1. Home
  2. «Fluege.de»: Grosse Nöte bei Reiseveranstalter

Abgestürzt
«Fluege.de»: Grosse Nöte bei Reiseveranstalter

Unister: Reisende müssen sich offenbar trotzdem keine Sorgen machen. Keystone

Der Internet-Holding Unister mit Portalen wie «ab-in-den-urlaub.de» und «fluege.de» droht die Insolvenz. Vor wenigen Tagen war der Gründer tödlich verunglückt – mit im Gepäck ein Koffer mit Millionen.

Veröffentlicht am 18.07.2016

Wenige Tage nach dem Unister-Gründer Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, ist die Internet-Holding Unister pleite. Das Amtsgericht Leipzig habe für den Betreiber von Internet-Portalen wie «ab-in-den-urlaub.de» und «fluege.de» Lucas Flöther als Insolvenzverwalter eingesetzt, teilte Flöthers Kanzlei am Montag mit.

Flöther versuche, die operativen Gesellschaften aus der Insolvenz herauszuhalten. Ob und wie lange das möglich ist, müsse sich zeigen, sagte ein Sprecher. Der Insolvenzverwalter stehe noch ganz am Anfang seiner Nachforschungen. Am Montag stellte sich der Insolvenzverwalter zunächst den 1100 Mitarbeitern, danach folgten Gespräche mit den verbliebenen Eigentümern. «Wir gehen da mit Optimismus heran und versuchen, das Unternehmen zu stabilisieren», sagte Flöthers Sprecher.

Prall gefüllten Geldkoffer dabei

Wagner und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling waren am Donnerstag mit einem Flugzeug über Slowenien abgestürzt. Beide kamen dabei ums Leben. Sie waren auf dem Rückweg von Venedig, wo sie nach Angaben von Unister potenzielle Investoren getroffen hatten.

Laut Medienberichten wurde an der Absturzstelle ein Geldkoffer mit mehreren Millionen Euro gefunden. Das Unternehmen, das Wagner 2002 im sächsischen Leipzig gegründet hatte, galt seit längerem als finanziell angeschlagen. Zuletzt war die Tochter «geld.de» an den Finanzinvestor JDC verkauft worden, um Geld in die Kasse zu bringen. Ein Verkauf von Unister war im vergangenen Jahr im Sande verlaufen, weil Firmen wie ProSiebenSat.1 und CTS Eventim die Risiken scheuten.

Entwarnung für Bucher

Reisende, die mit einer der Unister-Firmen auf Reisen sind, müssen sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen nicht sorgen. «Die Insolvenz bezieht sich nur auf die Holding, aber nicht auf Töchter wie Travel24», sagte Rechtsexpertin Beate Saupe.

Travel24.com ist börsennotiert. Auch wer eine Reise mit «ab-in-den-urlaub.de» oder «fluege.de» gebucht habe, könne diese nach derzeitigem Stand noch antreten. Und falls die Töchter doch pleitegingen, springe eine Versicherung ein, die für jede in Deutschland gebuchte Pauschalreise gelte.

Bundesagentur sichert Löhne

«Die vorläufige Insolvenz bietet vor allem kurzfristige finanzielle Sicherheit», erläuterte Flöther. Es gehe darum, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten. «Auf dieser Grundlage kann sich die Unister Holding dann langfristig wieder stabil aufstellen.»

Die verbliebenen Unister-Gesellschafter hatten am Wochenende keinen neuen Geschäftsführer berufen und sich stattdessen an den Sanierer Flöther gewandt, wie sein Sprecher sagte. Mit dem Insolvenzantrag übernimmt die deutsche Bundesagentur für Arbeit die Gehälter der Mitarbeiter für bis zu drei Monate. Damit verschafft sich das Unternehmen Luft.

(sda/jfr)

Anzeige