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Franken-Schock bremst Einkaufstourismus

Euro-Rabatte: Schweizer haben vermehrt hierzulande zugegriffen.   Keystone

Eine markante Zunahme des Einkaufstourismus ist trotz Franken-Schock ausgeblieben. Das zeigen Daten des Finanzdienstleisters Six. Grund: Schweizer Händler haben schnell mit Rabatten reagiert.

Von Marc Badertscher und Jorgos Brouzos
am 08.04.2015

Der Schweizer Finanzinfrastrukturanbieter Six sieht keine markante Zunahme des Einkaufstourismus wegen der Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses im Januar. «Wir stellen keine grosse Welle beziehungsweise keine grosse Zunahme der aktiven Schweizer Einkaufstouristen fest», sagt Niklaus Santschi, Chef der Six-Zahlungssparte, im Interview mit der «Handelszeitung».

Santschi belegt dies mit der Anzahl Bezahl-Transaktionen auf Six-Kassenterminals: «In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben wir auf unseren Systemen 104 Millionen Zahl-Transaktionen in der Schweiz verzeichnet. Im gleichen Zeitraum im Vorjahr waren es rund 95 Millionen Bezahlvorgänge. Es gab also dieses Jahr sogar mehr Transaktionen.»

Rasche Reaktion auf den Franken-Schock half

Der Grund dürfte in der raschen Reaktion der Händler auf den Franken-Schock liegen. Sie haben anders als noch 2011 beim ersten Erstarken des Frankens dieses Mal umgehend die Preise gesenkt. Auch das zeigt sich in den Daten von Six: «Die Warenkörbe sind in der Schweiz im Schnitt um 10, im Falle von ausländischen Gästen um 15 Franken kleiner geworden sind», so Santschi. Die grössten Rabatte würden Uhren- und Schmuckhändler, Kleiderhändler, Möbelgeschäfte und Elektronikgeschäfte gewähren.

Aus den Daten ist aber auch ersichtlich, dass ausländische Kunden weniger in der Schweiz einkauften. Der Anteil von europäischen Transaktionen in der Schweiz ging in den ersten drei Monaten zwar nur um 3 Prozent zurück. Jedoch sinken die Durchschnittsbeträge der Einkäufe massiv um rund 12 Prozent.

Konsumenten aus Russland halten sich zurück

Ein Beispiel sind die Uhrenhändler: Hier sanken die durchschnittlichen Einkäufe von 900 Franken auf 700 Franken. Das gilt vor allem für Konsumenten aus Russland: «Wir sehen zudem rund 40 Prozent weniger Transaktionen von Russen in der Schweiz», so Santschi.

Generell sei spürbar, dass die ausländischen Touristen in der Schweiz weniger Geld ausgeben als noch im Vorjahr. «Der Umsatz beim Tourismus ging im ersten Quartal dieses Jahres um rund 4 Prozent zurück», sagt Santschi. Klar ist auch: Aus dem Ausland kommen viel weniger Tanktouristen in die Schweiz.

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Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock

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