Wenn Roland Bartholet in seinem Büro aus dem Fenster schaut, sieht er die Flumserberge. An diesen Hängen hat sein Vater in den 1970er Jahren die erste Seilbahn gebaut.

Roland Bartholet ist kein redseliger Typ. Dabei hätte der Patron viel zu erzählen: von den Gondeln, in denen Moskauerinnen und Moskauer über den Fluss Moskwa schweben. Oder von den Sessel­liften, die chinesische Skifahrerinnen und Skifahrer auf den Berg transportieren.

Weit über ein Dutzend solcher Anlagen ent­stehen jedes Jahr in den Werkhallen neben Roland Bartholets Büro in Flums. Die Firma Bartholet Maschinenbau ist der letzte grosse unabhängige Schweizer Seilbahnbauer. Und Roland Bartholet, Chef von 350 Angestellten, verbringt mehr als die Hälfte des Jahres im Ausland.

Dabei wirkt er, hier in seinem Büro, im schwarzen Hemd und in Halbschuhen, nicht wie ein Manager, der viel Zeit im Flugzeug verbringt. «Wir sind in der Region verwurzelt», sagt Bartholet und blickt auf die Berge.

Der Vater reparierte Landmaschinen

Sein Vater Anton reparierte zu Beginn in seiner Werkstatt noch Landmaschinen. Heute steht der Sohn mit der Firma als letzter Schweizer Anbieter in Konkurrenz mit zwei ausländischen Gruppen: mit Dopplemayr/Garaventa aus Vorarlberg und der Südtiroler Leitner-Gruppe. «Wir haben 12 Prozent. Die beiden anderen ­teilen sich den Rest», sagt Bartholet.

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Der Markt für Seilbahnen erzielt ein Jahres­volumen von 1,2 Milliarden Franken. Und die meisten Aufträge gehen an nur drei Anbieter. Herr Bartholet, sind Sie Teil ­eines «Triopols» von marktbeherrschen Unternehmen? Der 56-Jährige schmunzelt: «Wir sehen uns eigentlich nicht als Pol. Eher als kleiner Stecker.»

Ein Türöffner für China

«Cederlake Capital ist ein reiner Finanzinvestor», betont Bartholet. Die Fa­brik und alle Immobilien gehören weiterhin nur der Familie. Und doch ist der chinesische Investor für das Unternehmen mehr als ein Geldgeber. Er hilft auch als Türöffner im wichtigsten Markt. Bartholet macht heute rund einen Viertel des Umsatzes im China.

«Wir arbeiten sicher fünf bis zehn Stunden mehr als die Italiener und Österreicher, dass gleicht die Währungsdifferenz in etwa aus.»

Roland Bartholet

Kein Land hat in den letzten Jahren so viel in die Infrastruktur investiert. Seilbahnen sind in China auch deshalb gefragt, weil Peking in zwei Jahren die Olympischen Winterspiele veranstalten wird. Investoren haben Dutzende neue Ski­gebiete geplant.

«Viele davon sind Totgeburten. Sie werden wegen Finanzierungsschwierigkeiten nie fertig. Oder zumindest nicht rechtzeitig für die Spiele 2022», sagt Bartholet.

Das Wachstum ist in den Schwellenländern

Das Geschäft in China hängt jedoch nicht vom Erfolg der Winterspiele ab. China wird für das Unternehmen noch wichtiger ­werden, ist der Firmenchef überzeugt – wie auch der Rest Asiens sowie Lateinamerika und Osteuropa.

«Wir wachsen in Ländern, in denen die Menschen nicht zehn Jahre auf eine neue U-Bahn-­Linie warten können. Seilbahnen sind das effi­zienteste und kostengünstigste Verkehrs­system.»

Roland Bartholet, Verwaltungsratspraesident der Seilbahnfirma BMF in Flums, aufgenommen am Donnerstag, 27. Februar 2020 in Flums.

Roland Bartholet: Sein Vater Anton hat das Unternehmen gegründet.

Quelle: Samuel Truempy
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Die Arbeitswoche ist länger als bei der Konkurrenz

Wenn der Patron über seine Anlagen spricht – er hat das Büro verlassen und läuft jetzt durch eine der Fabrikhallen –, ist er in seinem Element. Er zeigt auf eine riesige Gondel, die in der Halle Gestalt annimmt: «Wir wollen möglichst komplexe Aufträge. Wir können hier in Flums nicht 08/15-Anlagen bauen, wenn die Leute so viel verdienen wollen.»

Teurer als die beiden Konkurrenten sind die Schweizer dennoch nicht. «Wir arbeiten sicher fünf bis zehn Stunden mehr als die Italiener und Österreicher, dass gleicht die Währungsdifferenz in etwa aus», sagt der Firmenchef.

Die dritte Generation steigt ein

Wollen Sie Doppelmayr/Garaventa und Leitner überholen, Herr Bartholet? Der Firmenchef winkt ab. «Wir haben keine Ambitionen, die Nummer eins zu werden oder eine schlechte Nummer zwei. Wir müssen nicht in der Marktposition top sein, sondern im Design, in der Innovation und in der Qualität.»

Der Rundgang ist beendet, Roland Bartholet ist zurück im Büro. In einigen Jahren möchte er die Leitung an seine Kinder abgeben. Die zwei Söhne und die Tochter wollen in die Firma einsteigen. So wird bald die nächste Generation in diesen Räumen arbeiten, mit Sicht auf die Flumserberge, wo Anton Bartholet einst die erste Seilbahn baute.