Die EU-Kommission hat die Rolle der Ratingagenturen in der Euro-Schuldenkrise mit ungewohnt deutlichen Worten kritisiert. Justizkommissarin Viviane Reding sagte in Brüssel: «Es ist doch interessant, dass immer dann, wenn sich die haushaltspolitische Lage in den USA verschlechtert, bestimmte Rating-Agenturen Europa ins Rampenlicht rücken.»

Der Markt wird von den drei grossen US-Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch dominiert. Nach Ansicht Redings hat Europa in den vergangenen drei Jahren «Riesenfortschritte» gemacht und sei auf dem Weg zur Haushaltskonsolidierung - «mit der soliden deutschen Wirtschaft als starken Anker und beeindruckenden Wachstumsmotor.»

Eine Studie der Hochschule St. Gallen kommt ebenfalls zu einem vernichtenden Urteil: Durch willkürliche Bewertungen hätten die Ratingagenturen die Schuldenkrise in Europa mitverursacht, heisst es darin, wie unter anderem das Schweizer Fernsehen berichtet.

Auch in der Finanzbranche zeigt man sich unzufrieden: Der Chefstratege der Investmentgesellschaft Swisscanto, Thomas Härter, kritisiert etwa, bis zum Beginn der Schuldenkrise 2007 seien die Ratingriesen praktisch dafür belohnt worden, Produkte gut zu bewerten. Nach grosser öffentlicher Kritik in den vergangenen Jahren überböten sie sich dagegen nun förmlich mit kritischen Bewertungen.

(tno/sda)

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