Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB hat im ersten Semester 2015 Spuren bei Fusionen und Übernahmen (M&A) in der Schweiz hinterlassen. Für ausländische Investoren wurden Schweizer Unternehmen auf einen Schlag teurer, was sich in rückläufigen M&A-Zahlen für das laufende Jahr niederschlage, heisst es in dem halbjährlich erscheinenden Report von Deloitte, der am Montag veröffentlicht wurde.

Gegenüber 2014 nahm die M&A-Aktivität im ersten Halbjahr 2015 zahlen- und wertmässig um 32 Prozent respektive 77 Prozent ab. Allerdings sei 2014 sei ein ausserordentlich starkes M&A-Jahr gewesen, daher relativiere sich der Rückgang. Denn die Aktivität im ersten Halbjahr 2015 liege im Mittel der letzten drei Jahre, so Deloitte weiter. Im Rekordjahr 2014 kam es zu mehreren Grossübernahmen mit Werten von mehr als einer Milliarde Franken.

Die KMU sind auf Einkaufstour

Treibende Kraft des M&A-Geschäfts in der Schweiz waren im ersten Halbjahr 2015 weiterhin die Klein- und mittelgrossen Unternehmen (KMU): Eine grosse Mehrheit von 85 Prozent der Inbound- und Inlandstranskationen mit einem Schweizer Unternehmen seien unter Beteiligung eines KMU getätigt worden, schreibt Deloitte. Im ersten Halbjahr waren Schweizer KMU insgesamt an 90 Transaktionen beteiligt, 13 Prozent unter dem Wert vom Vorjahr. Die Trendwende erkläre sich vor allem durch die anhaltende Frankenstärke, schreibt Deloitte in einer Mitteilung.

Der Entscheid der SNB und die anhaltende Stärke des Schweizer Frankens hätten die Karten im M&A-Geschäft in der Schweiz neu gemischt. Auf einen Schlag seien Schweizer KMU für ausländische Investoren teurer und generell mit einem Klima der Unsicherheit konfrontiert worden. Auf der anderen Seite habe die Frankenstärke die Kaufkraft der einheimischen KMU erhöht und den Anreiz verstärkt, ausländische Unternehmen zu erwerben, schreibt Deloitte. Die Outbound-Aktivitäten bei M&A liegen denn auch 7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Vor allem Übernahmen in Westeuropa

Übernahmen ausländischer Industrieunternehmen machen ein Drittel (34 Prozent) der Outbound-Transaktionen aus. Länder in Westeuropa bleiben die wichtigsten Partner der Schweizer KMU im M&A-Bereich. Deutschland ist mit einer Beteiligung von 21 Prozent sowohl an Inbound- als auch an Outbound-Transkationen der stärkste Partner.

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Der Anteil von Übernahmen ausländischer Unternehmen könnte sich gemäss Deloitte in den nächsten zwölf Monaten noch erhöhen: Denn 52 Prozent der CEO und CFO von Schweizer Industrieunternehmen seien der Meinung, dass die grössten M&A-Chancen im Ausland liegen würden. Deutschland, Nordamerika, Frankreich und China werden als wichtigste Zielregionen genannt.

(awp/mbü/hon)