Die Marke Minergie feiert im Juni ihr 10-jähriges Jubiläum. Das Label, ursprünglich durch die Kantone Zürich und Bern entwickelt, hat sich sehr schnell im Markt breit gemacht und ist heute ein etablierter Baustandard. Und das in einem Markt, in welchem Veränderungen ansonsten nur sehr langsam vonstatten gehen. Ein wichtiger Faktor dabei war sicher die breite Unterstützung durch alle Kantone und den Bund. Einerseits mit direkten Förderbeiträgen an die zukunftsorientierten Bauherren, andererseits mit viel Informationsarbeit zusammen mit dem Verein Minergie.

Die breite Informationstätigkeit der Kantone hat dazu geführt, dass Minergie heute weit über den Immobilienmarkt hinaus bekannt ist, insbesondere in der Politik. Unzählige politische Vorstösse wurden bereits auf eidgenössischer, kantonaler und kommunaler Ebene eingereicht und oft umgesetzt. Sei es als Vorgabe für öffentliche Bauten oder als Bestimmung in Baureglementen und Überbauungsordnungen.

Kanton Bern als Vorbild

Dass die die Kantone den Minergie-Standard als Vorbild für die eigenen Bauten anwenden, ist ein weiterer Treiber. Der Kanton Bern baut seine neuen Gebäude bereits im Minergie-P-Eco-Standard und saniert mindestens im Minergie-Standard. Für den Gebäudebereich ist Minergie ein wichtiger Wegbereiter für energieeffiziente Bauvorschriften geworden. Als freiwilliger Standard ein ideales Versuchsfeld, um neue Technologien, Dämmungen, Baustile und Bewertungsmethoden auszuprobieren und zu fördern. Der Erfolg von Minergie bei Neubauten (Minergie hat mittlerweile einen Anteil am Schweizer Neubaumarkt von mehr als 10 %) hat viel dazu beigetragen, dass die neuen Mustervorschriften der Kantone vor kurzem auf das Niveau des bisherigen Minergie-Standards angehoben werden konnten.Dadurch wird das Niveau des bisherigen Minergie-Standards zur Basisanforderung und Minergie-P zum Mass der Dinge für zukunftsbewusste Bauherrschaften. Auch die Förderung durch die Kantone wird sich in Zukunft auf den Minergie-P-Standard konzentrieren, im Kanton Bern bereits seit April 2008. Bei den Sanierungen hingegen wird auch der «normale» Minergie-Standard weiterhin unterstützt. Bei den bestehenden Bauten hat sich Minergie noch wenig durchgesetzt. Aber aufgrund der Entwicklung der Minergie-Gebäudezahlen ist zu hoffen, dass er sich auch hier durchsetzen wird (siehe Grafik).

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Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Minergie ist mittlerweile ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Durch Mehrinvestitionen in bessere Gebäudedämmungen und in Haustechnik zur Nutzung von erneuerbaren Energien und mehr Wohnkomfort werden pro Jahr rund 100 Mio Fr. an lokaler Wertschöpfung generiert. Gleichzeitig vermindert dies die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern und damit den Geldabfluss ins Ausland. Das Entwicklungspotenzial von Minergie ist sicher noch nicht ausgeschöpft. Der Standard ist mittlerweile nicht nur von den Kantonen breit getragen, sondern auch von der Bauindustrie und kann sich so immer mehr auch ohne Förderung durchsetzen. Die Entwicklung zeigt nach wie vor steil nach oben. Und Anfragen und Kontakte zeigen, dass Minergie durchaus ein Exportschlager werden könnte.