Aus Betroffenheit und aus Solidarität mit den Menschen, die ihr Hab und Gut und ihre Liebsten verloren haben, spenden wir», sagt Swatch-Sprecherin Beatrice Howald. Der Uhrenkonzern, der ohne Zaudern bereits in der Altjahreswoche 2,5 Mio Fr. Soforthilfe für die Opfer der Seebeben-Katastrophe in Asien gesprochen hat, ist keine Ausnahme. Landauf, landab zeigen sich Unternehmen grosszügig und unbürokratisch: Insgesamt wurden Barbeträge von über 16 Mio Fr. sowie Sachspenden in Millionenhöhe gespendet. Dies ergaben die Rückmeldungen auf eine Umfrage der «HandelsZeitung» (siehe Tabelle).
Bei der Begründung ringen die Firmen um Worte. Das Handeln im Rahmen des Möglichen aus Solidarität und Betroffenheit scheint den meisten ein Selbstverständnis. Lonza-CEO Stefan Borgas: «Die Ausmasse der Zerstörung, die der Tsunami angerichtet hat, sprengen das normale Vorstellungsvermögen.»
*Hilfe soll anhalten*
«Die Schweizer Wirtschaft hat eindeutig stärker als sonst reagiert», beobachtet Karl Schuler, Sprecher des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Das SRK ist das Hilfswerk, das neben der Glückskette am meisten berücksichtigt wurde. Schuler betont jedoch: «Angesichts hoher Gewinne, gerade im Dienstleistungssektor, stört es nicht, wenn grosszügig gespendet wird.»
Manch Unternehmen denkt zudem nicht nur an die unmittelbare Not, sondern auch an den Wiederaufbau. So sollen 200000 Dollar von Swiss Re helfen, die wichtigs-ten Bedürfnisse in einer ersten Phase abzudecken, wie Swiss-Re-Sprecherin Simone Lauper sagt. «Unsere Hilfe wird aber in einer zweiten Phase fortgesetzt.» Die UBS, das Unternehmen, das mit 3 Mio Dollar die grösste Sofortspende ausgerichtet hat, erklärt: «Die UBS wird sich an den wohl jahrelangen Wiederaufbauarbeiten beteiligen.»
Firmen schenken auch freigebig Naturalien und Dienstleistungen, sofern diese bei den Hilfswerken erwünscht sind: Roche stellt einer internationalen Hilfsorganisation 220000 Packungen antibakterieller Medikamente und Antibiotika zur Verfügung. Der Nahrungsmittelmulti Nestlé hilft unter anderem mit Milchprodukten im Wert von rund einer halben Mrd Fr., welche von den Rotkreuzorganisationen der betroffenen Länder verteilt werden. Derweil hoffen die Mobilfunkanbieter auf heisse Drähte: Swisscom, Orange und Sunrise stellen ihre Infrastruktur gratis für Sammelaktionen zur Verfügung.
*SBB im Abseits*
Gar nichts locker machen wollen einzig die SBB. Sie könnten nicht an Spendenaktionen teilnehmen, da sie stark von der öffentlichen Hand finanziert und die Gelder der Steuerzahler zweckgebunden seien, sagt SBB-Sprecher Roland Binz.
Der andere ehemalige grosse Staatsbetrieb, die Post, spornt die Angestellten zum Spenden an: Der gelbe Riese wird die Spenden der Mitarbeiter verdoppeln. Solche Verdoppelungen stehen auch bei Swisscom, Orange und Sunrise an.
Unkompliziertheit und Eigeninitiative haben zudem unzählige Kleinunternehmen sowie Restaurants gezeigt - viele werden Einnahmen einer bestimmten Periode direkt Hilfswerken überweisen.
Bis auf Holcim, bei der die Fluten im Mahlwerk Ruhunu auf Sri Lanka zu einem vorübergehenden Betriebsunterbruch führten, wurde keine Schweizer Tochtergesellschaft in Asien operativ beeinträchtigt. ABB spricht von Glück im Unglück, da sich die Produktionsstätten im Binnenland befänden.
*Angst um Mitarbeiter*
Dennoch lastet über dem Technologiekonzern die Ungewissheit, ob alle Mitarbeiter und deren Angehörige die Flut überlebt haben. Gedrückt ist die Stimmung auch bei Swatch, UBS, Schurter und der Zürcher Kantonalbank, wo Mitarbeiter vermisst werden oder Angestellte Verwandte verloren haben. Ausserdem beklagen UBS und Swiss Life bisher je eine Person, die in den Fluten umkam.
Keines der angefragten Unternehmen würde bestreiten, dass Firmenspenden nicht mit Public Relations zusammenhängen. Doch hinter der beispiellosen Grosszügigkeit der letzten Tage stehen auch andere Motive. ABB-Sprecher Wolfram Eberhardt: «Das ist eine unvergleichbare Katastrophe und die Unternehmen sollten ihre Kanäle nutzen, um zu helfen.»

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