Demütigung und Erniedrigung gehören zum Alltag. Macht ein chinesischer Angestellter von Foxconn zu lange Pause, muss er sich vor den anderen Angestellten entschuldigen. Oder er muss ein Zitat des Firmenchefs Terry Gou hundertmal abschreiben. «Wir bezeichnen das Unternehmen als Arbeitslager», kommentiert Chantal Peyer von «Brot für alle». Von den Foxconn-Angestellten würden monatlich 80 bis 130 Überstunden eingefordert. Gesetzlich erlaubt seien in China bloss 36 Stunden, üblich aber 60.
Seit der taiwanesische Konzern wegen seiner Arbeitsbedingungen in seinen Werken auf dem chinesischen Festland und einer Selbstmordserie unter Mitarbeitern im Frühjahr in die Schlagzeilen geriet, ist Foxconn weltbekannt – als Ausbeuterkonzern. Dennoch lassen Industriegrössen wie Apple, Nokia und Sony weiter Komponenten durch die Taiwanesen fertigen.

Das Problem der Sublieferanten

Auch die Westschweizer Advanced Digital Broadcast setzt seit 2009 auf die Dienste von Foxconn. In den chinesischen Werken werden Komponenten für die  TV-Empfangsboxen von ADB hergestellt.  Die Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen haben die Genfer bislang nicht dazu bewegen können, die Geschäftsbeziehung zu beenden. Dies obwohl ADB in ihren ethischen Richtlinien festhält: «Wir halten uns an die nationalen und internationalen Arbeits- und Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften. Und wir verlangen auch von unseren Geschäftspartnern, dass sie diese strikten Regeln einhalten.» Eine Sprecherin will das Ausmass der Beziehungen zu Foxconn nicht kommentieren. «Wir prüfen jede Partnerschaft regelmässig, dabei werden alle Faktoren betrachtet. Das gilt auch für Foxconn», erklärt sie lediglich.

Andere Schweizer Elektronikhersteller wollen keinerlei Verbindung zum taiwanesischen Konzern haben. «Foxconn ist derzeit kein Lieferant von Logitech», stellt eine Sprecherin des Computerzubehör-Riesen klar. Man überprüfe alle Lieferanten, ob sie grundlegende Standards einhielten. Dasselbe gilt auch für Kudelski: «Wir sind kein Abnehmer von Foxconn», erklärt ein Sprecher des Konzerns. Ganz ausschliessen kann Kudelski jedoch nicht, dass in den Produkten seines Hauses auch Foxconn-Arbeit steckt. «Wir können nicht ausschliessen, dass unsere Zulieferer oder Partner Foxconn-Produkte verwenden», fügt der Sprecher an. Ein Problem, das wohl auch andere Hersteller kennen.

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Dass in asiatischen Fabriken die Arbeitsbedingungen öfter mal nicht eingehalten werden, ist bekannt. Dennoch prüfen dies nicht alle Unternehmen explizit. U-blox, der Schweizer Hersteller von GPS-Modulen, lässt rund einen Fünftel seiner Produkte in Fernost fertigen – in Singapur, Taiwan und auf den Philippinen. Er vertraut dabei auf den Augenschein vor Ort. «Wir sind dort auch häufig vor Ort, prüfen aber nicht speziell die Arbeitsbedingungen, sondern achten vielmehr darauf, ob die Qualitätsstandards eingehalten werden», so
U-blox-Finanzchef Jean-–Pierre Wyss. Das Thema Arbeiterrechte gewinne jedoch auch an Bedeutung, so würden etwa Abnehmer aus dem Automobilbereich vermehrt Fragen dazu stellen.
Das macht Sinn. Denn wird bekannt, dass ein Unternehmen unter unwürdigen Produktionsbedingungen produzieren lässt, reagieren die Konsumenten negativ. «Ihnen ist es heute nicht mehr egal, wie ein Produkt hergestellt wird», sagt Werber Dominique von Matt. Hat eine Marke den Ruf, dass sie zweifelhafte Lieferanten zulässt oder selber unter solchen Bedingungen produziert, werde sie unmittelbar Schaden nehmen. Das lasse sich sogar bei Top-Marken wie Apple beobachten.

Konsumenten bezahlen für Fairness

«Ich bin überzeugt, dass sich Konsumenten bei der Wahl eines Produkts anders entscheiden, wenn Missstände transparent werden», so von Matt. Gibt es eine unbelastete Alternative, werde diese vorgezogen. Sollten Vorwürfe auftauchen, müssen die Hersteller offen und transparent reagieren. So könne der Schaden für die Marke eingegrenzt werden. «Der Konsument ist bereit, für Produkte, die unter guten Bedingungen hergestellt wurden, mehr auszugeben», so von Matt.