Was im Zentrum steht, und was an den Rand gehört, hat das Denken der Menschheit immer wieder beschäftigt. Im 16. Jahrhundert behauptete beispielsweise Nikolaus Koppernig – besser bekannt unter dem Namen «Kopernikus» –, dass die Sonne im Mittelpunkt der Welt stünde. Die Erde und die Planeten würden sich in Kreisbahnen um die Sonne drehen. Dies widersprach der damals gängigen Annahme, dass die Erde dieses universelle Zentrum darstellt. Entsprechend heftig fielen denn auch die Reaktionen auf diese Entdeckung aus, weshalb in der Geschichte fortan von der «kopernikanischen Wende» gesprochen wurde.

Weit verbreitet

Nicht ganz so revolutionär, aber nicht minder interessant nimmt sich ein relativ neuartiger Ansatz zur Vermögensanlage aus. Auch hier geht es darum, was Kern oder Zentrum ist, und was diesen Kern als sogenannte «Satelliten» ergänzen soll. Als Antwort darauf kam in den 90er Jahren in den angelsächsischen Ländern der sogenannte Core/Satellite-Ansatz auf.

Die meisten Portfolios institutioneller Investoren in den USA sind heute auf die eine oder andere Weise nach dem Core/Satellite-Ansatz aufgebaut. Ebenso weisen inzwischen die Hälfte der britischen Pensionskassen eine solche Struktur auf und auch in der Schweiz gewinnt dieser Trend zusehends an Bedeutung.

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Mit dieser Strukturierung in Core- und Satellite wird eine optimale Aufteilung des Risikobudgets des Gesamtportefeuilles angestrebt. Der Kern besteht dabei aus grosskapitalisierten Märkten, welche eine hohe Effizienz aufweisen. Deshalb wird hier auf ein betont aktives Portfoliomanagement verzichtet. Die dadurch geschaffe-nen Einsparungen im Risikobudget werden somit für die Satelliten frei. Dieser Teil des Gesamtportefeuilles wird aktiven Managern anvertraut.

Die Kriterien für Kern- respektive Satelliten-Anlagen sind denn auch unterschiedlich. So steht bei den Kernanlagen im Vordergrund, dass das Portefeuille benchmarknah gemanagt wird. Je ähnlicher dessen Zusammensetzung im Vergleich zu seiner Benchmark, desto besser erfüllt das Core-Portefeuille seine Aufgabe. Entsprechend wird zu diesem Zwecke vorzugsweise entweder ein risikokontrollierter, benchmarknaher Anlagestil verfolgt oder der Manager legt in Indexfonds an.

Ganz anders beim Satellite-Portefeuille. Hier steht die Outperformance im Vordergrund. Je höher hier die Erträge ausfallen, desto eher wird dieses Portefeuille seinen Ansprüchen gerecht. Denn die jeweiligen Satelliten sollen eine deutlich bessere Performance als ihre Benchmark aufweisen oder das Ziel positiver absoluter Renditen verfolgen, wie dies beispielsweise Hedge- Fonds tun. Deshalb wird hier vorzugsweise in ineffiziente Märkte und vorzugsweise besonders erfolgreiche aktive Manager investiert. Dabei ist sich der Investor bewusst, dass dieser alternative Ansatz mit einem höheren Verlustrisiko verbunden ist.

Verfeinerte Risikobudgetierung

Einer der wesentlichen Vorteile des Core/Satellite-Ansatzes liegt darin, dass sich das Risiko – sprich die Volatilität der Anlage – besser steuern und auf den jeweiligen Anleger abstimmen lässt als bei herkömmlichen Anlagestrategien. So kann einerseits durch die unterschiedliche Gewichtung der Satelliten sowie durch die breitere Auswahl diesbezüglicher Asset-Manager mittels verschiedener Risikostufen und Investmentstile in dasselbe Anlageuniversum investiert werden. Entsprechend mehr und verfeinerte Möglichkeiten ergeben sich.

Nicht nur klassisch

Viele Anlagekunden möchten denn auch nicht nur in die klassischen Anlagekategorien investieren, sondern gleichzeitig die Chancen aller möglichen Investmentvehikel nutzen – dabei aber möglichst klar definierte Risiken eingehen. Dank des Core/Satellite-Ansatzes können diese Wünsche sehr differenziert und individuell umgesetzt werden. Denn diese Art der Portefeuillestrukturierung ermöglicht eine besonders effiziente Allokation der jeweils individuellen Risikobudgets.

Aber auch hinsichtlich der strategischen und taktischen Ausrichtung eines Portfolios bringt der Core/Satellite-Ansatz entscheidende Vorteile. Gerade durch die strikte Trennung der beiden Portfolioteile können die jeweiligen Ziele unabhängig voneinander und flexibel umgesetzt werden: Auf der einen Seite die strategische und langfristige Ausrichtung durch die Core-Anlagen – und auf der anderen Seite mittels des Satellitenportfolios die opportunistische und eher kurzfristige Positionierung. Gerade bei traditio-nell gemischten Portfolios führen diese unterschiedlichen Anforderungen immer wieder zu Konflikten und Friktionen, da hier grundsätzlich keine derartig strikte Unterscheidung wie beim Core/Satellite-Ansatz zur Anwendung kommt.