1. Home
  2. Unternehmen
  3. Fosun will Schweizer Traditionsmarke Bally kaufen

Luxusgüter
Fosun will Schweizer Traditionsmarke Bally kaufen

Aktuelle Werbekampagne von Bally: Model Taylor Hill als neuer Star.   ZVG

Das Schweizer Lederwaren- und Modelabel Bally soll für gut 700 Millionen Dollar verkauft werden. Jetzt haben sich erste Interessenten gemeldet – unter anderem der chinesische Mischkonzern Fosun.

Von Marcel Speiser
am 18.09.2017

Dass die deutsche Milliardärsfamilie Reimann nichts mehr mit Luxusgütern zu tun haben will, ist bekannt. Dass auch ihre Marke Bally verkauft werden soll, ebenfalls. Und dass die Reimann es ernst meinen mit dem Abschied aus der Welt der Reichen und Schönen, ist ebenfalls klar. Spätestens seitdem sie das britische Schuhlabel «Jimmy Choo» im Juli für 1,2 Milliarden Dollar an den US-Konzern Michael Kors veräussert haben.

Und nun also Bally. Rund 700 Millionen Dollar wollen die Reimanns respektive ihre Gesellschaft JAB Holding für die Schweizer Traditionsmarke – sie wurde 1851 von Carl Franz Bally in der Solothurner Gemeinde Schönenwerd gegründet – sehen. Offenbar stösst das Angebot auf reges Interesse. Das jedenfalls berichtet die Nachrichtenagentur «Bloomberg» unter Berufung auf Personen, die mit dem Deal befasst sind.

Mischkonzern Fosun hat ein Büro in Zürich

Zu den Interessenten zählt Fosun. Der grösste chinesische Mischkonzern in Privatbesitz war ursprünglich ein Immobilienunternehmen. Heute aber ist er in diversen Branchen aktiv: Versicherungen, Banken, Tourismus, Gesundheitswesen, Unterhaltung und Mode. Erst kürzlich hat Fosun in Zürich eine Niederlassung gegründet.

In Europa für Aufsehen gesorgt hat die Übernahme des französischen Tourismus-Unternehmens Club Med, des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook und des britischen Fussballclubs Wolverhampton Wanderers. Zum Imperium gehört auch ein Anteil am kanadischen Cirque du Soleil. In der Modewelt ist Fosun bislang einzig mit einem Anteil an der US-Marke «St John» und am griechischen Juwelier «Folli Follie» aufgefallen. Dazu könnte sich nun Bally gesellen.

Am Schweizer Label interessiert sein sollen allerdings auch der chinesische Modehersteller und Handelskonzern Fujian Septwolves und der japanische Mischkonzern Itochu, zu dem unter anderem die Jeansmarke «Edwin» gehört.

Bally sollte der Nukleus für ein Luxus-Imperium sein

Bally sollte für die deutsche Unternehmerfamilie Reimann einst der Nukleus für ein Luxusgüter-Imperium sein. Ihr damaliges Investmentvehikel Labelux kaufte Bally 2008. Es folgten die US-Modemarke «Derek Lam», der italienische Lederwarenhersteller «Zagliani» und die britische Kult-Marke «Belstaff».

Bereits 2014 allerdings verloren die Reimann ihr Interesse, einen Konkurrenten zu LVMH oder Richemont aufzubauen. Nach und nach wurden die Marken verkauft und Labelux aufgelöst. Nur Bally gehört noch den Reimanns. Die Familie will sich auf das Geschäft mit Kaffee und Parfüms konzentrieren.

Bally – das neue Gucci?

Der Zeitpunkt für einen Verkauf von Bally ist günstig. Denn das Label ist in der Modewelt gerade wieder in aller Munde. Erst kürzlich feierte die «New York Times» Bally als möglichen Nachfolger von Gucci als angesagtestes Label in der Stadt der US-Trendsetter. Das mag übertrieben sein, hilft den Reimanns aber bestimmt, den angestrebten Verkaufspreis auch zu realisieren.

Anzeige