In den hundert Tagen seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken war der Euro durchschnittlich rund 1.05 Franken wert. Für Händler sind Importprodukte damit um einiges günstiger geworden. Eine erste Zwischenbilanz der Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen zeigt nun, dass diese Gewinne nur teilweise weitergegeben werden. Und auch je nach Sektor und Händler sind die Preisdifferenzen gross.

Während Nahrungsmittel und Kosmetikartikel auf breiter Basis billiger wurden, hat sich bei den Kleidern wenig getan. Die Verkäufer profitieren auch hier von der Frankenstärke. Sie beziehen ihre Ware meist aus Asien und zahlen oft in Dollar, der ebenfalls schwächer wurde. Der Preisunterschied zum nahen Ausland ist aber seit dem Ende des Mindestkurses von 30 Prozent auf 45 Prozent angewachsen.

Kosmetikartikel mit starken Preisabschlägen

Deutliche Preissenkungen gab es vor allem bei den Kosmetikartikeln. Die Erhebung zeigt, dass bei den Kosmetikartikeln aus dem Euroraum zwischen August 2014 und April 2015 die Preise um 8,5 Prozent (Migros), 6,5 Prozent (Coop) und 5.8 Prozent (Manor) sanken. Einige Produkte wurden gar um rund 30 Prozent billiger. Zu den Schnäppchen gehören Nivea Men Power Shampoo (im Migros 29,3 Prozent billiger), Tampax Compak regular (Coop, 28,6 Prozent billiger) und Tampax Pearl Regular (Manor, 30,4 Prozent billiger).

Trotz der Bemühungen der Schweizer Detailhändler blieben aber erhebliche Preisunterschiede zu den Nachbarländern bestehen, so die Allianz. Im Vergleich zu Deutschland lägen die Preise für Kosmetikartikel bis zu 80 Prozent höher. Im rein schweizerischen Vergleich gewinnt die Migros, vor Coop (rund 1 Prozent teurer) und Manor (rund 4 Prozent teurer).

Bei Nahrungsmitteln wären weitere Senkungen drin

Günstiger wurden laut Studie auch Nahrungsmittel aus dem Euroraum (Denner minus 5,1 Prozent, Migros minus 3,7 Prozent, Coop minus 3,3 Prozent). Gleich drei Produkte haben es bei zwei verschiedenen Detailhändlern in die Top 3 der Preisbrecher geschafft: Heinz Ketchup, der Weichkäse Président Carré Gourmet sowie die Meica Curry King Bockwurst mit Sauce.

Für die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist die Bilanz hundert Tage nach dem Mindestkurs-Ende erfreulich, «auch wenn weitere Preissenkungen möglich sind». Denn auch bei den Lebensmitteln zeigt sich ein grosser Unterschied zu Händlern im Ausland wie Carrefour oder Kaufland. Der getestete Warenkorb kostete bei Denner 38 Prozent, bei Coop 43 Prozent und bei der Migros 44 Prozent mehr als bei Kaufland in Deutschland.

Zeitschriften bleiben völlig überteuert

Kaum verbessert hat sich dagegen die Lage auf dem Zeitschriftenmarkt. Lediglich bei den italienischen Zeitschriften wurden Währungsgewinne weitergegeben. In der Deutschschweiz und der Romandie stiegen die Preise sogar leicht an. Und dies obwohl die Preisunterschiede zum Ausland hier schon vor dem SNB-Entscheid besonders extrem waren.

Die Differenz wuchs im Vergleich zum Juni 2014 nochmals deutlich an. Die Preise für Zeitschriften in der Schweiz sind um 80 Prozent höher als in Frankreich (55 Prozent im Juni 2014), 76 Prozent höher als in Deutschland (49 Prozent im Juni 2014) und 142 Prozent höher als in Italien (124 Prozent im Juni 2014).

Händler müssen noch mehr weitergeben

«Die gute Weitergabe der Währungsgewinne bei den Kosmetikartikeln und den Nahrungsmitteln kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem angrenzenden Ausland nach wie vor sehr gross sind», so die Bilanz der Konsumentenschützer. Preissenkungen seien in allen Bereichen möglich und wünschenswert.

Obwohl Schweizer Kleiderverkäufer nur indirekt vom tieferen Kurs profitierten, bestehe gerade in diesem Bereich Handlungsbedarf, so der SKS. «Angesichts der grossen Preisunterschiede zum angrenzenden Ausland sind Preissenkungen nötig, damit weiterhin in der Schweiz eingekauft wird.»

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