Der T-Tisch ist ein Kaffeetisch für Zeitungsleser und entstand wie viele Entwürfe von Kurt Thut aus einem Bedürfnis heraus: «In der Regel mache ich den Kaffee. Meine Frau sitzt am Tisch und liest die Zeitung. Wenn ich dann mit dem Kaffee komme, ist kein Platz. Also brauchen wir einen Tisch mit einer Ablage für die Zeitungen. Klappbar zum Transportieren.» So klar und selbstverständlich wie Kurt Thut sein Bedürfnis beschreibt, so schnörkellos ist auch der Entwurf des Beistelltisches. Er steht so selbstverständlich da, als hätte es ihn schon immer gegeben.

Für Kurt Thut ist wichtig, dass ein Bedürfnis erst erkannt und durchdacht wird, bevor es sich im Entwurf kristallisiert. Ein guter Entwurf soll einfach, leicht, von hoch stehender Qualität, zerlegbar und damit transportfähig sein – Kriterien, die der T-Tisch ganz klar erfüllt: Er hat ein Gestell aus Buche, das sich zusammenklappen lässt, und trägt eine Platte aus Phenolharz. Die beidseitige winkelförmige Ablage ist aus Alcubond.

Export verdoppelt

Beim T-Tisch wendet Kurt Thut sein bevorzugtes und bekanntes Konstruktionsprinzip an: Die Schere. Ein Prinzip, das gut in die Gestaltungsphilosophie von Thut Möbel passt: «Jede Schraube ist durchdacht, entweder sie ist Teil des Designs, ansonsten wird sie aus Wirtschaftlichkeit reduziert.» Die Möbel sollten so leicht und transportfähig wie möglich sein. So zum Beispiel der Folienschrank – er wiegt nur 26 kg. «Es macht keinen Sinn, Luft in der Welt zu versenden», so Benjamin Thut, Sohn von Kurt Thut und seit Beginn dieses Jahres CEO von Thut Möbel.

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Zusammen mit seinem Bruder Daniel führt er das Unternehmen in Möriken AG ganz im Sinne der Familientradition weiter. «Thut Möbel soll ein Familienbetrieb sein, der in der Schweiz produziert.» Das Konzept geht auf: 2007 war ein gutes Geschäftsjahr. Thut Möbel konnte ein Wachstum von 10% verbuchen. Der Export hat sich verdoppelt. Besonders Deutschland ist ein wichtiger Markt geworden. Doch auf die Zukunft angesprochen, antwortet Benjamin Thut trotz diesem Erfolg ganz pragmatisch: «Wir werden uns im Export auf Europa beschränken – ansonsten würde es die Kapazität unserer Firma sprengen.» Genauso wichtig wie Design und Zahlen ist dem Unternehmer der Faktor Mensch: Er schreibt einen grossen Teil dieses Erfolges seinen Mitarbeitern zu. Er möchte nur mit Menschen zusammenarbeiten, die ins Unternehmen passen. Sie haben alle zusammen ein beinahe freundschaftliches Verhältnis.

Gleiche Spielregeln

Tradition im Design: Bei Thut Möbel soll das so bleiben. Das Herantasten an die Reduktion bleibt klar im Vordergrund. Vielleicht auf einem etwas technischeren Weg, so Benjamin Thut. Dieses Verständnis bringt er als ausgebildeter Maschinenmechaniker klar mit. Danach schlug er die gewohnten Designbahnen ein und besuchte die Hochschule für Gestaltung in Zürich – mit dem Fachgebiet Design und Innenarchitektur. Seinen ersten Erfolg hatte er mit der Arbeitsleuchte «Lifto», die eigentlich eine Schularbeit war. Schon darin entdeckt man Thuts Vorliebe für ungewöhnliche, experimentell erprobte Konstruktionen, die über das rein formale Verständnis hinausgehen.

Ihm schwebte eine Leuchte vor, die einfach im Gebrauch, mit dem Prinzip «form follows function» in eine elegante Form verpackt werden sollte. Er experimentierte dafür mit industriellen Materialien, die er aus seiner Ausbildungszeit kannte. Mit der Anwendung eigentlich möbelfremder Materialien und Techniken kreierte er eine neue Leuchtenform, die es in dieser eleganten, formalen Reduziertheit und arbeitstechnischen Effizienz vorher nicht gab.

Sein Vater, Kurt Thut, gehört zu den leisen Grandseigneurs der Schweizer Design-Szene. 1958 wurde er einer grösseren Öffentlichkeit ein Begriff: Damals gehörte er gemeinsam mit Hans Eichenberger und Robert Haussmann zum Designer-Trio «Swiss Design», das von Alfred Hablützel lanciert und von Teo Jakob und Peter Haussmann aus der Taufe gehoben wurde.

Dem Design-Showbusiness begegnete er stets mit einer Portion gesunde Skepsis. Wie folgende Geschichte illustriert: 1988, anlässlich der Schweizer Möbelmesse, stellte Kurt Thut erstmals im Rahmen des «Forum kreativer Fabrikanten» aus. Von einem begeisterten, aber ahnungslosen Journalisten wurde der damals 57-jährige Designer und Fabrikant telefonisch dazu interviewt: «Ich nehme an, Herr Thut, dass es sich hier um Ihren Design-Erstling handelt?» Kreativität und Frische dieses publicity-scheuen Seniors der Design-Szene Schweiz hätte kaum besser quittiert werden können als mit diesem unabsichtlichen Kompliment.

Designer für Grossstadt-Nomaden

Kurt Thut gehört zur arrivierten Generation von Designern, die Schweizer Design-Standard gesetzt haben: Sie waren in den 50er Jahren in der Ausbildung und verhielten sich in Opposition zu den Dingen, die später als typisch «Fifties» «nachnostalgiert» wurden. Während dieser Zeit haben sie das Augenmerk des Auslands auf einen spezifischen, schweizerischen, exportfähigen Design-Standard gelenkt. Eine Qualität, die im internationalen Vergleich durch das hohe Fertigungsniveau, einen soliden Gebrauchswert, ein funktionales und formales Selbstverständnis und eine oft erstaunliche Beständigkeit am Markt auffällt. Vorbild der Entwürfe waren besonders die Werke von Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier – so findet sich der verchromte Flachstahl, wie ihn Mies van der Rohe für seinen Sessel eingesetzt hat, in einigen «Swiss Design»-Modellen wieder. Allen gemeinsam ist zudem die sprichwörtliche helvetische Präzision.

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Thut ist gleichzeitig Entwerfer und Produzent seiner Produkte, die seit den 80er Jahren längst nicht mehr aus Holz, sondern auch aus Leichtmetall bestehen. Leichte, mobile und zusammenklappbare Möbel wie das «Scheren-Bett» oder der «Folien-Schrank» kennzeichnen Thuts Idee, flexible Einrichtungsstücke für den modernen Grossstadt-Nomaden zu konzipieren. Ihre Faltbarkeit hat die Möbelwelt anlässlich seiner Präsentation verblüfft und wird unterdessen in den Medien oft als Musterbeispiel für eine originelle Konstruktion zitiert. Sie sichern ihm ein internationales Renommee.