Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat die Entscheidung der Lufthansa kritisiert, trotz des Konflikts im Gazastreifen wieder nach Tel Aviv zu fliegen. «Wir können die Entscheidung aus sicherheitstechnischer Sicht nicht nachvollziehen. Unseren Erkenntnissen nach hat sich in den letzten Tagen absolut nichts an der Bedrohungslage geändert», sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg zu «Handelsblatt Online».

Am Samstag hoben in Frankfurt und München die ersten Lufthansa-Maschinen seit Dienstag nach Tel Aviv ab. Auch der kleinere Konkurrent Air Berlin wollte die wegen der Sicherheitslage ausgesetzten Flüge nach Tel Aviv am Samstag wieder aufnehmen. Unter Verweis auf die zwölfstündige Feuerpause im Gazastreifen hob auch die türkische Luftfahrtbehörde ihr Flugverbot für Tel Aviv auf.

«Sicherheitstechnisch lässt sich das jedenfalls nicht erklären»

Pilotensprecher Handwerg sagte, aus seiner Sicht sei der «Schutzschirm» der Israelis nicht in der Lage, 100 Prozent der Raketen abzufangen. «Auch gibt es Möglichkeiten, die Effektivität des Schutzschirmes auf Kosten der Treffgenauigkeit durch geeignete technische Massnahmen deutlich zu reduzieren.» Somit könne es nur zwei Gründe geben, warum die Lufthansa die Flüge nun wieder aufnehme: «Entweder wurde sie durch Druck dazu gezwungen den Betrieb wieder aufzunehmen. Dies ginge über Druck aus Israel, politischen Druck aus Berlin oder Profitinteressen stehen im Vordergrund», sagte Handwerg, der selbst Lufthansa-Pilot ist. «Sicherheitstechnisch lässt sich das jedenfalls nicht erklären.»

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Die Lufthansa wies dies zurück. Lufthansa habe als eine der letzten Fluglinien weltweit entschieden, den Flughafen Ben Gurion wieder anzufliegen. «Die Entscheidung zu fliegen oder nicht wird bei Lufthansa ausschliesslich unter Sicherheitsaspekten getroffen», sagte ein Sprecher. Der Flugbetrieb werde nun schrittweise wieder aufgenommen. Bis alle Verbindungen der Konzerngesellschaften Lufthansa, Germanwings, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines wieder planmässig seien, werde es noch mehrere Tage dauern.

Raketeneinschlag in der Nähe des Flughafens

Am Dienstag war eine Rakete in der Nähe des wichtigsten israelischen Flughafens eingeschlagen. Daraufhin hatten US- und EU-Behörden Flüge nach Tel Aviv untersagt. Dieses Verbot war bereits am Donnerstag wieder aufgehoben worden, dennoch hatten Lufthansa und Air Berlin auch für Freitag ihre Flüge in die israelische Metropole abgesagt. Andere Fluggesellschaften wie US Airways und Delta Air Lines nahmen die Flüge dagegen bereits am Donnerstag wieder auf. 

(reuters/dbe)