Innert eines Jahres hat die Schweizerische Nationalbank ihre Devisenreserven von 46 Mrd Fr. auf 108 Mrd Fr. mehr als verdoppelt, weil sie gegen den starken Franken interveniert hat. Doch genutzt hat es angesichts der Schuldenprobleme in Griechenland und anderen europäischen Ländern wenig. Der Franken steigt und steigt. «Bei einer institutionellen Krise in der Eurozone sind die Möglichkeiten unserer Nationalbank nun einmal beschränkt», erklärt Martin Leber, Senior Investment Strategist der Bank Vontobel.

Eine Umfrage der «Handelszeitung» unter Währungsexperten zeigt: Die Schweizer Wirtschaft muss damit rechnen, dass sich der Euro vorerst bei 1.40 Fr. einpendelt - mit allen negativen Folgen: «Die Währungsentwicklung macht uns zu schaffen. Materialien kaufen wir zu hohen Teilen im Euroraum ein, das Gros der Löhne zahlen wir in Schwei- zer Franken», erklärt Jakob Schmidheiny, VR-Präsident des Mischkonzerns Conzzeta. «Das ist ein echtes Problem für uns.» Swissmem-Präsident Johann N. Schneider-Ammann warnt: «Kurzfristig droht der Industrie der Verlust ihrer Konkurrenzfähigkeit.»

Auf die Nationalbank darf die Wirtschaft nicht hoffen, sie tut laut Schneider-Ammann bereits ihr Möglichstes. Und laut Experten ist für die Exportfirmen ohnehin nicht der Wechselkurs die wichtigste Grösse, sondern das Wirtschaftswachstum in ihren Absatzländern. Weil dort die Aussichten laut CS-Währungsanalyst Sven Schubert gut sind, kann die Exportbranche «trotzdem mit Wachstum rechnen».

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