Frage: Swisscom denkt über eine Flatrate nach. Der Kunde könnte dann für einen fixen Preis so viel telefonieren wie er will. Bei Cablecom telefoniert man gar gratis. Und bei Sunrise?

Frank Boller: Gratis telefoniert man bei Cablecom ja nicht, immerhin bezahlt man 20 Fr. pro Monat dafür, zusätzlich zum Kabelanschluss. Unsere Kunden profitieren hingegen bereits heute von 60 Gratisminuten.

Unter dem Strich ist Cablecom dennoch unschlagbar günstig.

Boller: Wer die Rechnung richtig macht, kommt nicht gezwungenermassen zum Schluss, dass Cablecom die günstigste Alternative ist.

Bei Cablecom telefonieren Sie zehn Stunden gratis, wenn Sie wollen. Dies zeigt doch vor allem eines: Infrastrukturlose Anbieter wie Sunrise oder Tele2 geraten im Festnetzbereich ins Hintertreffen

Boller: Sofern die Betreiber der Anschlussnetze keine Quersubventionierung betreiben, können Anbieter wie sunrise jederzeit mithalten. Wichtig ist aber in jedem Fall, dass die letzte Meile der Swisscom so bald wie möglich geöffnet wird, sodass der Schweizer Telekommarkt nicht zu einem Duopol verkümmert.

Wie halten Sie dagegen?

Boller: Indem wir die Öffnung der letzten Meile noch lauter fordern. Wir können unsere Angebote sonst nicht so strukturieren, wie wir es wollen.

Bei den Politikern stossen Sie mit solchen Forderungen auf wenig Gehör.

Boller: Wir sind auch schon auf weniger gestossen. Im Moment ist die Stimmung in der Nationalrats-Kommission gar nicht so schlecht. Ich denke, dass die Entbündelung kommen wird. Man hat eingesehen, dass dies auch die Wirtschaft beleben wird. Es hat genügend Anbieter, die in den Anschlussbereich investieren würden, wenn Sie nur könnten.

Sie hätten auch Cablecom kaufen können. Dann wären Sie jetzt alle Sorgen los.

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Boller (lacht): Swisscom hätte uns ja auch kaufen können. Wettbewerb entsteht nicht, indem sich die Konkurrenten gegenseitig kaufen. Wir brauchen vielmehr Rahmenbedingungen, die Wettbewerb ermöglichen.

Sie klagen dauernd. Betrachtet man die letzten Quartalszahlen von Sunrise, haben Sie dazu keinen Anlass. Bei einem Umsatz von 507 Mio Fr. erwirtschafteten Sie einen fetten Reingewinn von 54 Mio Fr.

Boller: Der Shareholder hat investiert. Er hat einen Anspruch darauf, dass das Investment eine Rendite bringt. Die Öffnung der letzten Meile ist ihm 1998 in Aussicht gestellt worden. Wenn wir jetzt Gewinne schreiben, ist das sicher schön.

Stichwort UMTS: Swisscom legt nun los. Wann ist Sunrise startklar?

Boller: Wir werden Ende Jahr so weit sein und die geforderte Abdeckung von 50% haben.

Die Abdeckung ist das eine, konkrete Angebote für Endverbraucher das andere.

Boller: Auch das wird es geben. Wir werden am Anfang auf grosse Agglomerationen fokussieren. Von den Angeboten her werden wir primär auf den Datenverkehr setzen.

Wird das Unternehmen dann auch an der Börse sein?

Boller: Nein. Einen Börsengang wird es dieses Jahr nicht geben.


Sunrise: Preisoffensive bei Festnetz-Tarifen

Umsatz und Gewinn nehmen bei Sunrise weiter zu. Im ersten Quartal 2004 setzte der zweitgrösste Schweizer Telekom-Anbieter 507 Mio Fr. (+11,7%) um, der Ebitda betrug 122 Mio Fr. (+24%) und der Reingewinn steigerte sich von 27 Mio auf 54 Mio Fr. Als Umsatztreiber erwies sich dabei die Mobiltelefonie. Sunrise zählt inzwischen knapp 1,3 Mio Kunden. Dazu kommen gut 800000 Festnetz- und 500000 Internetkunden. Das Unternehmen ist eine 100%ige Tochter der dänischen TDC. (rs)