Sein Abgang hinterlässt Fragezeichen. Zwar hat Klaus Wellershoff die UBS nicht ganz verlassen – wie erst fälschlicherweise berichtet wurde. Er ist nach wie vor deren Chefökonom. Zurückgetreten ist er von den Ämtern als Chef Anlagestrategie und als Leiter des globalen Research der Abteilung Wealth Management – wo Begüterte beraten werden.

Die Bedeutung des Rücktritts ist dennoch gross. Innerhalb der Bank haben die beiden von ihm nun aufgegebenen Posten ein weit grösseres Renommee und sind auch viel bedeutsamer als der vor allem nach aussen hin gut klingende Titel eines Chefökonomen.

Verschiedene Spekulationen zu den Gründen für die Aufgabe dieser Funktionen machten daraufhin die Runde. Vermutet wurde unter anderem, der Rückzug auf den Posten des Chefökonomen könnte auf Meinungsverschiedenheiten mit dem UBS-Management wegen dessen Verhalten in der Subprime-Krise zu tun haben. Dies bestreitet Klaus Wellershoff allerdings vehement.

Er selbst erklärt seinen Abgang mit erreichten Erfolgen: «Wir haben in allen sechs Jahren, während denen ich diese Posten innehatte, die uns gestellten Benchmarks geschlagen. Unsere Aktienanalysen haben in den letzten fünf Jahren die Benchmarks übertroffen, und selbst das Fondsresearch hat mit Ausnahme von einem Jahr ebenfalls positive Beiträge geliefert.» Er wolle nun «das Glück nicht weiter herausfordern und anderen das Ruder übergeben».

Anzeige

In scharfem Gegensatz zu diesem Selbstlob stehen die Resultate der UBS-Strategiefonds. Gemäss der Zeitung «Sonntag» war deren schlechte Performance der wahre Grund: Der Chefstratege sei ausgetauscht worden, weil die Fonds noch nicht einmal den Vergleichswert (Benchmark) zu schlagen vermochten. Gegen einen unfreiwilligen Rücktritt spricht allerdings, dass Wellershoff in diesem Fall kaum seinen Posten als Chefökonom behalten hätte.

Wie Recherchen der «Handelszeitung» ergeben, besteht tatsächlich kein Widerspruch zwischen Wellershoffs Selbstlob und dem schlechten Abschneiden der Fonds. Die Empfehlungen von Wellershoff und seinem Team wurden von den Fondsmanagern der UBS schlicht in den Wind geschlagen. Wellershoff hat aus Frust darüber seinen Posten geräumt. Seine eigene Erklärung für den Abgang ist bloss die Hälfte der Wahrheit. Auf die Recherchen angesprochen, wollte der UBS-Chefökonom keine Stellung nehmen. In einem Schreiben an seine Mitarbeiter, das im «Sonntag» zitiert wurde, hat er aber eingeräumt: «Wir müssen anerkennen, dass zu wenig von unserem Erfolg für unsere Kunden spürbar wurde.» Die Fondsmanager glaubten es besser zu wissen. Wer will schon reiner Erfüllungsgehilfe einer übergeordneten Stelle sein.

Jobangebote dank Falschmeldung

Gut möglich, dass Wellershoff die UBS bald auch noch ganz verlässt. So zumindest könnten seine Aussagen zur verbleibenden Funktion als Chefökonom interpretiert werden: «Im nächsten Frühjahr habe ich diese Funktion in den verschiedenen Wandlungen der Bank zwölf Jahre lang ausgeübt. Auch da wird irgendwann eine Veränderung anstehen», erklärt er, um allerdings gleich zu beschwichtigen: Weder er noch die Bank hätten für den Abgang als Chefökonom einen Zeithorizont gesetzt.

Immerhin muss er sich um seine Zukunft keine Sorgen machen. Die zunächst erschienene Meldung, er verlasse die Bank, hat ihm eine Reihe von Jobangeboten beschert, die er allerdings ablehnte – zumindest vorerst.