert, so die Experten der UBS.

Schrittweiser Ausstieg

Es wird erwartet, dass die Nationalbanken äusserst vorsichtig aus den Investments aussteigen werden. Ein weiterer Faktor dürfte den Abbau der Positionen erleichtern. «Viele Anleihen dürften während der Haltedauer der Notenbanken zur Rückzahlung fällig werden», so Baumgartner. Diese Volumen müssen nicht von den Märkten absorbiert werden, sondern werden von den einzelnen Emittenten direkt zurückbezahlt.

Historisch hohes Risiko

Wer im aktuellen Umfeld auf Anleihen setzen möchte, sollte aufgrund der hohen Risikoprämien auf Unternehmensanleihen fokussieren. Denn die Zinsen bei Staatsanleihen sind vergleichs-weise tief.

Mit der höheren Rendite drohen aber auch grössere Risiken: Die durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit von Firmenobligationen liegt bei 20%, einem historisch hohen Niveau. Zudem zeigen die hohen Risikoprämien auf Firmenanleihen, dass die Gefahr von Ausfällen in den nächsten Monaten real ist.

Die Bank Sarasin rät in diesem Umfeld zu Obligationenfonds oder Anleihen aus defensiven Sektoren, wie Telekommunikationsanbieter, Versorger und aus dem Gesundheitsbereich. «Bei den zyklischen Werten gehen wir selektiv vor und konzentrieren uns derzeit auf stärkere Kreditprofile in den kürzeren Laufzeiten», so Rochus Baumgartner, Bond-Analyst bei UBS.