In Handel und Industrie nimmt der Margen- und Kostendruck zu. Zudem wird von den Konsumenten Transparenz verlangt – Qualität, nachhaltige Produktion und detaillierte Produktinformationen sind gewünscht. Die Konsequenz daraus: In der Optimierung der Wertschöpfungskette liegt der Schlüssel zum Erfolg. Der Preiskampf ist härter geworden. Die Branche wird zusätzlich mit steigenden Energiekosten, knappen Rohstoffen und verschärften Umweltgesetzen konfrontiert. Als Folge davon ist mit steigenden Preisen zu rechnen. Nicolas Florin, CEO GS1 Schweiz, ist der Überzeugung, dass durch die Optimierung der internen und insbesondere der unternehmensübergreifenden Prozesse die zu erwartenden Mehrkosten aufgefangen werden könnten. «Die Beteiligten der Supply Chain erkennen durchaus, dass sie durch eine engere Zusammenarbeit ihre Wertschöpfung und gleichzeitig die Leistungen für die Konsumenten verbessern könnten», so Nicolas Florin. In der Schweiz werden die Vorteile der Kollaboration bei weitem nicht ausgeschöpft. Laut der von GS1 Schweiz in Auftrag gegebenen Studie entgehen der Branche über die gesamte Supply Chain hinweg 6 Mrd Fr. an potenziellen Kosteneinsparungen und Zusatzverkäufen.

Eine Folgestudie liefert im Herbst neue Erkenntnisse bezüglich der zu erwartenden Fortschritte im Bereich der Wertschöpfung und erste Ergebnisse zu Sicherheit und Nachhaltigkeit. Trotz dieser eindeutigen Einschätzung fürchten die Akteure die notwendigen Investitionen und Prozessanpassungen. «Dabei wären die technischen Voraussetzungen dank den GS1 Standards und den kollaborativen Supply- und Demand-Modellen von ECR vorhanden», führt Nicolas Florin aus. Doch die Branche tut sich schwer. Wirtschaftliche, technologische und vor allem das fehlende Vertrauen bremsen die Umsetzung und somit die Realisierung der Einsparungspotenziale.

Zwei Fachbeiräte eingesetzt

Um die Optimierungsbestrebungen der Wirtschaft zu unterstützen und die Erschliessung der Potenziale zu ermöglichen, setzt GS1 Schweiz ab sofort zwei Fachbeiräte ein. Sie stärken die Kompetenzen in den Bereichen Logistik und ECR. Der Fachbeirat übernimmt dabei die Aufgabe des Fitnesstrainers. Das Ziel der Fachbeiräte ist die Einigung am runden Tisch auf Schlüsseltechnologien und Best-Practice-Prozesse, um die Effizienz und Flexibilität zu erhöhen.

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Nicht nur die Optimierung der Supply Chain stand im Mittelpunkt des 9. ECR-Tags, sondern auch der Konsument. Das grenzüberschreitende GfK-Expertenteam präsentierte die aktuellen Ergebnisse zum Konsumentenverhalten im Dreiland Schweiz, Deutschland und Österreich. Die Konsumenten haben eines gemeinsam: Sie sind kritischer geworden. Der Verbraucher achtet auf Qualität, kauft saisonale und regionale Produkte und orientiert sich an Labels. Der Konsument ist sich bewusst geworden, welche Konsequenzen sein Verhalten für Natur und Menschen hat. Bioprodukte sind längst keine Nischenmärkte mehr.