Wolfgang Mayrhuber, CEO von Lufthansa, prophezeit, dass Zürich im Fall einer Plafonierung zum Teilzeitflughafen degradiert würde. Er will zwar nicht direkt damit drohen, dass Lufthansa die Bedeutung des Flughafens Zürich gegenüber Frankfurt und München automatisch zurückstufen würde. Aber: «Würde die Entwicklung der Swiss behindert, hätte das natürlich negative Folgen für die Drehkreuzfunktion von Zürich», sagt er der «Handelszeitung». Der Österreicher an der Spitze von Lufthansa macht auch keinen Hehl aus den möglichen Folgen bezüglich des eigenen Engagements. «Wenn die Swiss in ihrem Steigflug begrenzt würde, hätte dies auch Auswirkungen auf künftige Investitionen seitens der Lufthansa.»

160 Flüge würden gestrichen

Solche Andeutungen lösen bei Swiss Alarm aus. Dass von der finanziellen Unterstützung des Mutterkonzerns die künftige Entwicklung und Grösse der Swiss-Flotte entscheidend abhängt, weiss man dort nur allzu gut. Die Annahme der Initiative würde die zuletzt dank erfreulichen Gewinnen bei Lufthansa erworbene Gunst für Swiss akut gefährden.
Dieses Szenario ist aber möglich. Nicht weniger als 160 wöchentliche Swiss-Flüge würden bei einer rigiden 9-Stunden-Nachtruhe, wie sie die Initianten fordern, zum Opfer fallen. Als unweigerliche Folge müsste die wachsende Flotte, vor allem im Langstreckenbereich, wieder markant abgespeckt und der Flugplan zusammengestrichen werden. Swiss-Sprecher Jürg Dinner schätzt, dass dies Ertragseinbussen von mehreren 100 Mio Fr. nach sich ziehen würde. Zum betriebswirtschaftlichen käme im Falle einer Annahme der Initiative ein volkswirtschaftliches Desaster hinzu. Am Flughafen müssten hunderte wenn nicht tausende Stellen abgebaut werden. Dinner: «Ein Langstreckenflugzeug schafft Arbeitsplätze in der Grössenordnung eines KMU allein bei der Swiss.»

Swiss erwägt Wegzug

Für Swiss-CEO Christoph Franz muss dieses «künstliche Kaputtmachen» des zuletzt so erfreulichen Aufschwungs bei Swiss mit allen Mitteln verhindert werden. Falls das Stimmvolk aber dennoch anders entscheiden würde, zieht der CEO sogar einen Wegzug aus Zürich in Erwägung. Dieser Schritt sei dann zumindest eine Option, weil der Betrieb einer funktionierenden Interkontinental-Netzwerkgesellschaft ab Zürich massiv in Frage gestellt wäre. Swiss-Sprecher Jürg Dinner sagt offiziell: «Swiss würde sich bei einem Volks-Ja überlegen, ob die Flugzeuge ab einem anderen Flughafen profitabel eingesetzt werden können.» Zum jetzigen Zeitpunkt wolle man solchen Spekulationen aber keinen Vorschub leisten und nicht auf mögliche Szenarien eingehen.
Das Worst-Case-Szenario würde auch die Flughafenbetreiberin Unique hart treffen. Während Unique-CEO Joseph Felder unlängst zwar noch den potenten Partner Swiss als Versicherung für den Hub Zürich lobte, sind die Töne von Unique-Verwaltungsratspräsident Andreas Schmid weitaus dramatischer: «Bei der Annahme der Initiative wäre der Flughafen Zürich gleichermassen unattraktiv für Fluggesellschaften und Passagiere und auch für den Betrieb eines interkontinentalen Drehkreuzes nicht mehr geeignet», mahnte er auf seiner Werbetour gegen die Initiative.
Von offizieller Seite wird ein negativer Einfluss der drohenden Plafonierung auf Verhandlungen mit potenziellen neuen Airline-Partnern heruntergespielt. «Die Initiative hat bei den Gesprächen mit den Fluggesellschaften keinen Einfluss und ist in den Verhandlungen kein grosses Thema», heisst es bei der Medienstelle.
Fakt ist, dass die seit längerem erwarteten Abschlüsse mit neuen Airlines, vornehmlich aus den von Unique erklärten Zielmärkten China und Indien, auf sich warten lassen. Zwei Beispiele: Die indische Jet Airways etwa hat sich nach längeren Gesprächen mit Zürich nun definitiv für Brüssel als europäische Basis entschieden. Und auch Air China, um die Unique seit längerer Zeit wirbt, hat sich noch immer nicht zu Direktverbindungen nach Zürich durchringen können.

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