Die Ukraine-Krise und der Konflikt im Gazastreifen beschäftigen weltweit die Nationen. Doch die geopolitischen Unruhen sorgen nicht nur für Turbulenzen auf der Erde. Auch über den Wolken herrscht Verwirrung.

Nachdem Abschuss des malaysischen Passagierfliegers MH17 über der Ostukraine ändern die grossen Airlines kurzfristig ihre Flugrouten. Auch die Swiss umfliegt die Ukraine grossräumig. Zudem wurden in dieser Woche wegen Raketengefahr im Gazastreifen vorübergehend Flüge nach Tel Aviv gestrichen. Die deutsche Lufthansa und die Tochter Swiss meiden den Anflug auf den Flughafen Ben Gurion noch am heutigen Freitag. Morgen Samstag wollen die Airlines den Flugbetrieb wieder aufnehmen.

Charts im Appstore gestürmt

Das Chaos am Himmel sorgt nun für einen ungeahnten Boom der Webseite Flightradar24. Auf der Plattform können Aviatikfans Passagierflieger in Echtzeit verfolgen. In dieser Woche hat das dazugehörige App die Charts im Appstore des Technologiekonzern Apple gestürmt.

So hat Flightradar24 im deutschen Store den langen Spitzenreiter der iPhone-Charts, das Kurznachrichten-App Threema, kurzfristig auf Platz zwei verdrängt. Auch in den iPad-Charts ist das App in die Top-10 gerutscht. Im Schweizer Appstore belegt Flightradar24 derzeit Platz drei in den Charts der meistgekauften iPhone-Apps. Nutzer können dort die Anwendung für 3 Franken herunterladen.

Anzeige

Website zusammengebrochen

Nach eigenen Angaben zählt Flightradar24 pro Monat rund sieben Millionen Besucher, schreibt das «Handelsblatt». Nach dem Flugzeug-Unglück in der Ukraine sei der Dienst der Webseite aufgrund der hohen Anzahl der Zugriffe zusammengebrochen.

Unter anderem hätten die Nutzer mit Entsetzen direkt mitverfolgt, wie die Lufthansa und die Thai Airways über die umkämpfte Region geflogen seien. Erstaunt soll man auch gewesen sein, als man die Finnair auf Flightradar24 aumachte. Die Airline hatte zuvor auf Twitter mitgeteilt, sie meide die Ukraine. Kurze Zeit später entschuldigten sich die Finnen.

Netzwerk in Europa

Flightradar24 haben zwei schwedische Aviatikfans im Jahr 2006 gegründet. Sie bauten in Nord- und Mitteleuropa ein Netzwerk mit Empfängern auf, das die Signale von Passagierflugzeugen aufschnappen kann. Die sogenannten ADS-B-Transponder, mit denen heute rund 65 Prozent der Passagierflieger ausgestattet sind, liefern im Sekundentakt die Position des Flugzeugs und zeigen Daten wie die Flugnummern, den Flugzeugtyp, Flughöhe oder die Geschwindigkeit an.

(dbe/chb)