Noch diesen Monat will der Postverwaltungsrat entscheiden, wer Ulrich Gygi ersetzen soll, wie Post-Sprecher Richard Pfister bestätigt.

Die interne Nummer eins, Paket- und Briefpostchef Michel Kunz, tut sich dem Vernehmen nach schwer, eine Mehrheit hinter sich zu scharen. Der 49-jährige Elektroingenieur hat sich verdient gemacht bei der Reorganisation und beim Aufbau der Brief- und Paketzentren. Ob er allerdings auch die Angestellten und vor allem die Politiker für den schwierigen weiteren Liberalisierungspfad des gelben Riesen gewinnen kann, wird bezweifelt. Die erste Aufgabe, die der neue Post-Chef bewältigen muss, ist die Senkung des Briefmonopols von 100 auf 50 g im nächsten Sommer.

Erfolgreich durchgesetzt an der Spitze von Ex-Monopolunternehmen hat sich dagegen Jens Alder. Der 51-Jährige, der die letzten zwei Jahre den dänischen Telekomkonzern TDC geführt hatte, wurde diesen November per sofort entlassen und hatte sich immer geneigt gezeigt, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Er bezieht bis Ende Jahr einen Lohn.

Kein Dementi von Alder

Auf die Frage, ob er als Post-CEO zur Verfügung stehe, lässt er sich nicht in die Karten blicken. Er möchte die Frage nicht beantworten, sagt er der «Handelszeitung».

Unter seiner Führung hat der diplomierte Elektroingenieur mit MBA vom französischen Insead-Institut die Swisscom erfolgreich im liberalisierten Markt positioniert. Erfahrungen mit Service-public-Debatten, Verhandlungen mit Gewerkschaften und Politik hat er zur Genüge. Auch sein Leistungsausweis bei TDC wäre kein Hinderungsgrund, wieso er nicht wieder die Führung eines Ex-Monpolisten übernehmen soll. Er galt dort als genialer Effizienzsteigerer und Optimierer. Sein Abgang bei Swisscom im Zusammenhang mit der Auslandstrategie, welche ihm der Bund verboten hatte, ist ein Beweis für seine Gradlinigkeit und sein unternehmerisches Denken.

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DHL- und DPD-CEO scheiden aus

Ein weiterer oft erwähnter und naheliegender Kandidat, der Chef von Post-Konkurrentin DHL Express Schweiz und Österreich, Martin Müller-Duysing, nimmt sich selber aus dem Rennen. «Ich habe mit der Leitung von DHL Express Schweiz und Österreich eine internationale Herausforderung, die mich für die kommende Zeit voll auslastet und sehr motiviert», sagt er auf Anfrage. Auch der Schweiz-Chef der französischen Geopost-Tochter DPD, Georges Champoud, kommt nicht in Frage. Er ist bereits 58, hat zu wenig Erfahrungen ausserhalb des Paketgeschäfts und zudem ist er ein Protegé von Ex-Post-Chef und DPD-Verwaltungsrats-Vizepräsident Jean-Noël Rey.

Logistik- und Finanzfrau

Im Logistikgeschäft mindestens so versiert und gleich alt wie Michel Kunz ist Panalpina-Chefin Monika Ribar. Ausserdem verfügt sie über grosse Auslanderfahrungen und hat als ehemalige CFO einen erfolgreichen Börsengang durchgeführt. Sie hat sich bei Panalpina bei einer Führungsgarde alter Männer erfolgreich durchgesetzt und sitzt trotz einiger Unternehmenskrisen – der Betrugsfall in Nigeria beispielsweise – fest im Sattel. Als Verwaltungsrätin von Julius Bär hat sie auch Verbindungen zur Finanzwelt. Dies wäre wertvoll für die künftige Ausrichtung der Post-Cash-Cow PostFinance.

Laut Panalpina-Sprecher Martin Spohn äussert sich Monika Ribar nicht zu Spekulationen.