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Leichte Nutzfahrzeuge
Flexible Multitalente

(Bild. Bruno Arnold)

Stadtlieferwagen und Transporter leisten einen entscheidenden Beitrag zur täglichen Güterversorgung. Für jeden Auftrag gibt es das richtige Fahrzeug. Diese sind deutlich umweltfr

Von Kurt Bahnmüller
am 02.10.2013

Tag für Tag werden in der Schweiz mehr als 1 Million Tonnen Güter befördert, mehrheitlich mit leichten Nutzfahrzeugen. Das umfassende Angebot erstreckt sich von den Kleintransportern oder Stadtlieferwagen über die mittelschweren Lieferwagen bis zu den Fahrzeugen zwischen 3 und 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Auch für die leichten Nutzfahrzeuge gilt der Vorsatz, möglichst umweltfreund­liche Modelle einzusetzen, bewegen sich diese doch mehrheitlich in dicht besiedelten Agglomerationen. In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Transporter mit alternativen Antriebssystemen ent­wickelt und im Markt eingeführt. Dazu zählt der Elektroantrieb. Angesichts der noch immer bescheidenen Reichweite beschränkt sich der Einsatz von elektrisch betriebenen Lieferwagen allerdings auf räumlich eng begrenzte Gebiete.

VCS stellt gutes Zeugnis aus

Wie bei den Personenwagen steht auch bei den Lieferwagen und Minibussen die Reduktion des CO₂-Ausstosses im Vordergrund. Aus der neuesten Umweltliste des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) geht hervor, dass die in der Schweiz eingesetzten Lieferwagen in jüngster Zeit deutlich umweltfreundlicher geworden sind. Zu den saubersten zählen Fahrzeuge, die mit Erdgas/Biogas betrieben werden können (siehe Kasten). Das Angebot an solchen Nufas wurde in jüngster Zeit zwar ausgebaut, doch die Nachfrage nach gasbetriebenen Lieferwagen hält sich in Grenzen.

Nationalrat Dominique de Bumann, Präsident von Biomasse Schweiz, ist jedoch optimistisch. Er geht davon aus, dass sich der Anteil der gasbetriebenen Fahrzeuge von derzeit 0,4 Prozent bis zum Jahr 2030 auf 10 Prozent ­erhöhen wird. «Mit Erdgas/Biogas betrie­bene Fahrzeuge können den CO₂-Ausstoss markant senken, bei reinem Biogas ist er praktisch null», unterstreicht Walter Lange, Geschäftsleiter von Gasmobil AG, im neuesten Bulletin der Gasmobil. Immer sparsamere Dieselmotoren, die heute praktisch alle die Euro-5-Norm erfüllen und mit einem Partikelfilter ausgerüstet sind, werden allerdings auch in naher ­Zukunft die wichtigste Antriebsquelle für Lieferwagen bleiben.

Mercedes will nicht abseitsstehen

Stadtlieferwagen sind als multifunktionell einsetzbare Fahrzeuge für Dienstleistungsbetriebe, Gewerbe, Handel und Industrie das ideale Transportmittel für die Belieferung der Agglomerationen. Dank ihren kompakten Dimensionen können sie mitten in der City unterwegs sein. Zu den bisherigen Bestsellern in diesem ­Segment wie VW Caddy, Renault Kangoo, Citroën Berlingo und Peugeot Partner gesellt sich seit kurzem ein frischer Konkurrent. Einer mit dem Stern auf der Front­fläche. Mit dem Citan will Mercedes-Benz ein Wort im Stadtlieferwagen-Segment mitreden. In der Blue-Efficiency-Version gibt das Werk einen Normverbrauch von 4,3 Litern/100 Kilometer an.

Bis zu 3,8 Kubikmeter Laderaum, eine nutzbare Laderaumlänge von rund 1,9 Metern sowie eine maximale Nutzlast von 800 Kilogramm bilden die Eckwerte des Citan. Als Antrieb dienen 1,5-Liter-Dieselmotoren, entweder mit 55 kW/75 PS Leistung oder mit 66 kW/90 PS Leistung.

Ford mit Ergänzung zum Transit

Das bereits breite Angebot an Lieferwagen und Transportern wird im Laufe dieses Jahres zudem durch verschiedene weitere Modelle erweitert. Zu ihnen zählt der Ford Tourneo Custom, angetrieben von einem 2,2-Liter-TDCi-Turbodieselmotor mit drei Leistungsstufen (74 kW/­100 PS, 92 kW/125 PS oder 114 kW/155 PS). Dieser ist kombiniert mit einem Sechsganggetriebe. Mit dem neuen Tourneo Custom will Ford an die langjährigen ­Erfolge des Bestsellers Transit anknüpfen, der im Laufe dieses Jahres ebenfalls auf dem Schweizer Markt neu lanciert wird.

Toyota bringt den Proace

Für das zweite Halbjahr 2013 kündigt Toyota den Nachfolger des Modells HiAce, an. Der Proace wird mit zwei Chassislängen und zwei Karosseriehöhen angeboten, welche je nach der gewählten Konfiguration einem Nutzvolumen von 5, 6 oder 7 Kubikmetern entsprechen. Angetrieben wird der Proace von einem Euro-5-Dieselmotor.

Eine weitere Neuheit im unteren Preissegment ist der Dacia Dokker Van, der ein Stauvolumen von 3,9 Kubikmetern und eine Nutzlast von 695 Kilogramm aufweist und von einem Vierzylindermotor mit 1,6 Litern Hubraum und 61kW/83 PS Leistung angetrieben wird.

