Zum 18. Mal tagte das Zürcher MBA-Forum der Graduate School of Business Administration Zurich (GSBA). Neben der Diplomverleihung an die Absolventen bildete das Podiumsgespräch zum Thema «Finanzkrise - Wirtschaftskrise - Gesellschaftskrise?» den Höhepunkt des Tages. Pascal Ihle, stellvertretender Chefredaktor der «Handelszeitung», moderierte die Diskussion: Wie kam es zum «annus horribilis» und wie geht es jetzt weiter?

Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes Bern (SGB), forderte Einkommensgrenzen und stärkere Regulierung des Finanzsektors. Auch kritisierte er die Praxis, Managerlöhne an die Eigenkapitalrendite zu koppeln. Dies diene nur als Motivation, die eigenen Mittel möglichst tief zu halten und ermutige übermässige Verschuldung. Auf Seite der Banken argumentierte Georges Gagnebin, ehemaliges UBS-Konzernleitungsmitglied und bis 2008 Julius-Bär-VR-Präsident. «Grossbanken haben vergessen, dass sie Kunden haben.» Diese hätten eigentlich nichts im Investment Banking verloren und sollten sich auf ihr Kerngeschäft - das Retail-Banking - rückbesinnen. Vorwärts schauend gelte es Image und Vertrauen als «Basis vom Business» wieder aufzubauen. Dafür sollten vor allem Hilfspaketeeampfänger bei der Kreditvergabe an KMU und junge Leute mit Ideen grosszügig sein.

Überhaupt nichts von den Hilfspaketen hielt Klaus J. Stöhlker, Doyen für Corporate Communications. Staat und Zentralbanken verkommen zu den neuen «Ponzis». «Wir giessen immer weiter nach in den Schuldentopf», während unter den Grossbanken Krieg herrscht und die Kommunikation verkommt. Den Jungen eröffnen sich jedoch Chancen: Sie «können Karriere machen, wenn die Alten schwach werden». Bernd Schips, ehemaliger Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (Kof) nahm demgegenüber die Rolle des Optimisten abseits des Haifischbeckens ein. Trotzdem dürfe man, wie dies in der jetzigen Situation geschah, die fundamentalen Prinzipien des Finanzmarkts nicht vergessen: Eine nachhaltig höhere Rendite kann nur durch ein entsprechendes Risiko erreicht werden.

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