Die russischen Flugzeughersteller drängen mit Macht in den lukrativen Markt für Passagier- und Frachtmaschinen. Als Ziel hat die Regierung Putin namhaften Firmen wie Tupolew, Iljuschin und Suchoj einen Produktionsanteil von mindestens 10% am Weltmarkt für Zivilflugzeuge vorgegeben. Dieser Plan solle bis 2015, spätestens aber 2018 umgesetzt werden, konkretisierten Unternehmensvertreter auf der Luftfahrtmesse MAKS in Moskau.

Um die Kreml-Vorgaben umzusetzen, müssten laut Aussage von Iljuschin-Chef Victor Liwanow ab Mitte des kommenden Jahrzehnts jährlich rund 300 Flugzeuge russischer Herkunft an nationale und internationale Luftfahrtgesellschaften verkauft werden. Auf Iljuschin entfiele ein Kontingent von etwa 70 Fliegern, erklärt Victor Liwanow. «Über neue Flugzeugmodelle haben wir bereits Gespräche mit Airlines aus China, dem Iran, Lateinamerika und Afrika geführt.»
Konkurrent Tupolew nutzte die Messe, um sieben TU-204-Passagierjets im Gesamtwert von umgerechnet 260 Mio Euro an Iran Air und die kubanische Aviaimport zu verkaufen. Zugleich haben die Gesellschaften Antonow und Volga Dnepr angekündigt, dass sie die Produktion für den Grosstransporter AN-124 wieder aufnehmen und bis 2030 100 Exemplare dieser ursprünglich fürs Militär entwickelten Maschine bauen wollen.

Eine Reihe Hoffnungsträger

Auch bei Regionalflugzeugen machen die Russen mobil. So liegen für die Suchoj Superjet 100 bereits 71 feste Bestellungen vor, darunter zehn Order der italienischen ItAli Airlines. Der in Komsomolsk am Amur gefertigte Zweistrahler, in den je nach Bauart zwischen 75 und 95 Sitze passen, soll im Dezember zum Erstflug starten.
Ein weiterer Hoffnungsträger der russischen Luftfahrtindustrie ist die IL-96-400T. Dies ist ein Transporter, der pro Flug 92 t befördern kann und der auf der Moskauer Messe erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Bislang liegen elf Bestellungen für die rund 75 Mio Dollar teure Cargomaschine von Iljuschin vor, darunter sechs von der Aeroflot und fünf von der mehrheitlich (51%) zur Stadt Moskau gehörenden Atlant-Soyuz Airline.
Wie deren Generaldirektor, Wladimir Dawydow, sagt, sollen die neuen Iljuschin-Frachter ab kommendem November auch in Leipzig/Halle landen. Geplant seien zunächst drei Flüge pro Woche zwischen der sächsi-
schen Stadt, Moskau und Zielen in China.
Nutzer dieser neuen Verbindung ist die Deutsche-Post-Tochter DHL. «Es gibt eine Absprache, wonach DHL auf der Teilstrecke von Leipzig/Halle nach Moskau pro Flug jeweils 30 t an Fracht beisteuern wird», bestätigt Stephan Blank, Leiter des Luftfrachtvermarkters EasternAirCargo GmbH, einer Tochter der Mitteldeutschen Flughafen AG.
Das DHL-Kontingent sichere die Grundauslastung der Leipzig-Flüge und damit deren Wirtschaftlichkeit, sagt Blank.

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