Dritte Generation Opel Combo

Der Opel Combo rundet zusammen mit den Baureihen Opel Vivaro sowie Movano das Angebot der Adam Opel AG im Bereich leichter Nutzfahrzeuge nach unten ab. Der kompakte Lieferwagen zählt zu den Stadtlieferwagen, die auch in engen Altstadtgassen ihr Ziel finden. Der Combo wird mit zwei Radständen, zwei Höhen und mit fünf verschiedenen Motorisierungen angeboten. Dazu zählen drei Dieselmotoren mit 95 bis 135 PS Leistung, ein Benzin­motor sowie ein Erdgasantrieb (CNG). Die Innenraummasse sind sehr grosszügig. Der Combo beansprucht für sich, in dieser Beziehung mit Bestwerten aufzuwarten. Ein pfiffiges Detail ist die auf Wunsch lieferbare hintere Dachluke, welche die Mitnahme einer Leiter, langer Stangen oder Rohre ermöglicht. Wie in diesem Segment üblich, wird auch der Opel Combo zu Sonderkonditionen angeboten.

Elektromobilität im Kommen

Die Belieferung von Ballungsgebieten, insbesondere von Innenstädten, dürfte in den kommenden Jahren durch stärkere Umweltauflagen für konventionelle Lieferwagen eher schwieriger werden. Umso mehr konzentrieren sich verschiedene Hersteller leichter Nutzfahrzeuge auf den Elektroantrieb. Dieser kann auf kürzeren Routen in naher Zukunft an Attraktivität gewinnen. Kurzstrecken bis etwa 130 oder maximal 150 Kilometer sind mit heutigen Elektrolieferwagen durchaus zu bewältigen. In jüngster Zeit lancierten denn auch verschiedene Hersteller Fahrzeuge, die rein elektrisch betrieben werden können. Nach dem Renault Kangoo Z.E. folgen Peugeot und Citroën mit Lieferwagen in der Zweitonnen-Klasse, die elektrisch fahren.

Auch Mercedes-Benz zieht hier mit. Der Vito E-Cell wird von einem Permanent-Elek­tromotor mit einer Leistung von 60 kW und einem Drehmoment von 280 Newtonmeter angetrieben. Die Li­thium-Ionen-Batterien sind im Fahrzeugboden untergebracht; deren Reichweite beträgt rund 130 Kilometer, wobei die Geschwindigkeit bei 89 Stundenkilometern abgeregelt wird. Die Batterien können am 380/400-Volt-Netz aufgeladen werden, was maximal 5 Stunden in Anspruch nimmt. Das Fahrzeug wird in der Schweiz ausschliesslich im Leasing angeboten (48 Monate/80 000 Kilometer). Neu ist zudem die Siebengang-Wandlerautomatik, welche Mercedes-Benz im Modell Sprinter einbaut. Mit verschiedenen Produktaufwertungen will der Sprinter seine Position als einer der meistgekauften Lieferwagen im Markt verteidigen. Zudem wurde das serienmäs­sige Adaptive ESP mit zusätzlichen Funktionen wie Brake Disk Wipe ergänzt, welches bei Regen und Nässe einen geringen Bremsdruck aufbaut. Dadurch wird der Wasserfilm auf der Bremsscheibe abgewischt, was eine anstehende Bremsung des Fahrzeuges sicherer macht. Ebenfalls mit einem Elektromotor unterwegs ist der Iveco Daily Electric.

Eine Lösung für die Zukunft entwickelte Volkswagen mit der Studie eT!. Dieser ist für Fahrten im urbanen Bereich konzipiert. Der Wagen ist elektrisch angetrieben, ist also emissionsfrei unterwegs und hilft somit CO₂ zu sparen. Der eT! ist als Zukunftsvision von leistungsfähigen Elek­trofahrzeugen gedacht und soll zukünftige Kundenbedürfnisse erfüllen.

Ebenfalls eine elektrische Lieferwagenstudie entwickelte Nissan Motor mit dem e-NV200. Der Lieferwagen basiert auf dem Modell Cabstar und übernimmt den aus dem Personenwagen Nissan Leaf bekannten Zero-Emission-Antrieb. Der japanische Hersteller plant, bis zum Jahr 2014 vier Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Mit dem Volkswagen eT! und dem Nissan e-NV200 können in Zukunft Innenstädte befahren werden, die womöglich in naher Zukunft für Diesel- oder Benzinfahrzeuge gesperrt werden könnten.

 

 

Leichte Transporter: Ohne sie würde die Versorgung stocken

In der Schweiz sind zurzeit rund 300 000 Stadtlieferwagen, Transporter und leichte Lieferwagen bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht unterwegs. Ihr markanter Vorteil ist, dass sie nachts sowie am Wochenende eingesetzt und mit dem PW-Ausweis gefahren werden können. Heute kann die Kundschaft aus einer Vielzahl von Modellen unterschiedlichster Konfiguration das ­richtige Fahrzeug wählen. Zahlreiche ­Hersteller leichter Lieferwagen bieten ­verschiedene Modelle mit Allradantrieb an, ein Sicherheitselement, das vor ­allem in Bergregionen mit saisonal schwierigen Fahrbedingungen ­geschätzt wird. Die meisten leichten ­Nutzfahrzeuge können heute mit ABS, ESP, Airbag und teilweise mit Start-Stopp-System geordert werden.

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