Anbieter von Business Jets leiden unter der Krise. Im laufenden Jahr betragen die durchschnittlichen Passagier- und Umsatzeinbussen im globalen Geschäft laut Experten rund 20%. Die vorübergehende Flaute ändert allerdings nichts an der Dynamik.

Mit der Hoffnung, sich im von ambitionierten Wachstumsprog-nosen geprägten Markt lieber heute denn morgen zu positionieren, schiessen neue Anbieter wie Raketen in den Himmel - und verglühen zuweilen auch wieder rasch. So etwa das Start-up Jet Republic, das im Herbst seinen Sitz von Portugal in die Schweiz verlegen und mit 110 neuen Maschinen den europäischen Markt aufmischen wollte. Noch vor dem ersten Start wurde der Betrieb nun eingestellt (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 35 vom 26. August 2009).

Besser machen möchte es Jetbird, mitbegründet vom ehemaligen Swissair-Manager Hans-Jörg Hunziker (siehe «Nachgefragt»). Innert Monatsfrist will die irische Firma mit einem Tiefpreiskonzept zunächst ab Köln/Bonn und später in ganz Europa ihre Dienste zu sehr attraktiven Preisen anbieten. Hunziker erklärt: «Begünstigend für uns wirkt die Krise insofern, als viele Unternehmungen und Privatpersonen ihre eigenen und teuren Flugzeuge abstossen und günstigere Alternativen für effi- ziente Geschäftsreisen suchen.»

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Fachleute prophezeien der Geschäftsfliegerei ein rasches Wachstum - Europa hinkt mit rund 2000 Lufttaxis den USA mit über 10000 noch deutlich hinterher. Weshalb auch andere Mitbewerber aufrüsten. So will die in Baar ZG ansässige VistaJet bis 2012 ihre Flotte von 23 auf über 100 Flieger ausbauen und zum grössten Anbieter ausserhalb der Staaten heranwachsen. Im 1. Halbjahr 2009 ist der Umsatz bei VistaJet - entgegen dem rückläufigen Gesamtmarkt - um 22% gewachsen. Um die ehrgeizigen Expansionsziele weiter zu treiben, wurde per 1. August der vormalige Swissair-Chef Philippe Bruggisser zum neuen CEO ernannt.

Auch kleine Anbieter bauen aus

Vom Gegenwind der Krise lassen sich auch die meisten anderen Anbieter in der Schweiz kaum von ihren langfristigen Wachstumsplänen abbringen. Etwa Peter Koch, CEO der Swiss-Tochter Swiss Private Aviation. Dank den Synergien mit der weltweiten Marketing- und Verkaufsorganisation des Lufthansa-Konzerns habe sich die junge Gesellschaft trotz rauem Umfeld bereits gut im Markt positioniert. Ebenfalls das Flugzeugmanagement für Drittkunden möchte Koch weiter ausbauen. Vor kurzem wurde die Flotte um eine auf fünf Maschinen erweitert.

Flottenvergrösserungen stehen auch andernorts an. Swiss Jet, die dem Milliardär Urs Schwarzenbach gehört - ebenso das Luxushotel The Dolder Grand, hat kürzlich den gesamten Flugbetrieb ihrer Muttergesellschaft Air Engiadina übernommen und bietet neben Business Jets neu auch Helikopter, Flächen- und Segelflugzeuge für alle Kundensegmente an. Diesen Juli stiess der neunte Helikopter dazu.

Trotz Einbussen im zweistelligen Prozentbereich ihre Flotte auf sechs Flieger verdoppelt hat innert zwölf Monaten He-lene Niedhart, CEO von Cat Aviation. Dazu investiert sie gezielt in die Mitarbeiterweiterbildung, um im «härteren Wettbewerb» bestehen zu können.Auch Heinz Aebi, Marketing Manager bei Jet Aviation, glaubt an eine baldige Erholung. Das auch in der Wartung und Abfertigung tätige Unternehmen lässt sich durch einen aktuellen Rückgang im Air-Taxi-Geschäft um 20% nicht beirren und will ihm zufolge genau dieses Segment sowohl in der Schweiz als auch in Asien und im Mittleren Osten ausbauen. «Dies mit Partnerschaften und mit mehr Flugzeugen, die Jet Aviation im Management betreibt.» Erst kürzlich hat man an einem kleinen Flughafen nahe Brasiliens Metropole São Paulo Stellung bezogen, um dort Flugdienste sowie Wartungsarbeiten anzubieten.

