Zum zweiten Mal innerhalb eines guten Monats kommt in München ein Sportfunktionär von Weltrang vor Gericht: Nach dem ehemaligen FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeness wird ab Donnerstag Formel-1-Chef Bernie Ecclestone der Prozess in der bayerischen Landeshauptstadt gemacht.

Und wie dem zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilten Hoeness droht auch Ecclestone eine Haftstrafe: Er soll dem damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen US-Dollar Schmiergeld gezahlt haben.

Für Freunde eines gepflegten Humors dürfte der Prozess am Landgericht München I einiges zu bieten haben. Denn der Brite Ecclestone und der bayerische Richter Peter Noll sind sich schon im Prozess gegen Gribkowsky begegnet. Die beiden lieferten sich bei Ecclestones Zeugenaussage Dialoge mit so viel Wortwitz, dass die Prozessbeteiligten und Zuhörer vergnügt auflachten. Solche Dialoge sind auch diesmal zu erwarten - allerdings könnte am Ende des bis September terminierten Verfahrens Ecclestone das Lachen im Halse stecken bleiben.

Bestechung und Anstiftung zu Untreue

Die Vorwürfe gegen den 83-Jährigen, der bis heute die Fäden in der Formel 1 führt, sind nämlich beträchtlich. Er ist wegen Bestechung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall angeklagt. Alleine für die Bestechung drohen bis zu zehn Jahre Haft. Einen Hinweis auf die mögliche Strafe für Ecclestone könnte das Urteil gegen den Bestochenen geben: Gribkowsky bekam achteinhalb Jahre Haft.

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Die Vorwürfe gegen Ecclestone, der zum Prozess erscheinen muss, stehen indirekt im Zusammenhang mit der Pleite des Medienmoguls Leo Kirch: Nach dem Aus für Kirch im Jahr 2002 fielen dessen Anteile an der Formel 1 an die Bayerische Landesbank als eine seiner Gläubigerbanken.

Die Bank machte ihr Vorstandsmitglied Gribkowsky zu ihrem Spezialisten für die Rennserie. Und dem gefiel das Spektakel um den Motorsport als Abwechslung von seinem Bankjob bestens, wie er selbst gestand.

Mitsprache verlangt

Gribkowsky spielte sich mit der Zeit als Teil dieses Showgeschäfts auf und verlangte Mitsprache. Für Ecclestone laut Anklageschrift ein unerwünschter Zustand. Mit Gribkowsky sei plötzlich jemand da gewesen, der ihm «ernsthafte Schwierigkeiten bereitet hatte und darauf aus gewesen war, die Geschäfte der Formel 1 massgeblich und aktiv mitzubestimmen».

So fasste Ecclestone laut Anklage den Plan, Gribkowsky in sein Boot zu holen und dazu zu bringen, dass die BayernLB ihre Formel-1-Anteile an den ihm gewogenen Investor CVC verkauft. Am Rande des Formel-1-Rennens im belgischen Spa sollen Ecclestone und Gribkowsky im September 2005 vereinbart haben, dass die CVC ein Kaufangebot vorlegen werde, das die BayernLB akzeptieren müsse.

Am Rande des Rennens von Bahrain im März 2006 - damals gewann Fernando Alonso hauchdünn vor Michael Schumacher - soll es dann um das Schmiergeld für Gribkowsky gegangen sein. «Tell me a number», sagte Ecclestone laut Anklageschrift zu Gribkowsky, der ihm daraufhin seine Schmiergeldforderung genannt habe.

Gribkowskys Geständnis

Einige Tage nach der Einigung der beiden Männer verkaufte die BayernLB ihre Formel-1-Anteile. Dass es auf diese Art abgelaufen ist, sagt Gribkowsky, dessen umfassendes Geständnis die Staatsanwaltschaft zur Grundlage ihrer Anklage gemacht hat. Ecclestone hingegen behauptet, Gribkowsky habe ihn mit der Drohung erpresst, ihn wegen Steuervergehen in Grossbritannien anzuzeigen.

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In der ARD stellte sich der Formel-1-Boss kürzlich als Opfer dar. «Im Moment bin ich der Verlierer, weil die Leute schlecht über mich reden.» Er hoffe, im Prozess alles klar stellen zu können und so Schaden von seinem Lebenswerk abwenden zu können.

Zumindest in einem Punkt ist ihm das Münchner Landgericht entgegen gekommen: Der Prozess ist so terminiert, dass Ecclestone kein Formel-1-Rennen verpassen muss.

(sda/chb)