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Roger Federer wirbt für NetJets

Das Territorium erweitern ist auch eine Taktik der ganz grossen Anbieter. Die amerikanische NetJets etwa, die sehr stark in Europa präsent ist, hat sich kurzerhand den Flughafen Egelsbach gekauft, um den Kunden einen besseren Zugang zur strategisch wichtigen Region Frankfurt zu schaffen. In Erwartung des Aufschwungs wurde zudem das Vertriebspersonal um nicht weniger als 40% aufgestockt. In einer gross angelegten Werbekampagne wirbt NetJets mit dem Schweizer Tennisprofi Roger Federer, der seit 2004 eine Falcon 2000EX von NetJets besitzt.

Innovativ sind auch andere, wie die britische Air Partner, die im zehnten Jahr eine Schweizer Niederlassung betreibt. Hier wurde in diesem Jahr die Jet Card lanciert, mittels der Kunden Ticketpreise auf ein Treuhandkonto einzahlen und bei Nichtantreten des Flugs zurückerstattet erhalten.

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Obschon sich die Anbieter voller Tatendrang für den sicher geglaubten Aufschwung in der Geschäftsfliegerei vorbereiten, müssen sie damit leben, dass die Krise einen zusätzlichen Preisdruck im Markt ausgelöst hat. Dass die mit einem Luxusangebot angetretene Jet Republic wegen mangelhafter Nachfrage scheitert, ist ein klares Indiz dafür. Experten wie Gunter Knall, CEO von Swiss Executive Jet, rechnen in der Schweiz jedoch nur mit moderaten Preisanpassungen gegen unten von 5 bis 7%.
 

NACHGEFRAGT
Hans-Jörg Hunziker, Mitbegründer von Jetbird, Zug

«Jetbird ist sehr solide finanziert»

Ihr vermeintlicher Konkurrent Jet Republic musste vergangene Woche noch vor dem geplanten Start die Segel streichen. Droht Jetbird das gleiche Schicksal?

Hans-Jörg Hunziker: Das glaube ich nicht. Erstens sind wir sehr solide finanziert, und zweitens verfolgte Jet Republic eher das klassische Konzept mit Teileigentum und Member Cards, vergleichbar etwa mit NetJets. Das heisst, der Passagier muss zuerst mal einen sechsstelligen Betrag hinblättern, bevor er das erste Mal fliegen kann. Demgegenüber ist unser Konzept des Lufttaxis attraktiver, weil unser Passagier nur die Strecke bezahlt, die er auch fliegt: Bestellen, fliegen, bezahlen, wie in einem normalen Taxi. Wenn es ihm gefällt, kommt der Gast wieder. Er muss aber nicht.

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Weshalb setzt Jetbird nur auf einen Flugzeugtyp?

Hunziker: Der VLJ Phenom 100 vom Embraer hat markant tiefere Betriebskosten als vergleichbare Modelle. Deshalb können wir bis zu 50% tiefere Flugpreise offerieren. Da wir mit durchschnittlich zwei Passagieren pro Flug rechnen, reichen die vier Plätze des VLJ Phenom 100. Grössere Maschinen fliegen häufig auch mit zwei Leuten, aber mit sechs leeren Plätzen, was weder dem Passagier noch der Gesellschaft etwas bringt.

Sie wollen mit Jetbird einen Start nach Mass hinlegen. Sind andere Anbieter im Markt masslos?

Hunziker: Ich äussere mich nicht über die Konkurrenz. Jetbird will von Beginn weg höchste operationelle Kriterien erfüllen und halten, was der Kundschaft versprochen wird. Dazu gehört der vorsichtige, aber kontinuierliche und nachhaltige Aufbau der Kapazität.

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